Wenn auch du jemals Emo warst, dann ist dieser Text für dich.

Ich sitze an meinem Computer und spiel Zoopaloola bei ICQ, im Hintergrund habe ich den VLC Player auf. Es läuft zum hundertsten Mal „The World Is Black“ von Good Charlotte und ich singe lauthals mit. Es ist das Jahr 2004.

Als Teenager konnte ich von der Pop-Punk-Band um die Madden-Zwillinge Benji und Joel nicht genug kriegen. Das Album „The Chronicles of Life and Death“ war damals das „thank u, next“ seiner Zeit und so wie bei allen anderen auch, hing ein GC-Poster in meinem Schlafzimmer. Meinen Wandschmuck hatte ich natürlich der Zeitschrift „Popcorn“ zu verdanken. Schon zwei Jahre später höre ich nur noch House, aus Peer Preasure.

>> Avril Lavigne bringt neuen Song mit Nicki Minaj – und er ist großartig!

Jetzt stehe ich 2019 im Huxley's in Berlin und warte auf jene Band, die ich 15 Jahre früher eigentlich nur anfing zu hören, weil ich meinen Bruder beeindrucken wollte. Ich bin echt ein bisschen nervös. Haben die live überhaupt was drauf, frage ich mich und hinterfrage zeitgleich meine 50-Euro-Investition. Immerhin sind um mich herum noch viele Menschen Ü30, die sich wohl auch ein Stück ihrer Emo-Jugend zurückholen wollen.

Dann wird es dunkel und die Menschenmasse kreischt, wie es eigentlich doch nur Teenies tun. Ich steige mit meinem schrillen Gequietsche ein. Good Charlotte starten mit einem Song von ihrem neuen Album, den ich nicht gut genug kenne. Ich tue trotzdem so, als würde ich mitsingen. Als dann der Klassiker „The Anthem “ kommt, steigt in mir ein komisches Gefühl auf. Ich bin wieder 13, habe in der Französischaufgabe eine Vier kassiert und kommentiere aufgeregt ein Bild von meinem Schwarm bei MySpace. Es fühlt sich wirklich so an, als wären die letzten 15 Jahre nie passiert.

Und Good Charlotte sind gut live. Verdammt gut sogar. Mein inneres Teenie-Ich kann sein Glück gar nicht fassen. Mit 13 hätte ich nie auf ein Konzert der vier Jungs aus Waldorf gedurft, deswegen bin ich wirklich begeistert, dass mein Pop-Punk-Herz diesen Abend mit 25 nachholen kann. Und nach 1,5 Stunden Konzert stehe ich sogar ein bisschen auf die 39-jährige Version von Joel. Selbst wenn der mittlerweile Daddy ist und halt doch einfach nicht mehr so knackig wie 2002. Egal, auf der Bühne finde ich ihn irgendwie doch wieder hot.

>> So reagiert eine 14-Jährige auf die Musik aus deiner Teenie-Zeit

Doch nicht immer ist es geil, die eigenen Idole aus der Pubertät auf der Bühne zu sehen. Denn manche Bands sind einfach nicht gut gealtert. Das kalifornische Pendant zu Good Charlotte zum Beispiel: blink-182. Die poppige Punk-Band hatte ich vor einigen Jahren bei einem Konzert gesehen und war einfach nur enttäuscht. Denn, wie jeder Fan weiß, fehlt Tom DeLonge, der damals für die besten Vocals verantwortlich war. Ohne dessen markante Stimme klang die aktuelle Besetzung eher nach einer passablen Coverband, statt nach dem Original blink-182. Dabei wollte ich doch meinen Erstgeborenen nach Travis Barker benennen!

Trotzdem kann ich es nur wärmstens empfehlen, alles nachzuholen, was man als Teenie aus welchem Grund auch immer verpasst hat. Denn sich noch einmal jung und dumm zu fühlen, ist wirklich ein überraschend geiles Gefühl.

Quelle: Noizz.de