Großbritannien gehört zu den von Corona am stärksten betroffenen Ländern überhaupt. Selbst nach drei Monaten Quarantäne werden die Maßnahmen nur langsam gelockert. Dass jetzt jedes Wochenende illegale Raves veranstaltet werden, ist den Behörden ein Dorn im Auge.

Während wir in Deutschland immer mehr zur alten Normalität zurückkehren, werden die Quarantäne-Maßnahmen in Großbritannien, wo die Reproduktionsrate des Coronavirus knapp unter dem kritischen Wert 1 schwebt, nur zögerlich gelockert. Großveranstaltungen sind strikt verboten – und dennoch finden jedes Wochenende illegale Raves mit teils Tausenden Besucher*innen statt: Die lokalen Medien sprechen von "Quarantäne-Raves" – mit Quarantäne haben die Veranstaltungen aber tatsächlich wenig zu tun.

Über Social Media und WhatsApp verabreden sich junge Menschen zu den Techno-Partys. Der Treffpunkt, meist Lichtungen in abgelegenen Wäldern oder leer stehende Lagerhäuser, wird von den Organisator*innen erst kurz vor Party-Beginn verkündet, um sich ungeladene Gäste wie die Polizei vom Leib zu halten.

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Der dritte "Summer of Love"?

Einige britische Medien sprechen bereits von einem "Dritten Sommer der Liebe" – eine Anspielung auf den "Second Summer of Love" ("Zweiter Sommer der Liebe"), eine kurzlebige Explosion illegaler Raves in Großbritannien in den Jahren 1988 und 1989 – begleitet von Acid House, Ecstasy und MDMA. (Als der erste "Sommer der Liebe" wird der Sommer im Jahr 1967 bezeichnet, der Höhepunkt der Hippie-Bewegung in den USA.)

Menschen im Club, Manchester 1988

Nach dreimonatiger Quarantäne in den eigenen vier Wänden scheinen es viele junge Brit*innen nicht mehr auszuhalten. Dröhnender Bass, Drogen und Freiheit sollen die Isolationszeit wieder wettmachen. Laut "CNN" machen Insider außerdem strenge Schankgesetze, die Schließungen von Clubs und hohe Lebenshaltungskosten in britischen Städten für den Boom von Untergrund-Raves verantwortlich.

Zu welchem Preis?

Nicht nur die britischen Gesundheitsbehörden sind wegen der Infektionsgefahr bei den Raves alarmiert – Großbritannien gehört mit aktuell über 313.400 bestätigten Corona-Fällen und 43.995 Toten zu den weltweit am stärksten betroffenen Nationen – auch die Polizei warnt vor Sicherheitsrisikos: Bisher wurden drei Messerstechereien, eine Vergewaltigung und ein Tod durch eine Überdosis in Zusammenhang mit den Quarantäne-Raves gemeldet.

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Organisieren Drogendealer*innen die Raves?

Außerdem sollen sich Drogendealer*innen hinter den Organisator*innen verbergen, die die Raves als lukrative Einnahmequelle sehen – jetzt, wo Nachtleben und Festivals wegen Corona ruhen müssen. Das zumindest berichten unter anderem "The Sunday Times". "Gangster" würden die Raves finanzieren, etwa Soundsystem und DJs bezahlen, um ihren während des Lockdowns verlorenen Profit wieder einzubringen. Unklar ist, wer diese "Gangster" sind. Drogenkonsum ist schließlich ein nicht untypischer Bestandteil der Rave-Szene.

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Quelle: Noizz.de