Der Schlager-Rocker weiß offenbar gar nicht, dass er schwulenfeindlich ist.

Andreas Gabalier. Ein Name, ein Mann, sehr viel Belanglosigkeit. Er war mir egal. Nicht, dass ich den „Schlager-Rocker“ nicht mag oder etwas gegen ihn habe; er findet in meinem Leben einfach nicht statt.

Gabalier scheint in einer Welt zu existieren, die ganz weit weg auf irgendeinem Berg in Österreich stattfindet. Da heißen die Frauen „Madl“, und man trägt Lederhosen, und die „Madl“ bereiten „Fleischpflanzerl“ am Herd zu. Gabalier ist höchstens der Typ, der auftaucht, wenn ich Jeanette Biedermann bei YouTube suche. (Zur Erklärung: Sie war mein Teenie-Idol, und die beiden haben einmal zusammen gesungen.)

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Nun ist Gabalier in aller Munde und kollidiert mit meiner Welt. Er sei schwulenfeindlich, frauenfeindlich und rechts. Ersteres ist das Problem, das ich in diesem Text behandeln möchte.

Der Anlass: Die Faschingsgesellschaft „Narhalla“ hat Gabalier am Samstag den Karl-Valentin-Orden verliehen. Der Preis erinnert an den Humoristen Karl Valentin. Für das Münchner Schwulenzentrum ist das ein No-Go. Das Schwulenzentrum lud „Narhalla“ kurzerhand vom schwulen Rosenmontagsball aus. Gabalier sei nicht tragbar. Man wolle sich distanzieren. Gut so, denkt man erstmal.

Die News haben die Debatte um Gabalier wieder angeheizt. Und irgendwann hat es mich doch interessiert, was dieser Gabalier zu sagen hat. Wieso er als so homophob gilt.

Immerhin brüstet sich Gabalier damit, gleich drei schwule Pärchen zu kennen. Zwei davon aus beruflichen Gründen. Ein Pärchen, also zwei (!) schwule Männer, sogar privat. Diesen Fakt scheint Gabalier als Beleg zu sehen, wahnsinnig liberal zu sein. Denn die Kernaussage ist: Schau an, ich dulde Schwule sogar in meinem Privatleben. So weit, so egal.

Das Problem befindet sich im Aber. So sagte Gabalier, „dass man diese Sexualität nicht ganz so breit in der Öffentlichkeit austreten muss“. Wieso denn, lieber Andreas? „Aus Respekt unseren kleinen Kindern gegenüber. Die sollten sich doch ihr eigenes Bild von Sexualität machen, wenn sie alt genug sind. Und nicht unbedingt auf dem Weg in den Kindergarten die Pudelnackerten auf den großen Plakatwänden sehen.“

Weiter ließ sich Gabalier weniger galant über transsexuelle Menschen aus: „Auf der anderen Seite zeigen wir in Wien Plakate von pudelnackten Transgender-Menschen mit Brüsten und Zippel. Das ist dann das Normale?“

Aha. Schauen wir uns einmal die andere Seite an. Ein Kind, das schwul oder lesbisch oder einfach nicht heterosexuell ist, wächst in unserer Gesellschaft auf und hat am besten noch einen Vater wie Andreas Gabalier. Da sagt die Welt gleich zur Begrüßung: Willkommen im heterosexuellen Kosmos, du wandelnder Fehler. Du bist scheiße, mit dir stimmt was nicht, schwul zu sein ist nicht okay und gehört versteckt.

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Kein Wunder, lässt sich dieses Bild auch in Medien festmachen. Übersexualisierte Werbung, in jeder Serie, in jedem Film heterosexueller Sex, Kuppel-Shows und und und. An sich auch verständlich, ist die Mehrheit der Menschen heterosexuell. Dennoch entsteht in dem Kind, wenn es von den Eltern nicht andere Alternativen gezeigt bekommt, das Gefühl, dass etwas falsch mit ihm ist.

Nun scheint Gabalier der Auffassung verfallen zu sein, dass das Bild eines halbnackten Mannes einem Kind schaden kann. Interessant. Immerhin setzen wir den Nachwuchs auch vor den Fernseher, dort schauen sie sich bunte Dinos, deformierte Marsmännchen mit Sprachfehler und kleine Zwerge auf dem Mond an. Alles kein Problem, oder Andreas? Auch wenn nun Sylvie Meis halbnackt auf einem Plakat für ihre Unterwäsche wirbt, würde Gabalier seinem Sohn wahrscheinlich auf die Schulter klopfen und sagen: „Was a Pracht-Madl.“

Und hier ist das Problem. Als schwuler Junge in einer heterosexuellen Welt versuchst du dich anzupassen. Wenn Serien wie „GZSZ“ dir Sex zwischen Mann und Frau zeigen und keine Alternativen bieten, schaust du trotzdem hin und redest dir ein, dass du es magst. Weil es keine anderen Rollenmodelle gibt. Weil deine Eltern dir etwas vorleben, das du nicht bist.

Nun ist da ein Andreas Gabalier, den man als einfach nur begrenzt oder homophob abtun könnte. Man kann ihm glauben, dass er ernsthaft um das Wohl der Kinder besorgt ist und nicht einfach nur sein eigenes Unwohlsein projiziert. Aber was ist, wenn Gabalier es einfach nicht besser weiß? Wenn Homosexualität für ihn nur etwas ist, das ihm von seinem Vater, seinen Medien oder über andere Kanäle übermittelt wurde?

Ich denke, man hätte Gabalier zum schwulen Rosenmontagsball einladen sollen. Statt ihn auszusperren, was seine Ansichten wahrscheinlich noch verstärkt, sollte man ihn einbeziehen. So wird vielleicht auch Herr Gabalier lernen, dass Menschen einer anderen sexuellen Orientierung nur eins sind: Menschen. Dass an einem nackten Mann auf einem Plakat nichts verkehrt ist. Dass das keinem Kind schadet. Dass wir alle Rollenvorbilder brauchen. Werbung, Medien, was auch immer, die uns anspricht. Um uns in der Welt, in der wir leben, wohlzufühlen. Toleranz ist keine Option mehr, Toleranz ist eine Voraussetzung. Auch, oder besonders, für einen Schlager-Star und seine Fans.

Edit: Der Sänger behauptet nun übrigens, er sei nicht homophob und dass Kritiker nur neidisch auf seinen Erfolg seien … Andreas wer noch mal?

Quelle: Noizz.de