Valentin fängt gerade erste so richtig an: Die Künstlerin aus Berlin hat ihre musikalischen Wurzeln in der Klassik und lässt es im Avantgarde-Elektro gerade so richtig blühen. Wir sprechen mit ihr über Mitteilungsbedürfnisse, Ansprüche und die ausgelutschte Berliner Drogenszene.

Ist denn irgendwas im Leben wirklich das, was es zu sein scheint? "Galileo Mystery" zeigte uns doch regelmäßig, wie unergründlich unsere Welt ist. Aber: Es soll ja jetzt hier nicht um fragwürdige Reportagen gehen, sondern um Valentin. Musikerin, die einem auf den ersten Blick erscheint, wie dass straighte Powerhouse, das direkt aus der Berliner Untergrundszene auf die Zwölf gibt. Treibende Elektro-Sounds, pointierte Lyrics und das alles mit Ansage. Nach eigenen Angaben nämlich ist Valentin genau zur perfekten Zeit am perfekten Ort und macht genau die Musik, die sie selbst immer vermisst hat.

Soweit so eindeutig. Oder doch nicht?

Aber ganz so klar ist das gar nicht – oder sollen wir lieber sagen: Ist doch alles komplexer, als man denken könnte. Hinter dem Künstlerinnenname Valentin steckt nämlich Hannah Valentin, Künstlerin, Unternehmerin, Mama und Spross aus einem klassischen Musikerhaushalt in Heidelberg. Letzteres erklärt die Liebe zur Musik aber auch die Tatsache, dass die 30-Jährige ziemlich gut Klarinette spielen kann.

Blümerant unterwegs: Valentin.

Klassik und Pop ist ja längst keine ganz so unübliche Mischung: Großmeister Nils Frahm überzeugt regelmäßig mit seinen Alben voller Klaviersound und Elektrosprenklern. Lizzo hingegen hat es easy geschafft, die Querflöte im Mainstream zu verankern, warum also nicht eine Klarinette zum Elektropop? Dachte sich auch Valentin, als sie vor drei Jahren ihre Möglichkeiten Musik zu machen neu entdeckte: "Ich war die ganze Zeit auf der Suche. Ich wollte eine bestimmte Art von Musik machen, wusste aber nicht wie. Im Elektro ist man als Frau oft gar nicht gefragt – höchstens um jemand anderem die eigene Stimme für dessen Produktion zu leihen. Aber ich wollte selber Musik machen." Netter Zufall, dass ihr damaliger Mitbewohner ihr die Produktionssoftware Ableton zeigte – nach knapp zwei Wochen hatte Valentin ihren ersten Song fertig und endlich ein Outlet gefunden, für ihre musikalische Vision.

Klarinette?! Ja man!

Das mit der Vision ist so eine Sache: Man könnte auch einfach sagen, dass Valentin in ihren Kompositionen alles vereint, was sie ausmacht. Ihre hypnotisierenden Lyrics kriechen sich durch ein Dickicht aus Sound und kreieren damit das direkte Bild einer Underground-Szene. Man kann sich direkt vorstellen, wie Gestalten der Nacht sich zuckend ins Nirvana dancen und kurz an gar nichts anderes denken. Die Klarinette – mal als Solo, mal als Rhythmusgeber – wird genau hier eingewebt und verleiht Valentins Musik etwas Mondänes, etwas, das verschroben an die Roaring 20s denken lässt. Eines ist sicher: Wenn man sich das einmal angehört hat, lässt es einen so schnell nicht wieder los.

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Fast alles selbst gemacht

Seither ist Valentin Höchstselbst an ihren Reglern und die einzige Verantwortliche für ihre Musik. Auf die Frage, mit welchem Schlagwort sie sich selbst am ehesten etikettieren würde, sagt die Musikerin, ohne nachzudenken: "Autonomie".

Und diese schränkt man ja auch nicht ein, wenn man sich fürs eigene Gesamtkunstwerk auch noch andere fähige und passende Leute heranzieht. Valentins Looks erinnern an eine Mischung aus Florence + the Machine und Die Antwoord. Sie selbst gesteht: "Ich bin großer Grimes-Fan, vielleicht kommt vieles auch daher." Möglich. Die Outfits und Make-ups, die an alienhafte Märchengestalten denken lassen, kommen vor allem aber auch von etwa Stinny Stone, seines Zeichens Designer und auch selbst Musiker. Auf seiner Instagram-Seite bekommt man mit, welche Looks er sonst so aus seinen Händen zaubert:

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Druff, druff, druff, druff, druff

Valentins erster größerer Gig war auf der Fusion, sie selbst ist Teil genau dieser Szene, die feiert, tanzt, vielleicht auch ein bisschen zu viel Betäubung braucht und dann doch etwas weiter auf Wolke Ketamin davon schwebt. In ihrem Song "Drogen nehmen" scheint sie genau das auch zu thematisieren: Wer nach Berlin kommt, ist spätestens nach zwei Wochen Veranstaltungsvollster auf dem Dancefloor – ganz egal, wie man vorher drauf war.

"Na ja, nicht ganz: Ich selbst bin zwar sehr gerne Teil dieser Feierszene, ich liebe die LGBTQ-Szene, das ist mir alles sehr nah. Selber konsumiere ich aber nichts." Im Nachgang verrät sie außerdem, dass der Track "Drogen nehmen" viel persönlicher ist, als man zunächst annehmen würde. Inwiefern, das soll sich jeder selbst überlegen. "Meine Lyrics sind so knapp und offen, weil sich die Leute selbst ihre Gedanken machen sollen." Tja, wie eingangs gesagt: Ist halt einfach nicht alles direkt so, wie es scheint.

Valentins aktuelle Single "Digital Hugs" leistet seinen Beitrag zur Corona-Gegenwart. Und was sollen wir sagen? Es bleibt einem eigentlich nichts anderes übrig, als das Wohnzimmer zur Tanzfläche zu machen und digital hugs in die Welt zu schicken. Probiert es aus:

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  • Quelle:
  • Noizz.de