Wer ist der Rapper, der gerade den Mainstream aufmischt?

Sein bürgerlicher Name ist Sir Robert Bryson Hall II, eingefleischten Fans ist er außerdem unter seinen Pseudonymen Bobby Tarantino und Young Sinatra bekannt. Mit seinem Künstlernamen Logic hat es sich der 29-Jährige in der Musikbranche mittlerweile gemütlich gemacht. Seit seiner Hit-Single "1-800-273-8255" in Kollaboration mit Khalid und Alessia Cara ist Logic auch im deutschen Mainstream angekommen – doch wer steckt eigentlich hinter dem breiten Grinsen, das einem gerade überall begegnet?

Bereits seit zehn Jahren bewegt sich Logic erfolgreich in der amerikanischen Hip-Hop-Landschaft und sticht nicht nur mit seinen Texten aus der Masse an Rappern hervor. "Es ist kein Projekt, wenn Logic nicht darüber spricht, dass er biracial ist", scherzt der Musiker in seiner aktuellen Single "Keanu Reeves".

Sein größter Kritikpunkt ist gleichzeitig sein Unique Selling Point: Logic ist biracial und hat auch keine Angst, darüber zu reden, wie es ist, zwischen zwei Kulturen gefangen zu sein. Der Sohn eines afroamerikanischen Vaters und einer weißen Mutter nutzt seine Musik als Therapie, um mit dieser Identitätskrise umzugehen. Seine Erfahrung als hellhäutiger Schwarzer in den USA, geprägt von rassistischen Anfeindungen von weißen und Ausgrenzung von Schwarzen Mitmenschen, ist eine einzigartige Thematik, die Logic wohl als Erster derart offensiv in den US-Rap integriert.

Was dabei herauskommt, ist nicht nur musikalisch beeindruckend, sondern auch lyrisch einzigartig und äußerst berührend, wie der Track "Take It Back" zeigt. Darin erzählt Logic die Geschichte seiner traumatischen Kindheit, die von Armut, Drogenmissbrauch und Rassismus geprägt war. In dem fast siebenminütigem Song teilt er außerdem die Erfahrung, von seiner eigene Mutter als Kind regelmäßig mit rassistischen Ausdrücken wie dem N-Wort erniedrigte zu werden. (Nur ein Grund, wieso er mittlerweile den Kontakt zu ihr abgebrochen hat.)

Nicht nur Logics ganz persönliche Experience macht ihn zu einem besonderen Künstler. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen lehnt er das typische testosterongeladene Männlichkeitsbild des Hip-Hop-Genres ab. Statt mit Geld und Sex mit Pornostars zu prahlen oder dicke Karren und Video-Girls in String-Bikinis in Musik-Clips zu platzieren, nutzt Logic seine Plattform, um auf gesellschaftliche Problem aufmerksam zu machen.

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Sei es Homophobie, Mental Health, Trumps grausame Immigrationspolitik oder Selbstmordprävention: Der Rapper erzählt gerade in seinen Videos Geschichten, die die Welt ein kleines bisschen besser machen sollen. Logics Aktivismus geht mit seiner Musik Hand in Hand, und so wird jeder Liveauftritt bei VMAs, Grammy's und Co. zu einer Rally für den guten Zweck. Denn ohne eine Ansprache zum Thema "Peace, Love & Positivity" geht niemand nach einem Logic-Auftritt nach Hause.

Seine Texte, die so gar nichts mit den frauenfeindlichen Zeilen mancher Kollegen zu tun haben, machen Logic oft zur Zielscheibe von Hip-Hop-Fans und Peers. Darüber zu rappen, dass man das verdiente Geld spart, um zukünftige Kids aufs College zu schicken – wie in "44 More" – ist eben nicht "cool" oder "hart". In Kombination mit Logics heller Haut ergibt sich Hatern viel Angriffsfläche. Denn im amerikanischen Rap herrscht teilweise noch immer eine Mentalität, die genau vorschreibt, was Street Credibility gibt und was nicht. Und weder helle Haut, noch Awareness für Angstattacken, die Logic selbst immer wieder plagen, sorgen bei Fans von Künstlern wie 6ix9ine für wohlwollendes Zunicken.

Dass der Rapper seinen Platz im Hip-Hop-Olymp dennoch verdient hat, versteht jeder, der sich mit der Technik und musikalischen Expertise des Künstlers aus Gaithersburg auseinandersetzt. Ob poppiger Rap à la Drake ("Everybody"), moderner Trap ("BoomTrap Protocol") oder Double Time ("Alright"): Logics Diskographie zeichnet sich vor allem durch Vielseitigkeit aus. Seine aktuelle Zusammenarbeit mit Eminem – der Track "Homicide" – zeigt, wie viele Silben der perfekte Schwiegersohn von einem Rapper in nur wenigen Sekunden spitten kann.

"Wer dem Multitalent bei Social Media folgt, merkt schnell: Logic ist dauerhaft am Rotieren. Denn der kreative Kopf hat immer ein neues Album, das noch produziert, ein Film der noch geschrieben oder eben ein Roman der noch veröffentlich werden muss."

Letzteres ist vor Kurzem geschehen. Mit "Supermarket" hat er unter Bobby Hall, einer gekürzten Version seines bürgerlichen Namens, sein erstes Buch veröffentlicht. Der Roman landete nach nur wenigen Tagen auf Platz Eins der "New York Times"-Bestsellerliste und macht Logic zum einzigen Rapper, der sich als Bestsellerautor betiteln darf.

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Die Vision seines allerersten Thrillers unterstützte Logic mit einem passenden Soundtrack, den er rechtzeitig zum Release von "Supermarket" unangekündigt veröffentlichte. Darauf probiert sich der 29-Jährige musikalisch aus, singt klassische Popballaden und reinterpretiert gleichzeitig "Get Schwifty" aus seiner Lieblingsserie "Rick & Morty". Denn Logic lässt sich wieder von Genres, noch von der Musikbranche an sich im Zaum halten.

"Hip-Hop-Akzeptanz, das alles, Mann, scheiß drauf", fasst Logic in einem Interview mit "Complex" zusammen. Genau diese Portion Gleichgültigkeit gegenüber Normen und Limits der Hip-Hop-Community, gepaart mit seinem Drang nach sozialer Gerechtigkeit, macht Logic zu einem Künstler, der auch ganz ohne traditionelle Street Cred den Hype verdient hat, den er gerade auslöst.

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Quelle: Noizz.de