"All That Must Be" klingt fatalistischer, als es gemeint ist.

Aller Anfang ist schwer. Und wenn er plötzlich und unvorhergesehen kommt, kann so ein Neunanfang sogar ziemlich beängstigend sein. Während ein Teil von dir noch dem Gewohnten, Vertrauten nachtrauert, ist der andere schon damit beschäftigt das Gefühlschaos aus Vorfreude, Angst und Selbstzweifeln auseinander zu sortieren. Dieses Gefühl der Zerrissenheit fängt der britische DJ und Produzent George FitzGerald auf seinem zweiten Album "All That Must Be" perfekt ein.

Verarbeitete er mit seinem Debüt "Fading Love" 2015 ein gebrochenes Herz und die langsam verblassende Liebe zum Club, stehen auf "All That Must Be" alle Zeichen auf Veränderung: George ist Vater geworden und schweren Herzens nach über 10 Jahren in Berlin wieder zurück nach London gezogen. "Der Wechsel von Berlin nach London war ziemlich schnell und radikal", erzählt George im Interview. "Aber die Entscheidung war einfach: Ich wollte dabei sein, bei meinem Kind." Auch wenn das heißt, dass mit endlosen Clubnächten und DJ-Lifestyle erst Mal Schluss ist.

George FitzGerald Foto: Rhodri Davies / Promo / Domino

Ab jetzt dreht sich sein Leben um Frieda. Sie wird zur Inspiration für den gleichnamigen Track auf "All That Must Be". Das Album produzierte George in einem fensterlosen Studio auf einem Industriegelände im irgendwie vergessenen Londoner Stadtteil Bermondsey. Das kann man auch hören: Ein field recording der dreckigen Straße vor seinem Studio eröffnet den ersten Track "Two Moons Under" und spiegelt die melancholische Grundstimmung wider, die man von seinen Releases gewohnt ist.

Doch mit ihm selbst scheint auch seine Musik gereift zu sein: echte Drums und analoge Instrumente schaffen soundmäßige Komplexität, durch die Kollaborationen mit Bonobo, Lil Silva und Tracey Thorn beweist George sein Talent als Songwriter.

Glücklicherweise gibt er seine Liebe zum Dancefloor dabei aber nicht auf: Der Peaktime-Banger "Burns" schreit förmlich nach Hands-in-the-air, während man das düstere Acid-House-Brett "Siren Calls" sicherlich diesen Sommer auf vielen Festivals hören wird. "Den Track hab ich geschrieben, als ich Berlin wirklich krass vermisst hab. Ich war sechs Monate am Stück in London und hatte an diesem Tag echt die Nase voll vom Vatersein. Ich wollte eigentlich nur in den Club gehen", gesteht George lachend.

Zum Titel des Albums inspirierte ihn übrigens ein Sprichwort, dass er sich in dieser schwierigen Phase des Umbruchs immer wieder gesagt hat: "Everything is how it must be, not how it should be." Was auf den ersten Blick etwas fatalistisch klingt, ist beim zweiten Nachdenken eigentlich ziemlich tröstlich: Nichts ist je so wie es sein sollte, aber alles so, wie es sein muss. Manche Dinge kann man eben nicht planen. Wenn daraus aber etwas so Schönes entsteht wie "All That Must Be", dann möchte man glauben, das alles eben genau so kommen sollte.

Hier gibt's "All That Must Be" im Stream:

Quelle: Noizz.de