Gerüchte über gekaufte Streams auf Spotify liegen spätestens seit der Doku vom Y-Kollektiv in der Luft. Nun heizt Rapper Kool Savas der Diskussion neue Luft ein. Auf Twitter erklärt er, woran man gekaufte Stream erkennt – und wie sie nicht nur Karrieren aus dem Boden heben, sondern andere zerstören. Ein illegales Millionengeschäft?

Über ein Jahr ist es her, als das Y-Kollektiv mit einer Doku auf YouTube über illegal generierte und gekaufte Streams auf Spotify für Schlagzeilen sorgte. Die bombastischen Karrierestarts der Rapper Eno, Merco el Sero und Fero schienen die Behauptungen als perfektes Beispiel für korruptes Musik-Management zu unterstreichen.

Auch aus den USA hört man immer wieder, dass mit Käufen von YouTube-Klicks und Spotify-Streams nachgeholfen wird, wie unter anderem Rapper 6ix9ine in seinem aktuellen Interview mit der "New York Times" attestiert: "Jeder macht das." So wirklich "überführt" wurde deswegen trotzdem noch niemand. Bislang scheint der Betrug wasserdicht machbar zu sein – oder einfach niemanden zu jucken, der was daran ändern könnte.

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Nun meldet sich Rapper Kool Savas auf Twitter zu Wort und erklärt, woran man gekaufte Streams auf Spotify erkennen kann, wie sich dadurch Karrieren illegal in die Höhe treiben lassen – und wer unter dem Betrug am meisten leidet.

Gekaufte Streams auf Spotify: Dunkles Geheimnis einer ganzen Industrie?

"Wenn Interesse besteht, kann ich versuchen, euch das Streaming-Kauf-Game analytisch und klar zu präsentieren. In jedem Fall ist es lustig, dreist und verbrecherisch", schreibt KKS vergangenen Sonntag auf Twitter und eröffnet damit eine Reihe von Tweets, in denen er ein illegales System in der Musikbranche angeht.

Es gibt solche Releases: hoher Peak in der Releasewoche, danach direkt vom Winde verweht. Nach Savas wisse jeder Mensch der Musikindustrie, dass so ein Verlauf nie natürliche Gründe hat – sondern immer auf gekauften Streams basiert, die für einen hohen Charteinstieg und Platzierungen in wichtigen Playlists sorgen: "Erste Woche Top 10 Singlecharts, zweite Woche knapp Top 100 – jede*r Manager*in, jede*r Künstler*in weiß, dass das Blödsinn ist."

Spotify-Streams kaufen: Das Einmaleins

Eine Million Streams gäbe es für ungefähr 3.500 Euro, so der Berliner. Das sei ungefähr das, was Spotify einem für die Streams im Nachhinein auch wieder ausschenke. Streams kaufen? Rechnet sich von selbst.

Ob Streams echt oder unecht sind, erkenne man auch im Vergleich verschiedener Streaming-Portale. Während die meisten Menschen Musik bei Spotify hören würden, sind die Zahlen dort immer höher als auf anderen Portalen – aber eben in Maßen, so der selbst ernannte King of Rap. "Auf Spotify zehn Millionen Streams, bei iTunes nicht mal 50.000", für Savas eindeutige Beweise, dass da nachgeholfen wurde.

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Kool Savas erklärt, wie gecheatete Zahlen Karrieren zerstören – Karrieren derer, die nicht betrügen

Bislang gibt es keine negativen Konsequenzen für Musiker*innen, die offensichtlich mit gekauften Klicks nachhelfen. Die Karrieren von Mero und Eno laufen seit Sekunde eins wie geschmiert.

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In einem weiteren Tweet erklärt der 45-Jährige, dass ihm persönlich egal sei, ob jemand durch gekaufte Zahlen 15 Plätze höher oder niedriger in den Charts ist. Was ihm aber gar nicht egal sei, das sind die Karrieren der Musiker*innen, die mit fairen Mitteln spielen und durch die Schummler die Plätze und den Erfolg verlieren, den sie eigentlich bekommen und verdient hätten, und ihnen so im Endeffekt ihre Verdienstgrundlage genommen werde.

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Dennoch meint er abschließend, es sei nur "eine Frage der Zeit bis da die ersten Hops genommen werden." Die Tatsache, dass im großen Stil Streams gekauft werden, sei auch kein Geheimnis mehr, sondern bekannt. Scheint aber keinen (mehr) zu interessieren. Warum eigentlich?

Solange es den Personen in Machtpositionen mit dem Erfolgsmodell gut geht, gibt es wohl keinen Grund, gegen die Sache vorzugehen? Die Frage, warum hingenommen wird, dass moderne Karrieren strukturell auf illegale Streamkäufe setzen, drängt sich auf – und ist bislang unbeantwortet.

Quelle: Noizz.de