Unsere Erwartungen waren so medium.

Das Haldern Pop Festival ging dieses Jahr in die 36. Runde. Es ist sozusagen der bisschen alte, tattrige Opa im Schaukelstuhl neben den ganzen neuen Festivals, die dieser Tage gefühlt jedes Jahr neu dazukommen. Einerseits bedeutet das natürlich, dass das Haldern Pop mittlerweile eine feste Institution ist, andererseits aber auch ein bisschen Bewegungslosigkeit an den Tag legt. Wie wir schon in unsere Vorbericht angemerkt haben: Musikalisch wird das Haldern Pop immer mal von agileren Alternativen überholt. Wirkt sich natürlich aus: Früher war das Haldern immer rasant ausverkauft, seit wenigen Jahren passiert der Vorverkauf eher schleppend. Dieses Jahr wirkte das Haldern stellenweise auch etwas leerer als sonst. Mag aber auch sein, dass das nur ein Eindruck war. Genaue Zahlen kennen wir nicht.

Schön war es natürlich trotzdem – es ist und bleibt der wundervolle Landjugendcharme des Festivals, die Dorfbewohner und durchaus auch die dazu passende Musik, die uns jedes Jahr wieder entzückt lächeln lassen. Hin und wieder waren wir aber auch überrascht – warum, verraten wir euch auch:

"Räum deinen Scheiß auf!"

Auf Instagram ließen die Macher des Haldern verlauten: Direkt nach dem dreitägigen Festival ist die Campingfläche nicht nur komplett leer, sondern auch verdammt sauber. Kein Müll, keine verlassenen Zelte, keine übrig gebliebenen Pavillons, keine alte Wohnzimmereinrichtung, die hergebracht und stehengelassen wurde (wie in vergangenen Jahren durchaus üblich). Die Kollegen von Jetzt.de haben das schon ausführlich beleuchtet. Schon während des Festivals merkt man: Es wird überall darauf geachtet, dass kein Müll rumliegt, Mülltüten sind überall sichtbar und auch auf dem Gelände achten scheinbar alle darauf, dass es ordentlich bleibt. Das hat auch mit der langjährigen Haltung der Haldern-Macher zu tun. Seit Jahren wird gepredigt, doch bitte nichts zu hinterlassen und nachhaltig an die Veranstaltung heranzugehen. Auf anderen Festivals sieht das ganz anders aus – etwa auf dem Frauenfeld Open Air wie die Kollegin Laura Wolfert in ihrer Reportage dokumentiert. Finden wir großartig, Halderners – die Arbeit an der Müllfreiheit hat sich gelohnt!

Bargeldlos geht auch – ist aber dennoch kompliziert

Auf dem Weg in die Gegenwart: Auf dem Haldern kann man seine Poptaler nun endlich auch mit Karte bezahlen. Ein Poptaler, die Währung des Festivals, ist 1,40 Euro wert. Die Sache mit der EC-Karte ist super, die Sache mit den Poptalern insgesamt allerdings nur geht so: Übrig gebliebene Poptaler können nicht zurückgegeben oder im nächsten Jahr genutzt werden. Dieser Umstand ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass die Damen und Herren an den Geldschaltern nicht hinterherkommen würden mit der Ausbezahlung des ganzen Kleingeldes – aber dann müsste hier halt eine andere Lösung gefunden werden. Es lässt einen nämlich durchaus unbefriedigt zurück, wenn man darüber nachdenkt, wie viel Geld hier einfach so verschwendet bzw. in die Taschen der Veranstalter übergeht. Es kann nicht von den Besuchenden erwartet werden, dass sie das Ende der drei Festivaltage damit verbringen, zu überlegen, wie man das jetzt macht mit den Poptalern, den Talern vom Pfand und der Tatsache, dass immer noch 5 Taler übrig sind, sich aber keiner mehr ein fettes Handbrot am Samstag um 1 h Nachts kaufen mag. Hier ist also wirklich noch Platz nach oben.

Abriss!

Zum Line Up des Halderns kann man sagen was man will, Fakt ist: Die Mischung stimmt. Zumindest an allem, was es an der Gitarrenfront so gibt. Schon im letzten Jahr kamen zu den Akustik- und Baumumarmer-Acts Bands wie King Gizzard And The Lizard Wizard oder die Sleaford Mods dazu. Dieses Jahr sorgten The Idles für ordentlich Durchzug oder die Berliner Rocker Kadavar.

Was wiederum weniger gut durchmischt ist: Das Männer-Frauen-Verhältnis auf den Bühnen. Mit Künstlerinnen wie Gurr, Stella Donnelly, Alex The Astronaut, Sophie Hunger, Kat Frankie oder Alyona Alyona waren allerdings schon eine okaye Anzahl an Damen vertreten. Dennoch: Die Mainstage vor allem zur Primetime ging hauptsächlich an die Herren der Schöpfung. Das ist bei einem so umsichtigen Festival wie dem Haldern Pop ganz schön schade.

Absagen sportlich nehmen

Das Haldern hat absagetechnisch dieses Jahr ordentlich auf die Fresse bekommen: Dermot Kennedy, Julien Baker, Niels Frevert. Sie alle sagten mehr oder weniger kurzfristig ab. Gut, dass die Dudes beim Haldern so großartige Freunde haben, die mal eben einspringen. Für Dermot Kennedy etwa gab sich Faber die Ehre und lieferte ein umjubeltes Set. Höhepunkt: Als Faber zur Zugabe mitten in die Menge stapfte und sich das gesamte Publikum um ihn auf den Boden setzte und "Ciao Bella Ciao" lauschte. Solche "Ausfälle" könnte es ruhig häufiger geben.

Wo ist eigentlich Hein?

So, kommen wir nun zur wichtigsten Frage und Überraschung des gesamten Festivals: Wo war eigentlich Hein? Wo war der Typ, der immer vor den Acts auf die Bühne kommt, sie ankündigt, das Festival eröffnet und abschließt und seine scheinbar spontanen Wortergüsse auf der Bühne mit einem "Sind auch Holländer da?" eröffnet? Kurz vor Festival gab es nur die kurze Meldung, dass Hein dieses Jahr verhindert ist – wir haben ihn schmerzlich vermisst – und hoffen inständig, ihn nächstes Jahr wiederzusehen.

Quelle: Noizz.de