Ich gebe euch 3 Gründe, warum Jaden Smith mit seiner regelbrechenden Musik alles richtig macht.

Das letzte Mal, als Jaden Smith ein Album herausbrachte, schrieben wir noch das Jahr 2017. Davor hatte Jaden schon fünf Jahre lang Musik veröffentlicht – relativ erfolglos. Doch mit "SYRE" ging es richtig los. Dessen Single "Icon" erreichte in USA und Kanada den Gold-Status, auf Spotify wurde sie fast 160 Millionen Mal gestreamt.

An diesen Erfolg will der Rapper jetzt anknüpfen – mit seinem zweiten Album "ERYS".

Fast heimlich und unbemerkt erschien am 5. Juli 2019 das Album. Es ist ein Rap-Album, doch ist an sich genau wie Jaden: Frei von Konventionen. Zu den Features zählen A$AP Rocky, Kid Cudi und sein Boy, Tyler, The Creator. "ERYS" macht einfach Bock, Musik zu feiern. Es ist extrem durchdacht, musikalisch raffiniert und hochwertig produziert. Wenn du mir immer noch nicht glaubst: Hier drei Highlights als Beweis.

Highlight #1: Die Referenzen zu Jadens erstem Album

Manchmal sind es in erster Linie die kleinen Easter Eggs, die beweisen, dass ein Album wirklich durchdacht entstanden ist. Ein lustiger kleiner Gag von Jaden: Auf seinem ersten Album "SYRE" hießen die ersten vier Tracks "B", "L", "U" und "E" (buchstabiert auf Englisch Blau, für die Spätchecker unter uns). Auf "ERYS" heißen die ersten vier Tracks nun "P", "I", "N" und "K".

Ok, vielleicht ein etwas offensichtlicher Move. Trotzdem cool, wie er seinem ersten Album zuzwinkert. Referenzen an sein früheres Ich ziehen sich durch das ganze Album hinweg – und das meistens tiefgründiger als nur in den Song-Titeln. 

Highlight #2: Die Meta-Ebene

Der erste Song Jadens ersten Albums "SYRE" begann damals mit einem Bibel-Vers, gesungen von Jadens Schwester Willow. Der Vers handelt von Gottes Schaffung Evas. Das neue Album "ERYS" beginnt auch mit einem biblischen Vers, der sich mit Adam und Eva beschäftigt. Dieser jedoch erzählt die Geschichte von Adams und Evas Rausschmiss aus dem Paradies. In der Dunkelheit finden sie Rückzug. Und genau so ist auch das Album: Ein Rückzug in die Dunkelheit, mit Emo-Rock, Ausflüge in Melodie-lose Lieder und die zeitlose Reflexion von Schmerz.

Auf dem dritten Album-Track "N" spielt Jaden auf dasselbe Thema an. Dort benutzt er eine Textzeile, die er bereits auf dem "SYRE"-Song "Lost Boy" benutzt hat – außer, dass er sie dieses Mal weiterspinnt. Auf "SYRE" singt er:

SYRE died in the sunset, don’t be like him. Man that‘s where the story ends, but it also begins.

Auf dem neuen Album „ERYS“ klingt das dann so:

SYRE died in the sunset, don’t be like him. ERYS was born in the dark, then was handed a (stick).

Interpretieren könnte man seine Worte so, dass Jaden sich fühlt, als hätte er sich zu sehr in sinnlosen, kurzlebigen Freuden verloren, und sei nun in einen Abgrund geraten.

Highlight #3: Die fehlenden Genre-Grenzen

"ERYS" beginnt mit dem Song "P": einem langsamen, balladen-artigen Song, der auf ein sinnliches, gehauchtes Solo aufbaut. Während der nächste Song "I" wie aus einem Kochbuch für motivierende Workout-Songs geschrieben scheint, ist "NOIZE", ein paar Songs später, ein übersteuerter, aggressiver Track, der aus puren Beats und Emo-Vocals besteht. Irgendwann denkst du dann, dass sich das Album doch noch auf einen coolen, modernen Trap einpendelt – und dann kommt "Fire Dept" um die Ecke und schreit dich als Heavy-Rock-Song an die Wand.

Alles, was auf diesem Album passiert, ist unerwartet. Und das macht das Album unheimlich spannend und interessant.

Hinter der Produktion von "ERYS" steckt natürlich eine Menge Kohle. Schließlich ist Jaden schon ein kleiner Rich Boy, der als Sohn von Schauspieler und Rapper Will Smith in eine Welt mit vielen Kontakten in die Musik-Industrie hineingeboren ist. Doch die Experimentierfreudigkeit dieses Albums beweist, dass Jaden mehr als nur ein Rich Boy mit Kontakten ist – er ist ein Künstler, der sich keinen Konventionen verpflichtet, nur, um ein großes Publikum anzusprechen.

Er zieht seine Vision komplett durch, selbst wenn er mit manchen Liedern bestimmt keinen übergroßen kommerziellen Erfolg erzielen wird. Auch wenn seine Musik also nicht den Nerv von jedermann trifft – jeder kann respektieren, wie viel Herzblut und Gedanken in "ERYS" eingeflossen sind. Aus diesem Grund gehen bei mir alle Daumen hoch für dieses Album (also zwei). 

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Quelle: Noizz.de