„Borderline-Boy, I'm suicidal, ya.“

In unserer Reihe "Yung Deutschrap" stellen wir euch regelmäßig nice Nachwuchskünstler vor, die sich in den Weiten des Deutschrap herumtreiben und das Potential haben, die nächsten großen Stars zu werden.

In der ersten Folge geht es um Nugat aus Niedersachsen, einen Multi-Instrumentalisten, der in einer mitreißenden Mischung aus Crossover, Pop und Emo-Trap seine Borderline-Erkrankung vertont.

Nugat hatte mit seinem instrumentalen Lied "Rescue" me bereits im Alter von 18 Jahren einen ersten kleinen internationalen Hype als Producer – das war 2016. Mit der Zeit hat er gemerkt, dass er zu gerne singt, um „nur“ zu produzieren. Also kamen Vocals hinzu, auf Englisch. Mit "Panics" feat. Adi Space gelang ihm dann im gleichen Jahr noch ein Song, der mittlerweile fast eine Million Streams auf Spotify hat.

Zum ersten Mal bekommt man hier einen emotionalen Einblick in sein Innenleben: „Some nights I think I can't sleep without pills, some nights I think I can't sleep 'cause I'm ill.“ Die klare Sprache hat er sich bis heute beibehalten. Seine neue EP "The intelligence of an antisocial" ist eine Sammlung von Gedanken, Eindrücken und natürlich wieder ein Ringen mit sich selbst. Aktuell befindet er sich auf seiner ersten Headliner-Tour durch Deutschland, für die wir unter dem Artikel Tickets verlosen – durchlesen lohnt sich also!

NOIZZ: Weißt du noch, warum und wann du angefangen hast, Musik zu machen? Wann sind deine eigenen Vocals ins Spiel gekommen?

Nugat: Warum genau, kann ich gar nicht sagen ... denke, es ist einfach passiert, weil ich mich als Kind immer schon sehr für Musik interessiert habe. Ich hab mit circa sechs Jahren angefangen, Saxophon zu spielen. Das war so der erste Schritt Richtung „eigene Musik machen“. Hab mich dann im Laufe der Zeit mit Gitarre, Schlagzeug und Keyboard beschäftigt, aber auch immer schon gesungen. Mit Beats hab ich so mit 14 angefangen, und seit meinem "Ward 8"-Release singe ich dazu auch.

Worum geht es dir bei deiner Musik und warum hast du nie aufgehört?

Nugat: Ich liebe es einfach, Songs zu machen. Es ist mein Hobby und meine Passion und auf jeden Fall auch ein Ventil. Meine Musik bedeutet mir unfassbar viel.

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Was sind deine Einflüsse und welchen Artisten feierst du aktuell am meisten?

Nugat: Textlich ist der größte Einfluss mein Leben – Dinge, die ich beobachte, und alles, was so um mich herum passiert. Musikalisch hab ich sehr viele verschiedene Einflüsse. Mein Musikgeschmack ist sehr breit gefächert, das geht von Elvis Presley über Green Day bis zu modernen Sachen wie Lil Uzi Vert. Ehrlich gesagt kriege ich gar nicht immer so viel mit, was neue Releases angeht – ich höre eh eher einzelne Songs und kaum Alben am Stück oder so.

In welcher Szene findest du statt? Alles digital oder gibt es auch noch lokale Wurzeln?

Nugat: Sowohl als auch. Ich hab mein Team hier in Berlin um mich herum. Natürlich macht man aber auch viel übers Internet! Ich bin trotzdem eher der persönliche Typ. Soll heißen, ich mag es lieber, wenn man sich wirklich trifft, um Musik zu machen oder was auch immer.

Was ist für dich als Künstler aktuell der größte Struggle?

Nugat: Dass ich mit meinen Jungs immer noch alles selbst mache, und das ist natürlich sehr, sehr viel Arbeit. Ich beziehungsweise wir haben uns diesen Weg aber ausgesucht, und das ist vorerst auch gut so. Alles good!

