Der erste Teil der zehnteiligen Doku ist seit Montag auf YouTube.

Rückblick: Ein kleiner Junge im roten Pulli sitzt auf der Treppe eines Gebäudes der kanadischen Kleinstadt Stratford. Er singt, spielt Gitarre und sammelt Geld. Es soll der Anfang einer großen Karriere werden.

Mehr als zehn Jahre später sitzt ein 24-jähriger Weltstar auf denselben Stufen - mit zerrissener Jeans, weißem Unterhemd und jeder Menge Tattoos. Die Dokuserie "Seasons", die am Montagabend auf YouTube gestartet ist, zeigt die Verwandlung des Justin Bieber.

"Niemand in der Geschichte der Menschheit ist so aufgewachsen wie Justin Bieber"

Das erklärt Mentor und Manager Scooter Braun. "Niemand ist in der Ära sozialer Medien weltweit so bekannt gewesen. Niemand war in jedem Jahr seines Erwachsenwerdens die meist gegoogelte Person des Planeten."

Die Einschätzung, mit der Braun wohl tatsächlich Recht haben dürfte, soll die Achterbahnfahrt im Leben des Kanadiers erklären. Der frühe Ruhm, Probleme mit Drogen, Alkohol, Polizei und Medien. Und dann der Abbruch seiner weltweiten "Purpose"-Tour 2017, mit dem die erste Folge der YouTube-Reihe beginnt.

Aber auch die Rückbesinnung auf sich selbst wird gezeigt. Die Hochzeit mit Model Hailey Baldwin, eine Therapie und sein Bühnencomeback beim Festival Coachella 2019 – als Überraschungsgast bei Kollegin Ariana Grande.

Es ist durchaus eine spannende Lebensgeschichte, die Bieber und seine engsten Vertrauten zu erzählen haben. Dass sie dies jetzt und in dieser Form tun?

Ende des vergangenen Jahres deutete der Popstar immer wieder über seine sozialen Medien ein Comeback an. Wenige Tage später erschien die von Fans lang ersehnte Solosingle "Yummy", die nicht bei allen gut ankam. Wohl im Februar soll das neue Album folgen, mit dem Bieber auch wieder auf Tour geht.

Vorab also erst einmal die zehnteilige Dokuserie auf YouTube. Jeden Montag und Mittwoch stellt die Videoplattform eine neue Folge online, die immer wieder von Werbung unterbrochen wird. Die häppchenweise Veröffentlichung (jede Folge ist rund zehn Minuten lang) bedeutet natürlich viel mehr Klicks als ein einziger Film.

Bieber, der als Teenie durch seine YouTube-Videos aus dem heimischen Wohnzimmer entdeckt worden war und mittlerweile fast 50 Millionen Abonnenten hat, soll laut Medienberichten rund 20 Millionen Dollar für die Doku bekommen. Er und seine Manager fungieren als ausführende Produzenten und können somit kontrollieren, was Fans und Medien über ihn erfahren.

Die Autofahrt mit der Ehefrau durch seine alte Heimatstadt, die wohlwollenden Statements von Weggefährten und vor allem die Enthüllung, er sei an Lyme-Borreliose erkrankt: Das alles bringt Sympathien und öffentliche Aufmerksamkeit.

Immer mehr Musiker teilen in Dokus intime Einblicke in ihr Leben

Allein steht Bieber damit nicht. Superstar Beyoncé drehte bereits 2013 für den US-Sender HBO die Doku "Life Is But A Dream" und sprach darin erstmals über ihre Fehlgeburt. Lady Gaga berichtete 2017 in der Netflix-Doku "Five Foot Two" über ihre chronische Schmerzerkrankung. Und im neuen Netflix-Film "Miss Americana" über Taylor Swift, der Ende Januar erscheint, will die Musikerin Auskunft über ihre Essstörungen geben – natürlich unter selbst kontrollierten medialen Bedingungen.

Für Tom Nicholson vom britischen Magazin "Esquire" sind derartige Filme keine richtigen Dokumentationen. "Es ist eine tolle Möglichkeit, Tickets zu verkaufen. Aber bitte: Tut nicht so, als seien sie mehr, als bloß sehr lange Werbespots."

[Text: Zusammen mit Thomas Bremser, dpa ]

Quelle: Noizz.de