Alles nur Image?

Tekashi69 (aka 6ix9ine) droht gerade eine lebenslange Haftstrafe. Die Anklage lautet „kriminelle Vereinigung“ (eng. „racketeering“). Der 22-Jährige soll Teil der „Nine Trey Gangsters“ sein, einer Splittergruppe der weltbekannten US-amerikanischen Gang „Bloods“ aus Los Angeles.

Seit der New Yorker Rapper im Oktober 2017 mit seinem Megahit „Gummo“ durchgestartet ist, hat er quasi pausenlos damit geprahlt, ein „echter Gangster" zu sein. Jetzt behauptet sein Anwalt allerdings das Gegenteil: Tekashi sei kein Gangster, sondern nur ein Künstler, der das Image eines Gangsters zu Promo-Zwecken nutzt. Alles nur Show? Wie gangster ist Tekashi wirklich?

So sehr man ihm in seiner aktuellen Lage das Gegenteil wünschen würde: 6ix9ine ist höchstwahrscheinlich genau der Gangster, der zu sein er immer behauptet hat. Die aktuelle Anklage gegen ihn ist auch keine haltlose Beschuldigung oder sogar bloße Inszenierung als Promo für sein kommendes Album, sondern ein sogenannter „Feds Case“, ein Fall des Federal Bureau of Investigation (FBI). Das FBI ist die zentrale Sicherheitsbehörde der USA und dementsprechend für die ganz großen Fälle zuständig. In Deutschland in etwa vergleichbar mit dem Bundeskriminalamt (BKA).

Heißt konkret: Das FBI hat Tekashi und seine Gang über Monate ausspioniert, um nun einige der wichtigsten Mitglieder auf einen Schlag auszuhebeln. Dafür haben sie unter anderem die Smartphones diverser Gang-Mitglieder verwanzt und abgehört.

Die Anklage – der RICO Act

Auch die Anklage ist keine „normale“ Anklage, wie Waffen- und Drogenbesitz, sexuelle Übergriffe oder Verstöße gegen Bewährungsauflagen, für die US-amerikanische Rapper quasi wöchentlich belangt werden.

Der RICO Act („Racketeer Influenced and Corrupt Organizations Act“) wurde in den 1970ern im Kampf gegen die US-amerikanische Mafia ins Leben gerufen. Es geht dabei darum, einzelne hochrangige Gang-Mitglieder zu verhaften, ohne ihnen persönlich konkrete illegale Delikte nachweisen zu müssen.

Das funktioniert in etwa so: Das FBI beweist im ersten Schritt, dass eine bestimmte Gruppe eine kriminelle Organisation ist. Im zweiten Schritt belegt sie dann, dass der Angeklagte zur Gruppe gehört und überführt ihn in allen Anklagepunkten gegen die gesamte Gang.

„Die Gruppe ist kriminell, du gehörst zur Gruppe, also bist du genau so kriminell und gehörst ins Gefängnis!“, so einfach ist das.

Für 6ix9ines Fall bedeutet das, es hilft ihm nicht, wenn er beweist, dass er niemanden ausgeraubt hat, keine Waffen besitzt oder nie Drogen gedealt hat. Er muss beweisen, dass er nicht zur Gang gehört und auch niemals Teil von ihr war. Wenn er das nicht schafft, wird er in allen Anklagepunkten gegen die Gang schuldig gesprochen, ganz gleich, ob er sie persönlich ausgeführt hat.

Die Anklagepunkte

  • Das Benutzen einer Waffe während einer Schießerei auf einen Videodreh: 25 Jahre bis Lebenslang
  • Waffenbesitz und „Schwenken" einer Waffe während eines Raubüberfalls: 7 Jahre bis Lebenslang
  • Drei verschiedene Anklagen von „krimineller Vereinigung“ mit je drei Jahren, 20 Jahren und 20 Jahren Haft

Bei einer Schuldigsprechung wären das im utopischen besten Fall für Tekashi drei Jahre Knast, im schlimmsten Fall lebenslange Haft.

Hinzukommt, dass der „Fefe“-Rapper derzeit auf vier Jahren Bewährung wegen sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen ist. Die Bewährungsauflagen sagen unter anderem, dass er keine Verbindung zu Gang-Mitgliedern haben darf. Sollte er schuldig gesprochen werden, hat er vermutlich auch gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen und muss zusätzlich mit einer saftigen Haftstrafe im alten Prozess rechnen. Insgesamt also alles andere, als rosige Aussichten.

Wie stehen seine Chancen?

Allem Anschein nach äußerst schlecht, wobei Tekashi nach eigener Aussage die besten Anwälte hat, die man für Geld kaufen kann. Wie viel diese gegen das FBI und den kaum bezwingbaren Vorwurf des RICO Act tun können, werden die nächsten Tage und Wochen zeigen.

Sein Anwalt hat den Richtern sogar schon Tekashis komplettes Konto (circa 1,6 Mio. Dollar) plus seinen Ausweis als Kaution angeboten, um ihn bis zur Verhandlung rauszuholen. Vielleicht hätte sich da ein kleines Zeitfenster aufgetan, den Rapper illegal aus dem Land zu schmuggeln? Das Angebot wurde jedenfalls abgelehnt und Tekashi sitzt momentan im normalen Trakt eines Gefängnisses in Brooklyn, das nach dem US-amerikanischen Justizministerium als „extrem gefährlich“ gilt. Eigentlich kommen Prominente in einen separaten Teil im Kittchen, da die Gefahr zu hoch ist, dass sie sonst Opfer von Gewalt werden.

Tekashi69 ist einer der angesagtesten und erfolgreichsten Rapper der letzten 12 Monate. Unzählige Gold- und Platinauszeichnungen an den Wänden, hat 6ix9ine mit seiner letzten Single „Fefe“ sogar die Pole-Position der Billboard-Charts erreicht. Sein kommendes Album „Dummy Boy“ sollte eigentlich am 23.11. erscheinen, wurde wegen der aktuellen Anklage aber auf ungewisse Zeit verschoben.

Quelle: Noizz.de