Die besten Zitate aus „Das ist Alpha: Die zehn Boss-Gebote"

„Was, Kollegah hat ein ganzes Buch geschrieben?!“ – mein erster Gedanke, als Kollegah die wochenlangen Gerüchte bezüglich seines Buchs bestätigte. Dann war ich doch ein wenig neugierig. Was hat der bürgerliche Felix Blume mir noch zu erzählen, außer dass er „deine Bitch auf Toilette“ zerrt und „der den arroganten Blick aus der Fresse“ fickt?

Das Buch fühlt sich an wie eine riesengroße Spielwiese für den Rapper, endlich mal ununterbrochen und unkommentiert alles sagen zu dürfen, was ihm auf der aufgepumpten Brust liegt. Das merkt man schon daran, dass das Intro alleine die ersten 105 Seiten beschlagnimmt. Bis wir zu den zehn Boss-Geboten kommen, heißt es dann auch schon fast Halbzeit.

Das meiste, was Kollegah von seinen Lebensweisheiten preisgibt, ist zugegeben inhaltlich überraschend wertvoll. Mein Lieblingskapitel: Das sechste Gebot – Du sollst Charakter haben. Arroganz ist nicht Selbstbewusstsein, und deine wahren Freunde gehören respektiert. „Verliere den Bezug zur Realität nicht. Du bist wie jeder Mensch nicht perfekt und wirst es niemals sein und das ist vollkommen okay!“

Kollegah spricht sich in dem Buch auch ausdrücklich gegen Rassismus aus: „Jegliche Form von Rassismus ist irrational und hat im Mindset eines Alphas absolut nichts verloren“.

Bei dem Thema Drogen angekommen redet Kollegah zunächst über seine eigene Amphetamin-Sucht. Was sich zuerst nach einer Lobeshymne an Leistungspushenden Drogen anhört, wird schnell zur Moralpredigt aus eigener Erfahrung. „Der negative Effekt von Drogen überwiegt den positiven um ein derart Vielfaches, dass sich das Risiko nicht lohnt. Daher sage ich euch eins: Lasst die Scheiße einfach komplett sein, ihr Strolche!“

So weit, so gut. Kollegah macht in „Das ist Alpha!“ starke Aussagen an sein größtenteils junges, männliches Publikum. Als Leitfigur genießen seine Worte auch ziemlich starkes Vertrauen von seinen Fans, insofern ist es eigentlich sehr schön zu lesen, dass er die heranwachsenden „Alpha-Tiere“ auf Ideale und Prinzipien zuschneiden will. Eigentlich verdient das Buch deswegen eine applaudierende Anerkennung. Wäre da nicht ...

Denn in dieser Hinsicht ist Kollegahs Meinung irgendwo zwischen Hausfrauenratgebern des 19. Jahrhunderts und stereotypischen Groupie-Images gefangen. Traurig, dass der ja scheinbar ziemlich reflektierte Künstler einem extrem sexistischen, testosteron-getriebenen Frauenbild hinterher hinkt. Dabei fängt der Junge so vielversprechend an: Im Kapitel "Das siebte Gebot" erfolgt direkt nach dem etwas hilflosen Versuch Immanuel Kant und seinen Kategorischen Imperativ zu erklären ein Appell zu Gleichberechtigung und Respekt. Dieser, so Kollegah, sollte Männern und Frauen zu Teil werden – guter Punkt!

Seine Ergüße über "Bitches" oder halt "Golddigger" die später im Buch erfolgen sind jedoch so kurzsichtig, dass man sich gerne in nächststehende Mülleimer übergeben möchte. Oder aber man entwickelt Mitleid dafür, dass Kollegahs Welt scheinbar aus sehr einfachen Stereotypen besteht: Frauen wollen Geld; Frauen die sexuell zu freizügig sind, sollten dir nichts wert sein (den Blowjob vorher darf man aber dennoch mitnehmen); Frauen sind faul und lassen sich aushalten. Männer sind Opfer, die sich schützen müssen; Männer müssen immer die Oberhand behalten; Männer können eigentlich nur einander vertrauen. Ziemlich traurig die Welt, in der unser Pulitzerpreis-Anwärter sich da befindet.

„Frauen unterteilen Männer in drei Kategorien: Nice Guys, Arschlöcher und Alphas."

„Der Nice Guy macht den Fehler, dass er die Frau auf ein Podest stellt und sie zu einem halb-gottartigen Wesen macht.“

„Um das Thema abzuschließen: mache Frauen nicht wichtiger, als sie sind.“

(Beim Reden über den Versuch eines Mannes, einer Frau zu gefallen und darüber Liebeslieder zu schreiben) „Schlimmer noch, diese Songs unterstellen, dass die Meinung einer Frau höher zu schätzen sei als die eines Mannes, was natürlich völliger Unfug ist.“

„Ob du einer Frau deine schlaffe Hand oder deinen schlappen Schwanz in die Hand legst, macht für sie keinen Unterschied“

„Wenn du einer Frau die Hand gibst, dann spricht auch nichts dagegen, deine zweite Hand auf eure zu legen, während du sie anlächelst. Eine kleine, aber feine Geste deiner Dominanz, die sie erkennen wird.“

„Das Schicksal einer Bitch ist und bleibt nun einmal, einsam und verbittert in einer Sozialwohnung voller Kinder unbekannter Väter in die Vergessenheit abzutauchen, weil sie nie auch nur entfernt daran gedacht hat, vielleicht selbst für ihren Lebensunterhalt aufzukommen.“

Bei diesen Kommentaren kann man nur hoffen, dass sich die jungen Kollegah-Fans noch einen Funken Selbstachtung beibehalten und sich nicht komplett in die Macho-Welt des Deutschrappers fallen lassen. Dass Frauen und Männer nicht im Geiste komplett voneinander getrennte Wesen sind und es bei der Partnersuche nicht um ein Dominanzverhalten, wie im Hahnen-Käfig geht, ist für jeden denkenden, reflektierten Menschen keine Frage mehr, wird Zeit, dass Kollegah und seine Gefolgschaft das mal realisieren.

Dass sich Kollegah in diesem Buch aus dem Jahre 2018 zwar auf über 200 Seiten mit dem korrekten Charakter auseinandersetzt, es dabei aber nicht hinbekommt zeitgemäße Gleichberechtigung zu thematisieren, ist wirklich traurig.

Der Eindruck von Kollegah als weisen Self-Help-Onkel wird damit überschattet – von einem Bild des veralteten Dominanz-Mannes, der eine Frau braucht, die ihm untergeordnet ist. Dabei hat Kollegah in seinem Buch eigentlich viel mehr zu erzählen als das.

Das Buch ist seit dem 19. September erhältlich auf Amazon.

Quelle: Noizz.de