In der Interview-Reihe "Allein zu Haus" zeigen Künstler*innen und Musiker*innen ihr Zuhause und erzählen, was sie in der Corona-Krise gerade bewegt. In dieser Ausgabe zeigt uns die Indierock-Band Dream Wife, wie sie damit klar kommen – und gibt einen Einblick in ihre Familienarchive.

Rakel Mjöll, Bella Podpadec und Alice Go sind vielleicht die untypischste Girlband aller Zeiten. Als sie gemeinsam in Brighton studiert haben, formten sie als eine Art Kunstprojekt eine "Fake Girl Band" und drehten eine Mockumentary über sich: Wie sie die ersten Songs schreiben, ihren ersten Auftritt bei einer Kunstausstellung haben. Sie nannten sich Dream Wife. Aber nach dem Uniabschluss fanden sie die Fake-Girlband gar nicht mehr so fake und machten Ernst.

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Zum Glück! Denn ihr selbstbetiteltes Debütalbum klang wie eine wilde Affäre mit gleich elf aufregenden Songs, irgendwo zwischen Indie und Punk mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein und einem feministischen Selbstverständnis, das so bisher wenige Bands an den Tag gelegt haben. Fluch und Segen zugleich für die Band, denn immer wieder wurden sie in Interviews genau darauf reduziert. Seitdem Dream Wife nicht mehr eine Fake-Band, sondern ganz real ist, lebt die Freundinnen in London.

Hier kannst du hören wie Dream Wife mit ihrer neuen Single "Hasta La Vista" klingen:

Und auch dort holt der Lockdown einen ein und macht alle Promo- und Tourvorhaben für das kommende zweite Album "So When You Gonna …" etwas komplizierter. Dream Wife haben die Zeit genutzt, in ihren Familienarchiven und Homevideos zu kramen und daraus ein Video ihrer neuen Single "Hasta La Vista" zu basteln – denn nach draußen gehen und ein Video drehen, geht ja eher schwer gerade.

Alice und Bella wohnen zusammen in London, nur von Rakel sind sie im Moment getrennt – zumindest räumlich. Das macht die Selbstisolation zumindest ein bisschen erträglicher, wie Alice findet: "Wir sind ja oft auf Tour zusammen unterwegs und sind daran gewöhnt, zusammen einen sehr begrenzten Raum zu teilen und immer aufeinander zu hocken – deswegen fühlten wir uns eigentlich ziemlich gut gewappnet." Rakel verbringt die Zeit bei ihrer Familie in Island – vor allem, weil sie gerade Tante geworden ist: Ihre Schwester hat einen kleinen Jungen zur Welt gebracht. "Sie hat also wohl den süßesten neuen Freund, um ihre Zeit zu verbringen", scherzt Alice weiter.

Barbecues, Buch-Klub und Chillen in Bellas und Alices Garten.

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In der Zeit, die aber Bella und Alice jetzt viel intensiver zuhause verbringen, haben auch sie ihre vier Wände neu für sich entdeckt und natürlich auch einige Lieblingsorte. "Wir haben echt Glück, einen Garten zu haben – wir verbringen da so viel Zeit, wie es nur geht. Wir machen Grillabende, veranstalten unseren eigenen Buch-Klub mit den anderen Mitbewohnern im Haus." Draußen zu sein, sei gerade jetzt etwas ganz Besonderes geworden, was sie richtig zu schätzen wissen.

Der Garten habe sie auch zu neuen Projekten inspiriert – was genau, wollten sie aber noch nicht verraten: "Es ist noch geheim." Während für manch einen der Lockdown auch erdrückend wirkt und die Kreativität etwas mindert, versuchen Bella und Alice das Beste aus der Situation zu machen. Deswegen haben sie fast all ihr Equipment im Musikzimmer eingelagert und können noch immer zusammen Musik machen.

Lieblingsort Badewanne?

Das Bad von Alice und Bella in London

An dritter Stelle ihrer neuen Lockdown-Lieblingsorte steht definitive das Badezimmer. Mag sich für manch einen seltsam anhören, oder aber ziemlich girly-mäßig, aber Bella und Alice haben einen sehr guten Grund dafür: "Es ist fast absurd groß! An manchen Nachmittagen gibt's einfach keinen besseren Weg, als sich seine Zeit dort zu vertreiben." Eben ein nicer Rückzugsort.

Natürlich vermissen sie es im Moment auf der Bühne zu stehen – dafür haben sie bisher auch keinen Ersatz gefunden. "Man hat eine ganz andere Verbindung zu den Fans dann und teilt diese Momente im selben Raum", beschreibt es Alice. Aber wie wohl die meisten von uns, wünscht sie sich manchmal einfach nur, ihre Freunde wieder umarmen und treffen zu können und sich im Gras zu wälzen.

Durch die Krise mit neuer Musik und frischen Gedanken

Seien wir ehrlich: Das Musikzimmer sieht aus wie der Backstagebereich unseres Lieblingsclubs, oder?

Ganz spurlos geht die Coronakrise also auch an Alice nicht vorbei. Wie man damit am besten umgehen kann? Keine einfache Frage, wie Bella findet. In solch einer angsteinflößenden Zeit sei es vor allem wichtig, zu sich selbst nett und respektvoll zu sein. "Finde etwas, dass dich erdet, vielleicht ist es Yoga oder Meditieren, aber diese Zeit wird vorübergehen. Sei einfach achtsam: Langsam, hör auf deine Sinne, mach dir so viel Freude, wie möglich!"

Sie hofft, dass die Welt nach der Krise nicht genauso sein wird, wie vorher: "Vielleicht ist das der Katalysator, den wir gebraucht haben, um eine bewusstere, sozialere Gesellschaft zu werden." Damit denjenigen, die bisher immer vergessen worden seien, besser geholfen wird – und auch damit wir vielleicht etwas menschlicher mit unserer Umwelt umgehen.

Die Gedanken um eine gerechtere und auch nachhaltigere Welt sind auch auf Dream Wifes neuem Album eingeflossen. Das soll am 3. Juli erscheinen – die ersten Songs aus "So When You Gonna …" machen uns auf jeden Fall Lust auf einen entspannten Sommer. Und damit dir und auch den drei Bandmitgliedern von Dream Wife nicht langweilig wird, haben sie – Tada – in der Isolation auch einen albumbegleitenden Podcast gestartet.

Den kannst du hier hören und die Zeit konstruktiv füllen mit echter Girl-Power. Dort reden sie nämlich mit interessanten Gesprächspartner*innen wie ihrer Produzentin Marta Salogni, Videoregisseurin Aidan Zamiri, Musikerin Estela Adeyeri oder Agentin Adele Slater.

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Quelle: Noizz.de