Endlich äußert sich auch die Queen of Schlager zum Echo-Eklat - und spricht dabei hauptsächlich über sich selbst.

Wem das Thema "Echo" schon zum Halse raushängt, wird dieser Tage schwer enttäuscht. Ganz offensichtlich ist der deutsche Musikpreis noch immer nicht von allen Seiten durchgenudelt.

Jetzt, eine Woche nach dem Echo, ist es offensichtlich Trend es doof zu finden, wenn Farid Bang seine Muskeln mit denen eines Ausschwitz-Insassen vergleicht. Man fragt sich ein bisschen, warum sich eigentlich vorher nie einer Gedanken darüber gemacht hat, ob derartige Textzeilen angebracht sind – allen voran BMG und die Echo-Veranstalter.

Kollegah beim Echo 2018

Allgemeingesellschaftlich ist jetzt jedenfalls geklärt: Echo ist überholt, und Farid Bang geht gar nicht. Anscheinend sah auch Entertainment-Roboter Helene Fischer dies als perfekten Zeitpunkt, sich via Facebook-Post doch auch endlich mal zu äußern.

Hat ja auch was Praktisches: Man nimmt einfach dieselbe Meinung an, die alle anderen auch haben, säuselt da noch was von Liebe für alle dazu ("Von Herzen habe ich mir für euch nur eines gewünscht: L I E B E!!! Sie zu empfangen und zu geben, ist und bleibt nun mal der Schlüssel zu allem.") und fertig ist das inhaltsleere Statement von Hippie-Helene – Hauptsache, die eigenen Verkaufszahlen sind gesichert.

Ihr Lieben, ich möchte mich heute mit diesem Post an euch wenden und zum ersten Mal die sozialen Medien dafür nutzen, um mein angebliches "Schweigen zu brechen" und um ein paar Dinge ein für alle Mal klar zu stellen. Es ist eigentlich nicht meine Art mich auf diese Weise öffentlich zu äußern, nur weil es für einige Medien im Moment offenbar fast kein anderes Thema zu geben scheint. Es ärgert mich sehr, dass dieses Thema in dieser Form mit meinem Namen verknüpft wird. Genau aus diesem Grund vermeide ich es sonst eigentlich lieber, Statements oder Interviews zu anderen Themen als meiner Musik zu geben, um den Medien nicht immer noch mehr Futter zu geben. Oft genug wurde mir in den letzten Jahren alles Mögliche unterstellt. Ich musste mir ein wirklich dickes Fell zulegen. Aber dieses Thema beschäftigt mich einfach zu sehr. Da ich mir meiner Verantwortung als Künstlerin und vielleicht auch als Vorbild für jüngere Generationen durchaus bewusst bin, richte ich mich jetzt direkt an euch! Wer die diesjährige Echo-Verleihung gesehen und die Debatte um die Rapper Kollegah und Farid Bang verfolgt hat, kann sich vielleicht vorstellen, warum ich euch dazu schreibe. Diejenigen, die mich bei meinen Konzerten besuchen, mich vielleicht auch abseits der Bühne getroffen haben, wissen, wie viel mir der liebevolle und respektvolle Umgang mit Menschen bedeutet. Meine Sprache war immer die Sprache der Musik, und sie wird es auch bleiben. Mit meinem Song "Wir brechen das Schweigen", in dem es darum geht, Zusammenhalt zu spüren, Vertrauen in unsere Gesellschaft zu haben, gemeinsame Wege zu gehen und unsere Stimme zu erheben, um Dinge zu bewegen, habe ich euch deutlich gemacht, wie wichtig mir Werte wie Menschlichkeit, Toleranz, Respekt und Gewaltfreiheit sind. Ganz gleich, woran man glaubt, woher man stammt, welche Hautfarbe man hat oder wen man liebt. Von Herzen habe ich mir für euch nur eines gewünscht: L I E B E!!! Sie zu empfangen und zu geben, ist und bleibt nun mal der Schlüssel zu allem. Warum ich das schreibe… - Fortsetzung siehe Link in der Bio -

Genau das scheint auch das einzige Anliegen des millionenschweren Schlagerstars zu sein. Denn bevor Helene überhaupt darüber spricht, was denn nun mit Echo, Farid und der Menschenverachtung ist, geht es in ihrem ausführlichen Kommentar auf Facebook zunächst zwei Absätze lang um sich selbst – und darum, sich aus jeglicher Verantwortung zu winden.

"Die Medien" nämlich sind an dem ganzen Schlamassel schuld, dass sich die arme Helene überhaupt zu diesem Thema äußern muss. "Die Medien" haben nämlich die ganze Zeit verlangt, Helene solle sich doch äußern, solle doch bitte Stellung beziehen dazu, dass antisemtische Parolen Platz auf der Echo-Verleihung bekommen.

"Es ärgert mich sehr, dass dieses Thema in dieser Form mit meinem Namen verknüpft wird", sagt sie in ihrem Statement auf Facebook und erklärt, dass ihr ja ständig irgendwas angehängt wird. Ein richtig dickes Fell musste sie sich deshalb schon anlegen.

Äh – worum gings hier noch mal? Um die Medien und Helene? Um den Echo und Helene? Darum, wie alle mit dem Schlagerstar umgehen? Darum, wie schwer das Leben als Superstar ist?

Ach so, nee. Antisemitismus. Ist aber auch ein schönes Schlagwort, um seinem Ärger über "die Medien" endlich mal Luft zu machen. Gut, dass wir das geklärt haben.

Erstaunlich auch, dass man ausgerechnet von ihr, Helene Fischer, Dauergast und 17-fache Preisträgerin des Echos, wissen möchte, was sie eigentlich dazu zu sagen hat, dass ihr zweites zu Hause eine Bühne für geschmacklose Punchlines bietet.

Kollegah und Farid Bang sorgten bei der Echo-Preisverleihung für großen Wirbel

Sie möchte bitte wirklich nicht, dass ihr Name hier in den Dreck gezogen wird – denn, so Helene, wer ihre Musik anhört und ihre Texte liest, der weiß: Helene möchte Liebe für alle – und sich bitte auch nicht weiter mit irgendwelchen Problemen beschäftigen.

Dumm nur, dass man als Superstar nun mal Teil einer Branche ist, für die man auch Verantwortung trägt – auch für alle Graupen, die um einen herumdümpeln. Je größer die Bühne, desto größer auch der Impact, den man haben kann. Daher ist es wenig verwunderlich, zu erwarten (oder gar zu hoffen) dass Helene Fischer die Chance ergreift, sich kritisch zu menschenverachtenden Kollegen zu äußern.

Natürlich ist Helene Fischer nicht dafür verantwortlich, dass Farid Bang dumme Statements in den Orbit rappt, aber sie hat durchaus Verantwortung, sich dazu zu positionieren. Und das nicht erst dann, wenn alle anderen schon alles gesagt haben.

Schweigen ist auch politisches Statement. Da hilft es auch nichts, dass Helene am Ende ihres Posts allen Licht und Liebe wünscht. Denn wenn alle ständig nur wegschauen und schweigen, bis es nicht mehr anders geht, wird es nicht nur in der Musikbranche sehr schnell sehr dunkel werden.

Quelle: Noizz.de