Wofür sind wir Menschen eigentlich noch da?

CB77. Die kryptische Buchstaben-Zahlen-Kombi klingt entweder ganz schön nach neuer Wunder-Tinktur, wahlweise Mundwasser oder aber einem klapprigen Honda-Motorrad. Aber nichts von all dem ist richtig, denn auf diesen Namen hört ein DJ-Roboter des spanischen Autoherstellers SEAT.

Ja, ihr habt richtig gehört: ein DJ, der auf einer Party Platten auflegt. Ein Robo-DJ. Fast so cool wie Nummer 5. Aber nur fast. CB77 kann Songs mixen, ein bisschen grooven und performen (David Guetta macht ja auch nichts anderes, als auf und ab zu wippen). Egal ob Techno, Pop, Rock oder Hip-Hop - angeblich kann der Robo-DJ alles gleich gut perfekt mixen.

Sein Premieren-Set legte CB77 übrigens beim Primavera Sound 2018 in Barcelona im Mai dieses Jahres. Ein besseres Publikum hätte sich CB77 aber auch nicht aussuchen können: Schließlich ist das Primavera eines der größten Indie-Festivals in ganz Europa und bekannt für seine Experimentierfreudigkeit.

Ganz ehrlich: Irgendwie musste es ja so kommen. In Zeiten, in denen fast alles mit künstlicher Intelligenz gesteuert werden kann und gerade die Musikindustrie drauf und dran ist, diese neue Wunder-Technologie voll und ganz für sich einzuspannen: In diesem Jahr wurde nicht nur das erste Pop-Album mithilfe von KI aufgenommen, auch Spotify-Playlisten und Co. kommen ohne nicht mehr aus.

Ob CB77 allerdings das Gespür für sein Publikum hat, wage ich zu bezweifeln. Wie genau und wann jemand zu einem Track abgeht, wann man das Tempo schneller macht oder einen Gang runterfährt, lässt sich vielleicht in Grundzügen errechnen und einprogrammieren. Wie der Club in Ibiza am Ende wirklich auf LSD oder Ecstasy tickt, kriegt nur der Guetta selbst mit. Auch nervige Songwünsche und kleine Liebesromanzen am DJ-Pult kriegt CB77 nicht mit.

Außerdem kann der Roboter bisher keine eigenen Entscheidungen treffen. Welche Musik CB77 also am Pult modifiziert und remixt, bleibt immer noch uns und unserem Geschmack überlassen. Fragt sich wie lange.

Quelle: Noizz.de