Bevor Dermot Kennedy zum gefeierten Singer-Songwriter wurde, reiste der Ire als Straßenmusiker durch die Welt.

Wie cool muss man eigentlich sein, dass Taylor Swift dich auf ihre Playlist packt, Hip-Hop-Produzenten-Legende Mike Dean, der schon Kanye West und Travis Scott groß gemacht hat, dir ein Mixtape widmet und sogar Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dir Backstage auf einem Berliner Musikfestival abhängt? Die Antwort kann nur Dermot Kennedy liefern.

Der irische Singer-Songwriter ist 27 Jahre alt und wenn du bis jetzt glaubst, keinen Song von ihm gekannt zu haben, muss ich dich leider enttäuschen. Sein Song "Power Over Me" hat bei Spotify mehr als 90 Millionen Streams und dürfte dir bestimmt schon irgendwann einmal über die Ohren gelaufen sein.

Seine Karriere begann allerdings ziemlich unspektakulär. Als er seinen Cousin beim Gitarrespielen zusah, wollte der kleine Zehnjährige aus einem Vorort von Dublin das auch können. Gesagt, getan. Bis er 17 Jahre alt war, hatte aber ein anderes Hobby viel größere Priorität: "Ich wollte immer Fußballer werden", so Kennedy.

Wenn alles anders kommt

War eigentlich auch ein recht vielversprechender Plan. Nebenher belegte er ein paar College-Kurse in klassischer Musik und gründete eine Band. Aber er wollte mehr erleben. Als sich 2015 seine Band trennte, packte er seine Sachen, nahm die Gitarre mit und tourte als Straßenmusiker. Ohne zu wissen, was daraus werden sollte.

"Ich war einfach nur einer von vielen mit einer Gitarre, die auf ihr Glück hofften", sagt er heute. Das Gefühl, ganz auf sich allein gestellt zu sein, kannte er bis dahin nicht. Allerdings kehrte auch immer wieder nach Dublin zurück, deswegen habe er sich nie völlig fremd gefühlt. "Heimat kann überall sein", sagt er. Man müsse sich nicht auf einen Ort festlegen. Wenn er seine Gitarre bei sich habe, vergesse er eh das Meiste um sich herum.

Inzwischen füllt er überall auf der Welt Konzerthallen, meistens sind sie ausverkauft. Wenn er sich an seine Anfangszeiten zurückerinnert, sah das noch ganz anders aus: "Ich habe schon an den komischsten Orten gespielt, in Minneapolis, Den Haag in den Niederlanden, wo nur eine Handvoll Leute waren. Aber alle gehen so mit und lieben die Songs: Das ist das Surrealste."

Einfach so loslegen, ist sein Credo. Am Ende wird schon das Richtige dabei rauskommen: "Als ich 15 war, habe ich meinen ersten Song geschrieben. Ich mochte das Gefühl. Ich habe mir dabei nicht viel gedacht. Ich mache einfach das, was ich mag." Er kennt keine Kompromisse. Deswegen ist es ihm auch egal, ob manche ihn zu poppig finden, oder finden, er klinge wie Mumford-and-Sons-Frontmann Marcus Mumford: "Das nehme ich eher als Kompliment", sagt der Ire dann.

Die Kraft der Songs

Seine Songs sind eine Mischung aus klassischem Singer-Songwriter-Folk und lässigen Hip-Hop-Elementen – kein Wunder, ist er selbst großer Hip-Hop-Fan. Seine Texte sind – und das eint ihn mit Taylor Swift, die ihn eben auf ihre berühmt-berüchtigte Spotify-Playlist setzte – perfekt getextet, erzählen ein eigenes, kleines Drama. Nur düsterer, schwerer, melancholischer, als Tay Tay es je sein könnte.

Folklegende Glen Hansard, den er später auch persönlich kennen lernen durfte, ist eines seiner großen Vorbilder. "Wenn er performt, fühlt man, wie viel ihm der Song bedeutet. Es ist jedesmal so, als würde er ihn zum ersten Mal spielen. Der Schmerz, die Wut, die Einsamkeit – alles ist da. Und genauso will ich auch sein."

Songs schreiben, das sei für ihn sehr befreiend: "Alles Schwere kann dann raus." Wenn Kennedy allerdings vor einem steht, ein bisschen übermüdet, aber ansonsten immer zu Späßchen aufgelegt, kann man gar nicht glauben, dass aus ihm so düster-schwere Lyrics sprudeln.

Eher denkt man, nicer Typ, mit dem trink' ich gleich mal ein Bierchen

Dabei will Kennedy gar nicht einen auf traurigen Singer-Songwriter machen: "Ich versuche immer die Balance zu finden – in jederlei Hinsicht. In der Musik zwischen Hip-Hop und Folk. Und im privaten auch zwischen dem ständigen Unterwegssein und auch mal zur Ruhe kommen. Das finde ich extrem wichtig."

Im Vergleich zu seinem früheren Leben als Straßenmusiker habe sich eigentlich nicht so viel geändert, findet er. Er ist viel unterwegs und macht Musik – die zwei Konstanten in seinem Leben. "Nur mit dem Unterschied, dass ich damals einfach rausgehen musste zum Spielen, um einfach Geld für die nächsten Tage reinzukriegen", erzählt er. Wenn er nun auf Tour ist und live spielt, sei das ein ganz anderes Gefühl. "Aber es ist natürlich auch ein ganz anderes Leben auf Tour, als wenn man sonst unterwegs ist. Da muss man manchmal wieder einen Draht zum normalen Leben finden."

Und was hört Kennedy dann so im normalen Leben?

"Ich höre eigentlich nur entweder Hip-Hop-Sachen oder Singer-Songwriter-Sachen wie Damien Rice, Bon Iver und sowas." Beide Welten ließen sich für ihn sehr gut verbinden, es passe einfach erstaunlich gut zusammen. Aber: Die akustische Seite gewinne immer.

Den Ritterschlag in Sachen Hip-Hop bekam er auf jeden Fall, als er mit Legende Mike Dean zusammenarbeiten dufte. "Es hätte auch voll daneben gehen können. Aber er hat sich in L.A. einfach angehört, was ich gemacht habe. Super surreal. Fünf Hip-Hop-Typen, die sich dann meine Akustiksongs angehört haben – und sie auch noch cool fanden", erinnert er sich.  

Klingt alles verdammt cool. Ob es denn nie eine, zumindest musikalische, Jugendsünde gab? Nach langem Überlegen, kommt dann doch eine Antwort: "Mein erstes Konzert war Westlife – aber, hey: Ich bin Ire! Außerdem folgt mir Ronan Keating jetzt auf Twitter. Ich habe es also geschafft!" Absolut. Wir haben dem nichts mehr hinzuzufügen.

Dermot Kennedy geht im Herbst auf Deutschland-Tour, außerdem könnt ihr ihn Ende Juli beim "1LIVE 3 Tage wach" in Gelsenkirchen live erleben. Sein neues Album "Without Fear" soll am 27. September erscheinen.

Bis dahin könnt ihr euch mit dem selbstbetitelten Vorgänger entertainen:

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Quelle: Noizz.de