Was sind deine liebsten Hilfsmittel, um deine Kreativität anzukurbeln?

Nugat: Ich trinke schon gerne beim Produzieren oder auch beim Schreiben, aber nicht wirklich, um meine Kreativität anzukurbeln. Kreativität kommt bei mir oft sehr spontan und hektisch. Kann mir meistens aber dennoch genauso gut vornehmen, einen Song zu machen.

Borderline-Boy, I'm suicidal, ya. Deep inside hear my Demon whining, ya. See my fucking pain is covered by them diamonds, ya. My soul is dark, but i keep it shining, ya.

Kannst du erklären, worum es in dieser Textpassage aus "fckn Diamonds" geht?

Nugat: Im Endeffekt soll diese Passage ausdrücken, dass das Äußere nicht immer das Innenleben zeigt. Nur, weil jemand lächelt, heisst das nicht, dass er wirklich glücklich ist.

Wenn du die nächsten sechs Monate deiner Karriere aussuchen könntest: Was würde passieren?

Nugat: Würde immer noch genau die gleiche Herangehensweise an meine Musik haben, mit dem Unterschied, dass meine Jungs und ich davon sehr gut leben könnten. Ich würde meinem Vater ein Auto kaufen und ein Haus für meine Eltern. Außerdem kriege ich momentan viele Nachrichten von Menschen, die mir erzählen, dass meine Musik ihnen bei ihren Problemen hilft. Würde mir wünschen, noch viel mehr Menschen auf diese Art und Weise zu berühren. Ach ja, und ich wäre Headliner beim "Rolling Loud Festival", haha ...

Welche Rolle spielen Erfolg, Fame und Geld für dich?

Nugat: Geld spielt für jeden Menschen eine Rolle. In der Musikszene kommst du halt durch Fame und Erfolg an Geld, daher spielt alles eine Rolle für mich. Ich würde ja meine Musik nicht rausbringen, wenn ich nicht möglichst viele Leute damit erreichen wollen würde. Ich find's auch immer sehr heuchlerisch, wenn Musiker in ein Interview gehen und sagen, Geld oder Erfolg würden überhaupt keine Rolle spielen. Allerdings würde ich meine Musik auch ohne Fame oder Geld machen, nur dann halt nicht veröffentlichen. Ganz einfach.

Kannst du beschreiben, was du beim Musikmachen fühlst?

Nugat: Ich lasse in meiner Musik oft viel Pain raus, also bringt es mir oft ein Gefühl der Erleichterung. Manchmal kommt es vor, dass ich Musik so sehr fühle, dass ich breit grinse oder loslache. Das muss nicht immer meine Musik sein, aber das liebe ich an Musik.

Wenn du keine Musik machen dürftest: Was würdest du in deinem Leben tun?

Nugat: Ich wünschte, ich könnte sagen, ich hätte einen ganz normalen, gut bezahlten Job oder so ... Ehrlich gesagt aber vermutlich Drogen verkaufen oder irgendwas anderes in die Richtung. Auf jeden Fall keinen Nine-to-Five-Job.

Hier kannst du Shoutouts geben!

Nugat: Shoutouts an Jannis Rolfs, Trillboy und Örnis.

Wir verlosen Tickets für Nugats Auftritt in Berlin am 30. März 2019!

"Policeman" feat. Kelvyn Colt ist übrigens Nugats aktuelle Single. Die Nummer geht auf Spotify gerade gut durch die Decke. Wenn du den Song gerne mal live hören würdest, kannst du jetzt und hier 2 x 2 Tickets für Nugats Show in Berlin gewinnen!

Und so kannst du gewinnen

Schreib uns bis Donnerstag, 28. März 2019, 18 Uhr eine E-Mail mit dem Betreff „Nugat“ an editorial@NOIZZ.de. Falls du gewinnst, sagen wir dir sofort Bescheid. Viel Glück!

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Quelle: Noizz.de