Der Schauspieler und Sänger hat am Freitag seine erste Single “My Time” veröffentlicht.

Jetzt ist meine Zeit – das ist nicht nur die Message der ersten Single “My Time” von King Mami, sondern auch das Gefühl, das der geborene Berliner ausstrahlt, als ich ihn an einem grauen Herbstmorgen im Zuckerbaby-Café in Neukölln treffe. In "My Time" geht es um “Late-Bloomer, die sich viel Zeit lassen und erst einmal eine Komfortzone brauchen”. Für ihn deshalb genau die richtige Nummer, um anzufangen, sagt der 38-Jährige und lacht.

Künstlerisch aktiv ist Daniel Zillmann, wie King Mami mit bürgerlichem Namen heißt, schon lange. Als Schauspieler und Synchronsprecher schlüpft er seit Jahren im Theater, Kino und Fernsehen in Rollen, stand in diesem Jahr beispielsweise für die Bestseller-Verfilmung "Die Känguru-Chroniken" (nach den Kult-Büchern von Marc-Uwe Kling) vor der Kamera.

Dass er auf die Bühne will, weiß Daniel, seit er in einem Schul-Theaterstück einen König spielte. Deshalb also King Mami? Nein, mit seinem Künstlernamen habe das nichts zu tun, so der singende Schauspieler. Der stamme von der befreundeten amerikanischen Künstlerin Sadie Weiß. Weil er und deren Mutter am gleichen Tag Geburtstag haben, habe sie ihn immer “Mami” genannt. "Irgendwann meinte sie: 'You look like a King, Mami.' Dann haben wir festgestellt: Wow, 'King Mami' – das ist ein guter Name."

King Mami vor dem Zuckerbaby-Café in Berlin-Neukölln. Foto: Alisha Archie / noizz.de

"Ich bin Eminem, und sie ist Dr. Dre”

Den Entschluss, Popmusik zu machen, fasst sich Daniel 2014. Die Lust, zu performen, treibt ihn – "wie eine bunte Wundertüte" will er sein. Er will Musik machen, die "Löwenpower" hat. Fünf Jahre später gelingt ihm mit King Mami genau das: eine wilde Mischung von Musikstilen, der Sound geprägt von Pop über Gospel hin zu den orientalischen Klängen, die von den Nachbarn in seine Neuköllner Wohnung dringen. Er selbst bezeichnet seine Musik als Pop, der sich aber nicht hundertprozentig einordnen lässt: "Nicht ultramodern, nicht altbacken – irgendwo dazwischen." In Zukunft wird man einfach, so hofft er, vom "King-Mami-Style" sprechen.

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King Mami mischt Deutsch und Englisch genauso wie die Themen, über die er singt. Was er in seinen Songs behandelt, ist, was ihn im Leben bewegt, was gerade durch seinen Kopf geht. Die Texte schreibt er zusammen mit Luci van Org (ehemals Luci Electric), die gleichzeitig Freundin, Produzentin und "King Mamis Mami" ist: "Wenn wir uns mit amerikanischen Künstlern vergleichen, sagen wir immer: Ich bin Eminem, und sie ist Dr. Dre." Lucy war es auch, die ihm am Anfang seiner Gesangskarriere auf die Beine hilft. Schon als kleines Kind habe er Lucy total cool gefunden, kennengelernt haben sich die beiden 2013 hinter den Kulissen der YouTube-Sendung “Schaumschau”, die Daniel zu dem Zeitpunkt produziert und als Sänger der Show-Band musikalisch untermalt.

Als Entertainer geboren? "I think so"

Seitdem gehören King Mami und Lucy zusammen, schreiben gemeinsam an Lucys Küchentisch Texte, performen zusammen und gehen gemeinsam auf Tour, zuletzt als Vorband von Laing. Weil Lucy auch Vermieterin und Nachbarin von Daniel ist, entstand der Song "House of Hope". Den Song performten die beiden vor drei Jahren zum ersten Mal in dem nahegelegenen Neuköllner Späti "Dr. Billy’s Pflegestation". Das Facebook-Video des Auftritts wird damals von knapp 75.000 Menschen geteilt und als "Hoffnungshymne" gefeiert.

