Drake ist der erfolgreichste Musiker des 21. Jahrhunderts. Seit zehn Jahren gehen seine Alben Gold und Platin, seit Jahren sind aktuelle Drake-Singles der eine Song, den jede*r kennt und theoretisch auf Kommando mitsingen könnte, wollte man sich als Normi outen. Mit seinem neuen Album könnte er nun die Musikindustrie für immer ändern.

Mit seiner neuen Album-Ankündigung für Januar 2021 steht der gesamten Welt und Musikindustrie ein historisches Ereignis bevor: Der erfolgreichste Musiker der Gegenwart releaset independent ein Major-Projekt, ein komplettes Studioalbum. Warum ist das so eine Sensation?

Wenn du als Musiker*in Erfolg haben willst, brauchst du ein Label, das dich vermarktet und dafür sorgt, dass deine Musik an die richtigen Menschen kommt und gehört wird. Kleine Künstler*innen signen in der Regel bei kleineren Independent-Labels, große Künstler*innen schießen Major-Label-Deals bei Universal, Sony, Warner und Co., und profitieren vom größtmöglichen Netzwerk der Musikindustrie.

Musikindustrie der Gegenwart: Je größer das Label, desto größer der Star

Labels machen das natürlich nicht aus Freundlichkeit, sondern bekommen dafür traditionell die Rechte an der Musik, auf jeden Fall aber Anteile vom Umsatz. Herunter gebrochen heißt das, wenn du als Musiker*in richtig durchstarten willst, verzichtest du in der Regel für den großen Erfolg auch auf einen Teil des großen Gelds, ungefähr auf 50 Prozent.

110 Jahre moderne Musikgeschichte sprechen für sich: Kein Major-Deal, kein Weltstar. Doch mit dem Wandel von analoger zu digitaler Musik, zu Social Media und Streaming stellt sich immer häufiger die Frage, wie wichtig die klassische Labelarbeit eigentlich noch ist. Künstler*innen kommunizieren sich auf Instagram, TikTok und Twitter selbst, Fans sind zwei Spotify-Klicks davon entfernt, alles zu hören, was die digitale Welt zu bieten hat.

So zeichnet sich seit ein paar Jahren eine Spitze entschlossener Pioniere ab, die sich den Riesen der Musikindustrie nicht mehr verkaufen wollen. Dazu gehören der Sänger Russ oder auch Rapper 21 Savage, der als eine*r der Ersten nicht mehr bereit war, die Masterrechte seiner Songs abzugeben.

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Drake ohne Label – warum das alles ändern könnte

Steve Strout ist Musikjournalist und hat in seinem Podcast "Independence" bereits im Juli 2020 zusammen mit Sänger Russ diskutiert, welcher Riss durch die gesamte Musikbranche zucken würde, sollte Drake sein kommendes Album independent releasen.

Wieso Drake kein Label hat?

Seit seinem Doppelalbum "Scorpion" ist er raus aus dem Deal mit Birdmans "Young Money Entertainment" – und hat bis heute nirgendwo neu unterschrieben. Bei Young Money wurde er unter Obhut von GOAT-Rapper Lil Wayne zum Superstar, der er heute ist. Zehn Jahre später steht Drake als Nummer-1-Pop-Rapper unserer Generation auf eigenen Füßen und womöglich vor dem größten Release seiner Karriere.

"Stell dir vor, Drake würde sein Album einfach selbst hochladen, ohne Labeldeal. Einfach auf Instagram 'Link in Bio' posten", öffnet Russ das Thema im Podcast. "Pro Song zahlt er vielleicht 50.000 Dollar für den Beat und das Mixing & Mastering. Aber wenn er alle Rechte an den Songs vom Album hat, dann verdient er damit pro Song zehn Millionen Dollar pro Woche für fucking 60 Wochen oder so."

Drakes neues Album und die womöglich größte Bag aller Zeiten

Zehn Millionen Dollar pro Woche sind wohl ein bisschen viel, aber der Kern stimmt. Natürlich würde Drake noch Geld in Promo und Marketing stecken. Aber die Einnahmen gehen zu 100 Prozent an ihn. Und welches Label hat bitte eine größere Reichweite als Drizzy selbst? Jeder Mensch mit Internet hört sich das neue Drake-Album so oder so an.

"Drake steht kurz davor, die größte Bag aller Zeiten aus dem Musikbusiness zu ziehen", stimmt Strout zu und ergänzt: "Der Tag, an dem das passiert, könnte der letzte für die komplette Industrie sein."

Natürlich machen an diesem Tag nicht direkt weltweit alle Labels ihren Laden dicht. Aber was Strout meint, ist, dass Drakes independent Release als Wegweiser und Kehrtwende in ein neues Musikzeitalter führen könnte, in dem sich Majorlabels auf Superstarniveau gegen Social Media, Streaming und die Selbstvermarktung der Musiker*innen geschlagen geben müssen.

Wenn Drake ohne Label releaset und der Rest der Musikwelt sieht, wie erfolgreich das trotzdem wird und wie viel Geld er damit verdient, dann müssen sich Universal und Co. womöglich ein komplett neues Konzept und damit eine neue Daseinsberechtigung überlegen.

"Certified Lover Boy" ist für Januar 2021 angekündigt.

  • Quelle:
  • NOIZZ