Szene-Experten sagen: Ja! In Großbritannien kann man den Beginn und seine Folgen jetzt schon sehen. An immer mehr Orten musste die Polizei bereits während der Coronakrise illegale Raves in Parks, Wäldern, Industrieruinen und Unterführungen auflösen.

Wer die Netflix-Serie "White Lines" geschaut hat, kann sich wohl in etwa vorstellen, wie die damals noch extrem undergroundige Technoszene in Manchester in den Neunzigerjahren ausgesehen haben muss: Illegale Raves in stillgelegten Fabriken, viele Drogen, krasse Beats und Nächte, die kein Ende nehmen wollen – zumindest so lange, bis die Polizei sie auflöst. Diese Partykultur scheint nun ein Revival zu feiern. Der Grund: natürlich die Coronabeschränkungen.

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Clubs sind geschlossen, Events dürfen nicht stattfinden. Viele Clubgänger versuchen nun trotzdem ihre gewohnten Partynächte feiern zu können, eben mit illegalen Raves. Und Experten prognostizieren mehr dieser Events diesen Sommer. Trauriger Höhepunkt: In Droylsden, nahe Manchester, feierten am vergangenen Wochenende rund 4.000 Menschen auf einem illegalen Rave. Im Raum Carrington, ebenfalls nahe Manchester, waren es 2.000 Leute. Die Bilanz war erschreckend: Ein Mann stirbt an einer Überdosis, mindestens eine Teenagerin wurde vergewaltigt.

Ein Sommer voller illegaler Raves?

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Wo die geheimen Raves stattfinden, wird zeitnah über Social Media und WhatsApp geteilt. Ein System, das funktioniert. Seit Mai ist die Polizei in Großbritannien deswegen im Dauereinsatz. Abgesehen davon, dass die illegalen Partys natürlich gegen die Kontaktbeschränkungen verstoßen, sind die meisten Veranstaltungen zwar friedlich, Ausnahmen wie die in Carrington und Droylsden häufen sich nun aber.

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James Morsh, ein bekannter Club-Promoter im Bereich rund um Notthingham sieht gerade den Anfang einer neuen Rave-Bewegung für diesen Sommer. Er hat zum Beispiel Ende Mai den ersten "Social Distancing Rave" in Nottingham veranstaltet – und dabei alle Auflagen der Behörden eingehalten. Er kenne allerdings die Dynamiken der Szene und Clubkultur und sagte in der britischen Tageszeitung "The Guardian": "Erinnert ihr euch an den Sommer '89? Ich glaube, das wird eine neue Revolution mit demselben Ausmaß."

Rave-Revolution wie damals in den Achtzigern

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Die vor allem jungen Menschen fühlten sich isoliert und einsam, weil alles geschlossen sei. Sobald sie auf Snapchat, Instagram oder WhatsApp mitkriegen, dass irgendwo eine coole Party läuft, hätten sie das Bedürfnis, dabei zu sein und endlich mal abschalten zu können, glaubt Morsh. Auch Mike Kill, Vorsitzender des Interessenverbandes Night Time Industries Association von britischen Nachtclubbesitzern, glaubt, dass die Coronaeinschränkungen zu weiteren illegalen Raves führen werden. Solange es keine Ansage gebe, wann Clubs wieder öffnen, würde man ein ähnliches Szenario wie in den Achtzigerjahren erleben.

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Damals war Technomusik in der Mainstreamkultur nicht verankert und es gab keine Clubs, die diese Musik spielten oder eine Lizenz bekamen. Das gesellschaftliche Klima im Vereinigten Königreich empfand die Technoszene aufgrund ihres Drogenkonsums und der experimentellen Klänge als moralisch fragwürdig. Die daher illegalen Raves, vor allem in und um die Hotspots London und Manchester, wurden rigoros von der Polizei aufgelöst, DJs kamen vor Gericht. Die Szene ging als "Madchester" in die Geschichte ein.

  • Quelle:
  • Noizz.de