Daniel Zillmann war weder auf der Schauspielschule noch hat er professionell Singen gelernt. Als Entertainer geboren, also? "I think so", antwortet er und lacht. Im Frühjahr 2020 soll das erste Album kommen, bis dahin will Daniel noch weitere Singles veröffentlichen. In seine Rolle als Sänger musste King Mami erst hineinwachsen: "Laut Aussagen meiner Eltern konnte ich früher gar nicht singen", sagt er. Als Jugendlicher war er in Bands und Musical-Gruppen aktiv, habe viele verschiedene Musikstile gehört, darunter Soul, Punk, Ska, Reggae und Dancehall. Heute beeinflusst ihn auch Gospelmusik, richtige Vorbilder habe er aber wenige. Nur Gwen Stefani ist er bis heute treu.

"Mein Körper ist meine Waffe"

Bei dem Stichwort Vorbilder kommt Daniel ins Schwärmen über die "Knallerfrauen" Lizzo und Beth Ditto: beide dick, beide "krasse Stimmen und geile Musik". Politisch sein will King Mami mit seiner Musik eigentlich nicht, trotzdem steht er für Body Positivity und Selbstliebe. Sein Song "Jabba The HOT" ist ganz ungewollt zur "Dickenhymne" geworden. "Ich bin dick, aber ich fühle mich richtig sexy", sagt Daniel. Und: "Mein Körper ist meine Waffe."

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Ob er schon immer so selbstbewusst war, frage ich den 38-Jährigen: "Ich habe schon immer eine positive Einstellung zum Leben gehabt." Es habe früher Leute gegeben, die ihn dissen wollten, aber er habe sich schon immer wehren können: "Ich war immer frech." Selbst der ehemalige Volksbühnen-Intendant Frank Castorf habe ihm Chuzpe attestiert. Lange habe er mit der Aussage nichts anfangen können, heute sagt er: "Das hat mich irgendwie durchs Leben gebracht."

"Ich bin so. Ich bin over the top"

Schlechte Erfahrungen nimmt Daniel heute einfach mit Humor: "Wenn jemand sagt: 'Wie jetzt: noch ein Stück Kuchen?' Sage ich: 'Ja, zwei! Ich nehme zwei oder drei Stück Kuchen. Zum Mitnehmen!'" Für niemanden möchte er sich verstellen müssen: "Wenn Leute zu mir kommen und sagen: 'Wir würden dich gerne auch mal ein bisschen pur haben und bisschen so stripped down', sage ich: 'Ich bin so. Ich bin over the top'." Diese Energie sieht man auch den Live-Performances von King Mami an, er tanzt und zeigt deutlich: Auf der Bühne ist er zu Hause.

Die Nadelstreifen des Anzugs sind Textzeilen aus dem Song "My Time". Foto: © Sven Serkis

Das Video zur neuen Single "My Time" zeigt die "Erschaffung von King Mami". Während Lucy als fertiger Popstar auf dem Balkon steht, muss er sich erst nach oben kämpfen. Die Glitzer-Kulisse wurde aufwendig von seiner Schwester, die Künstlerin ist, angefertigt, die Kostüme von der befreundeten Designerin Lisa Schwebel speziell geschneidert mit Textzeilen aus dem Song als Nadelstreifen des Anzugs.

Das Video endet mit Daniel als King, im echten Leben fehlt King Mami aber noch der Thron. Doch den hat er schon anvisiert: Im Frühjahr soll das Album kommen, bis dahin will Daniel mehr performen – auf kleinen und großen Bühnen. "Der Goldfisch wächst mit dem Aquarium", sagt er.

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Quelle: Noizz.de