Und es nimmt kein Ende!

Solche Geschichten kann auch nur die deutsche Lokalpolitik schreiben! Der Streit um das geplante Ed Sheeran Konzert in Düsseldorf nimmt immer absurdere Auswüchse an. Weil es so lustig ist: Hier nochmal die Handlung in 6 Akten:

Was bisher geschah ...

Wie alle guten Geschichten startet auch diese mit einem scheinbar unspektakulären Event: Der britische Schwiegermuttertraum Ed Sheeran sollte am 22. Juli ein Konzert auf dem Gelände des Flughafens Essen/Mülheim geben. Alles schien geregelt zu sein. Doch die Veranstalter wurden eines Besseren belehrt ...

1. Akt: Die Altlasten des Zweiten Weltkriegs

Auf dem geplanten Konzertgelände gab es 103 Verdachtsfälle von Kriegsaltlasten aus dem Zweiten Weltkrieg. Um wirklich sicher zu gehen, hätten diese vor dem Event überprüft werden müssen. Doch das würde bald sowieso nicht mehr nötig sein. Denn kurz darauf trat der erste Bösewicht auf den Plan.

2. Akt: Die Rache der Feldlerche

Wer zuletzt singt, singt am längsten – dachte sich nicht nur die Feldlerche, die üblicherweise um diese Jahreszeit auf dem geplanten Konzertgelände brütet. Als darüber diskutiert wurde, die seltenen Vögel für die erwarteten 80.000 Konzertbesucher vorübergehend umzusiedeln, gingen der Deutsche Naturschutzbund (NABU) auf die Barrikaden (NOIZZ berichtete).

Nach langem Hin und Her kam der Veranstalter FKP Skorpio schließlich zur Vernunft und ließ das Konzert nach Düsseldorf in den "D.Live Open Air Park" verlegen – die Tickets sollten ihre Gültigkeit behalten.

3. Akt: Grüner Widerstand

Leider hatten die Veranstalter auch hier die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn der "D.Live Open Air Park" ist noch gar nicht fertig gebaut. Mit dem Ed Sheeran Konzert sollte er eingeweiht werden. Von diesem Vorhaben waren die Grünen in Düsseldorf allerdings nicht so begeistert: Es fehlten Baugenehmigungen sowie Gutachten zu Verkehr, Sicherheit, Lärm und Artenschutzt, schrieben sie in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Thomas Geisel (wir sparen uns den Namenswitz). Langsam rennt den Protagonisten die Zeit davon. Und es kommt noch schlimmer!

4. Akt: Im Namen des Baumschutzes

Für den Bau des Geländes wird natürlich auch ein Parkplatz benötigt. Blöd nur, dass auf diesem aktuell noch ungefähr 100 Bäume im Weg stehen. Also: weg damit! Da die Bäume aber schon 30-40 Jahre alt sind, haben sich Umweltaktivisten zu einer Baumschutztruppe zusammengeschlossen, die sich nun sogar mit einem Brief an Ed Sheeran persönlich wenden wollen.

Die Sprecherin der Gruppe Andrea Vogelgesang (okay, seriously?) sagte in der BILD: "So viele Bäume mal eben für ein kommerzielles Projekt, ein Open-Air-Gelände, zu opfern und nur den finanziellen Gewinn vor Augen zu haben, ist ein bedenkliches Vorhaben." Und das in Zeiten von Dieselskandal, Feinstaubbelastung und Fahrverboten!

Da hilft das Versprechen neue Bäume an anderer Stelle pflanzen zu wollen auch herzlich wenig. Dass das nicht da einzige Problem mit dem Parkplatz ist, ahnt unser Held zu dieser Zeit noch nicht.

5. Akt: Aufstand der Kleingärtner

Wieder sind es brütende Vögel, die Ed Sheeran die Tour vermasseln. Die 8000 (!) Mitglieder des "Stadtverbandes der Kleingärtner" machten auf einen rechtlichen Sacherverhalt aufmerksam: "Wegen brütender Vögel dürfen zwischen März und September keine Bäume gefällt werden!", sagt der Vorsitzende Peter Vossen gegenüber BILD.

Somit müsste die Stadt jeden einzelnen Baum überprüfen, bevor er gefällt wird. Brütet nur ein Vogel in einem betroffen Baum, werden die Kleingärtner für Ed Sheeran zum Endgegner. Doch damit nicht genug: Einige Kleingärtner, die in der Nähe des Geländes angesiedelt sind, befürchten eine Verschmutzung ihrer Gärten durch vorbeilaufende Fans. Ist dieses Konzert noch zu retten?

6. Akt: Die Schützen-Kirmes-Mafia

Wer dem Rheinländer sein Volksfest streitig macht, sollte sich warm anziehen! Zum Showdown schalten sich nun auch noch die Veranstalter der örtlichen Schützen-Kirmes ein. Das Finale diese Großevents mit 150.000 erwarteten Gästen findet nämlich ausgerechnet auch am 22. Juli statt – zwar auf der anderen Rheinseite aber es gibt ein Problem. Beide Veranstaltungen enden um 23 Uhr.

Zusätzlich nutzte die Rheinbahn bisher ausgerechnet den Messeparkplatz P1 für Kirmes-Pendler und kommt somit den Ed-Sheeran-Fans in die Quere. Eine Alternative für die Pendler gibt es laut BILD bislang nicht.

To be continued ...

Kommt es zur blutigen Parkplatzschlacht mit dem Schützenverein? Zum Gartenzwergeaufstand der Kleingärtner? Oder werden sich die Brutvögel NRWs zum finalen Angriff formieren? Das seht ihr in der nächsten Folge "Sing leiser – Ed Sheerans Kampf gegen die deutsche Lokalpolitik."

Quelle: Noizz.de