Endlich das Debüt: Nach erfolgreichen Singles, jeder Menge Live-Auftritte und einer deshalb mehr als soliden Fanbase haben die Giant Rooks nun ihr erstes Album gedroppt. "Rookery" ist großer Pop und nerdige Detailversessenheit. Außerdem geht es um all das, was man eigentlich nicht weiß. Wir haben uns mit der Band mal darüber unterhalten.

Vor gut fünf Jahren haben sich Sänger Frederik Rabe, Gitarrist Finn Schwieters, Bassist Luca Göttner, Keyboarder Jonathan Wischniowski und Drummer Finn Thomas zusammengetan und die Giant Rooks gegründet. Die Jungs haben dann nicht lange gefackelt: Mit eindeutigen Hits wie "New Estate" und "Wild Stare" wussten sie dann ganz gut zu überraschen.

Bisschen Verträumtheit, vielschichtige Instrumentierungen, zerbrechlich-kratziges Gebahren dank Rabes Stimme und zackige Produktion bescherte nicht nur Platzierungen zu besten Sendezeiten im Radioprogramm der Republik sondern auch die Tatsache, dass sich Popliebhaber*innen und das anspruchsvollere Indie-Publikum gleichsam auf die Band einigen kann und konnte.

Danach kam harte Arbeit: Sich 'nen Wolf auf Festivals spielen, touren, Produktion neuer Singles und die Arbeit am Album – und schon sind wir im Hier und Heute. Mitten in das Corona-gebeutelte 2020 hinein veröffentlichen die Giant Rooks ihr allererstes Album. Mit "Rookery" haben sie ihren Sound perfektioniert. Große Melodien, eingängige Refrains und Indie-Rockpop, der ganz ohne zu harte Kanten auskommt ist das Ergebnis der Arbeit an dem Erstling. Wir haben uns mit Sänger Frederik Rabe und Gitarrist Finn Schwieters darüber unterhalten.

NOIZZ: Ihr seid eine der Bands, die hierzulande ein bisschen eine neue Generation markiert. Ähnlich wie AnnenMayKantereit hattet ihr euch längst – ganz ohne Album und Label – eine feste Fanbase erspielt. Ihr seid damit auch das beste Beispiel dafür, dass man gar keine Alben mehr braucht, um wahrgenommen und gefeiert zu werden. Warum habt ihr es dennoch gemacht?

Finn: Wir glauben schon noch, das man Alben braucht. Also wir glauben, unsere Fans haben das auch ein stückweit von uns erwartet. Gleichzeitig war das für uns aber auch immer klar, dass wir das gerne machen möchten. Wir selbst hören gerne Alben.

Frederik: Wir mögen auch einfach den Ansatz, ein Album zu machen. Unsere Vorbilder haben auch alle Alben gemacht. Und dieser klassische Gedanke "Wir sind eine Band, wir haben ein Album fertig, jetzt wird's ernst" war definitiv auch für uns dabei.

Im Pressetext zu eurer neuen Platte steht mehrfach, dass ihr mit eurem Album markiert, wie Musik 2020 klingt. Ist ja eine starke Betonung auf die Gegenwart.

Finn: Das war uns auch wichtig. Wir wollen Musik machen, die dringlich ist. Wir hatten keine Lust auf Nostalgie und was zurückschaut. Wir möchten Musik machen, die das Hier und Jetzt wahrnimmt und verarbeitet.

Sind auch von der Seite gut beleuchtet: Die Giant Rooks um Sänger Frederik Rabe und Gitarrist Finn Schwieters.

Okay, und was würdet ihr also sagen: Wie klingt denn gegenwärtige Musik – mal so mit Schlagwörtern gesprochen?

Frederik: Ich glaube, sie klingt reduzierter, elektronischer, auf den Punkt gebracht. Gleichzeitig ist es auch wahnsinnig wichtig, Vergangenes mit Neuem zu verbinden.

Finn: Ich finde, dass auch technische Möglichkeiten mehr genutzt werden. Sogar welche, die nur im Studio funktionieren und vielleicht gar nicht so sehr bei einem Live-Auftritt umsetzbar sind.

Frederik: Ich finde auch wichtig, dass wir heute in einem Post-Genre-Zeitalter leben. Wir haben auch Musik auf dem Album verbunden, die vor Genres keine Grenzen macht.

Finn: Genau, zum Beispiel der letzte Song auf dem Album "Into Your Arms" ist so ein Song, der einerseits sehr folkig daherkommt, andererseits aber auch sehr modern ist. Wir waren da extrem durch die Band Bonny Light Horseman inspiriert – und haben das ganz für uns übersetzt.

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Nun sprechen wir die ganze Zeit schon über die Gegenwart. Wie ist es für euch als Band, ein Album, an dem ihr die letzten Monate oder sogar Jahre gearbeitet habt, in dieses Jahr hinein zu veröffentlichen. Ein Jahr, in dem so wahnsinnig viel passiert – wir haben Corona, in Amerika brodelt es, die Diskussionen um Rassismus werden lauter. Hat man da das Gefühl, man müsste eigentlich seine eigene Arbeit und Kunst updaten, um all dem gerecht zu werden?

Finn: Also Corona konnte natürlich niemand vorhersehen. Aber Rassismus war für uns auch schon vorher ein Thema. Also, natürlich nicht so sehr, wie für PoC selbst. Wir sind offensichtlich weiß und privilegiert. Aber wir haben uns in unseren Texten auch schon häufiger gefragt, was unsere Rolle ist, was ist unsere Verantwortung in diesen Debatten – gerade, weil man seine Privilegien nutzen muss, um etwa Rassismus anzugehen. Und damit beschäftigen wir uns schon länger – deshalb glaube ich nicht, dass wir ein Update brauchen.

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Zu euren Songtexten: Mir ist etwa bei den Songs "Heat Up", "Misinterpretations" oder bei "Silence" aufgefallen, dass eure Lyrics sehr häufig Wahrheit hinterfragen und Skepsis vorherrscht. Ihr fragt danach, was man glauben darf und was eigentlich Realität ist und ob man sie so annehmen sollte. Ist ja schon auch philosophisch. Seid ihr generell skeptische Menschen?

Finn (lacht): Ja, schon. Na ja, wir machen uns schon gerne Gedanken. Und das Motiv des Fragenden zieht sich bei uns durch, und es gibt auf die Fragen auch keine Antworten. Im Prinzip repräsentiert das ja auch das Album-Cover: Wir fallen, bodenlos. Gleichzeitig haben wir aber auch das Gefühl: Es ist okay, nicht zu wissen, was los ist.

Frederik: Genau, es ist für den Moment okay, nicht zu wissen, was die eigene Rolle in der Welt und im Leben gerade ist. Es passiert ja auch so viel gerade, und so viel Spannendes. Das aktuell alle auf die Straße gehen für #FridaysForFuture oder für #BlackLivesMatter – das finde ich so inspirierend. Das Menschen sich wieder interessieren und das sie wütend sind. Deshalb gibt es auch wütende Songs auf der Platte wie "Silence" oder "Quick Sand" – weil Wut ja oft auch eher Fragezeichen bildet, emotional ist, aufwühlt, noch bevor man sich rational Antworten sucht.

Giant Rooks: Rookery. Universal Music, 2020

Seit dem 28. August ist das Debütalbum "Rookery" zu hören und zu kaufen – und zwar überall, wo es Musik gibt.

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  • Quelle:
  • Noizz.de