Ein heiß diskutiertes Thema.

Für alle, die mit deutschem Hip Hop zu tun haben, ist es keine Neuigkeit. Für alle anderen gibt es einen Abriss einer kurzen Sinnkrise des Deutsch-Rap von letzter Woche. Und in der waren sich zum Glück mal fast alle einig.

Was war passiert?

Rapper DCVDNS aus dem Saarland hat die N-Bombe platzen lassen. Das war eine deutliche Referenz auf den Berliner Rapper Taktlo$$, der sich selbst „Der Letzte Tighte Nigga nennt. Dennoch trat DCVDNS damit nicht nur ins Fettnäpchen, sondern rief eine ganze Reihe von Reaktionen hervor. DCVDNS ist zwar nicht gerade dafür bekannt, dass man seine Worte auf die Goldwaage legen sollte, doch an einem gewissen Punkt, hört Humor eben auf. Bei seinem Song „Der erste Tighte Weiße“ geht es um die Außenseiterrolle, in die DCVDNS gedrängt wurde, weil er eben weiß ist. Das brachte ihm in der Hip-Hop-Kultur einige Probleme ein. Zumindest bis hierhin kein Problem, doch die Eingangszeile lautet: „Der erste tighte Weiße seit dem letzten tighten N***a“.

Rapper und Journalisten

Die erste Reaktion kam von Mortel, der wütend tweetete „Hast du Ni**a gesagt?“. Davon distanzierte sich DCVDNS allerdings erst mal, in dem er einen Screenshot vom Text teilte, in dem das Wort Nicker niedergeschrieben steht.

Natürlich ein vermeintlich humorvoller Ausweg aus einer präkeren Situation, von der sich niemand in die Irre führen ließ. Dann meldeten sich Journalisten zu Wort, die alle denselben Grundtenor verfolgten. So veröffentlichte Oliver Marquart (Chef-Redakteur bei rap.de) einen Kommentar mit dem Titel „Warum es nicht klar geht, als Weißer das N-Wort zu droppen“. Darin erzählt er eine persönliche Geschichte und konklusiv heißt es: „Sobald die Äußerung öffentlich fällt, ist es ein anderer Kontext. Und somit mindestens grob fahrlässig und unnötig. Ein Rassist ist er damit nicht. Aber ein Ignorant, der es besser wissen könnte.“

Eine ähnliche Meinung findet sich im Kommentar „Darf DCVDNS das N-Wort sagen?“ des Splash-Mag von Nico van Veen und Christopher Kammenhuber. Allerdings werfen sie der Szene auch vor, heuchlerisch zu sein: „Während Frauenfeindlichkeit, Homophobie, Antisemitismus etc. an der Tagesordnung sind und hier gerne mal weggeschaut oder mitgemacht wird, braucht es nur eine einzelne Zeile, in der die N-Bombe fällt und die Szene ergeht sich in Drohungen.“

White Privilege

Trotzdem bleibt das Fazit in diesem konkreten Fall eindeutig: „Wenn sich nun ein Weißer als Opfer von Diskriminierung wegen seiner Hautfarbe simplifiziert, sich dazu passender Stilmittel bedient und Rhetorik benutzt, die zur Unterdrückung durch ein privilegierte weiße Klasse benutzt wurde, ist das ausgesprochen paradox und äußerst fragwürdig. Natürlich ist das Image Teil der Vermarktungsstrategie, nur zu welchem Preis? Man möchte DCVDNS zurufen: Alter, check your privilege!“

Wenn Weiße diskutieren

Auch Juri Sternburg hat für Noisey seine Meinung in einem Kommentar mit dem Namen „DCVDNS und die Frage, wer nach seiner N****-Zeile beleidigt sein darf“ verfasst. Darin verweist er direkt auf die betroffenen Rapper Mortel und vor allem einen langen Post von Sylabil Spill und führt die Absurdität an, sobald Weiße darüber diskutieren, wer sich angegriffen fühlen darf und wer nicht. Damit geht Sternburg eher einen Schritt raus aus dem Song und wundert sich über die Teilnehmer am Diskurs.

Auch Falk Schacht und Jule Wasabi diskutieren in ihrem Podcast darüber und Jule gibt zu Protokoll, dass sie durch die Diskussion selbst sensibilisiert worden sei. Falk hingegeben merkt an, dass man in der Auseinandersetzung das Wort benutzen dürfen sollte: „Wenn ich mich über das Wort mit jemandem unterhalte, dann sollte es ausgesprochen werden können und es ist der Kontext entscheidend. Dieses generelle Verbot finde ich schwierig. Man muss darüber reden können.“

Bitte nicht wieder

Klar spiegelt sich auch in Kommentaren verschiedener Plattformen die Ansicht, dass hier überreagiert wird. Das Zitat DCVDNS' spricht ihn (zumindest ein Stück weit) frei von der Verantwortung. Doch der Großteil der User ist sich einig, dass es ein Fauxpas war, der zeigt, dass es mit Rassismus und Diskriminierung immer noch ein Problem gibt.

Quelle: Noizz.de