Rapper Joe Budden mischt sich in die Diskussion mit ein – und zeigt, wie verdammt sexistisch und rassistisch die Musikindustrie noch ist.

Ari Lennox ist momentan eine der wichtigsten R'n'B-Sängerinnen. Wer ihren Namen nicht kennt, hat vielleicht aber schon mal ihre Stimme gehört auf Hits wie "Shea Butter Baby" oder "Night Drive". Wie schon viel zu viele andere Frauen muss auch sie sich trotzdem nicht aufgrund ihres musikalischen Talents bewerten lassen – sondern aufgrund ihres Aussehens.

Anfang des Jahres triggerte sie ein Tweet so sehr, dass sie infolgedessen unter Tränen ein Live-Video auf Instagram aufnahm. In dem Tweet stand:

"Ari Lennox und Teyana Taylors Fähigkeit, gefährlich hohen Sex-Appeal zu haben, während sie gleichzeitig wie Rottweiler aussehen, wird mich für immer erstaunen."

Auf Instagram regte sich Ari Lennox zurecht über diesen Kommentar auf. "Warum hassen Menschen schwarze Menschen so sehr", platzt es dort aus ihr heraus. "Du willst darüber reden (…) warum Menschen Redefreiheit verbieten wollen – aber warum redest du überhaupt so?!", argumentiert Ari. Ihr emotionaler Rant ging schnell viral und zog damit viel Aufmerksamkeit auf sich. Eigentlich würde man davon ausgehen, dass Zuschauer mit gesundem Menschenverstand die R'n'B-Sängerin unterstützen würden. Doch stattdessen erscheint in Reaktion auf den Konflikt ein Podcast, indem sich drei Männer über das Aussehen von Ari Lennox unterhalten – und sie anhand ihrer Reaktion als "sensibel" abstempeln.

Der "Joe Budden Podcast" wird geleitet vom ehemaligen (nur mäßig erfolgreichem) Rapper Joe Budden. Begleitet wird er von Jamil "Mal" Clay, dem jüngeren Bruder vom Musik-Industrie-Riesen Kareem "Biggs" Burke und Rory Farrell, einem Marketingmanager von Sony Music Entertainment. In Folge 310 unterhalten die drei sich über den "Rottweiler"-Kommentar.

Die Diskussion ist Bullshit vom Feinsten

Gleich zu Beginn seufzt Joe Budden resigniert und droppt die abschätzigen Worte "Jetzt hassen schwarze Männer schon wieder schwarze Frauen" – als hätte er, als Mann, die Diskussion satt. Dann sagt er, dass Ari Lennox einfach zu sensibel reagiert habe und aufpassen solle, was ihre wütenden Worte anrichten. Mal gibt noch seinen Senf dazu und wundert sich darüber, warum der Hunde-Vergleich von irgendeinem Menschen im Internet Ari denn so aus der Fassung gebracht hat.

Rory scheint der einzige, der Verständnis für Aris Reaktion zeigt. "Frauen werden erschreckend oft aufgrund ihres Aussehens attackiert", sagt er. "Sie werden dauernd runtergemacht wegen ihrer Erscheinung."

Weil Mal merkt, dass er mehr Feingefühl hätte zeigen können, versucht er seinen Standpunkt zu relativieren, indem er am Ende den fast dümmsten Satz des ganzen Podcasts hinlegt. Er sagt, dass Ari sich keine Sorgen machen müsse, da viel mehr Leute sie sexy fänden als die, die fänden, sie würde wie ein Kampfhund aussehen. Dabei liegt das Problem am "Rottweiler"-Kommentar überhaupt nicht darin, dass die Bewertung ihr Aussehen nicht realitätsgetreu widerspiegelt – sondern darin, dass Aris Aussehen überhaupt bewertet werden muss.

Frauen werden oft zuerst für ihr Aussehen beurteilt – dann für ihr Talent

Man sollte gar nicht mehr darüber reden müssen, wie weibliche Stars aussehen. Bei Männern geht es um Talent, bei Frauen geht es im öffentlichen Diskurs immer unterschwellig um ihr Aussehen. Das läuft nicht nur in der Musikindustrie so, sondern auch in der Schauspielindustrie und, wenn ich jetzt so darüber nachdenke, in jeder einzelnen verkackten Industrie, die es da draußen gibt.

Als markantes Beispiel für dieses Phänomen erschien mir mal diese Pressekonferenz zu einem neuen Marvel-Film. Dort stellt eine Journalistin den beiden Hauptdarsteller Robert Downey Jr. und Scarlett Johansson jeweils eine Frage – Robert eine inhaltliche (zu seiner charakterlichen Entwicklung im Verlauf von drei Filmen) und Scarlett? Sie wird gefragt, wie das denn mit der Diät so gewesen sei ...

Diese Dynamik bringt mich zum Kotzen

Ich möchte nicht in einer Welt eine Frau sein, in der es hauptsächlich darum geht, was ich für Klamotten trage, wie und ob ich mich schminke oder was für Unterwäsche ich tragen musste, um mich in ein enges Kleid zu zwängen. Das sind alles Fragen, die weiblichen Stars am laufenden Band am roten Teppich gefragt werden, und sie sind völlig irrelevant, was die eigentliche Daseinsberechtigung der jeweiligen Frau betrifft. Bei den meisten Männern spielen diese Faktoren kaum eine Rolle. Deswegen hat die Öffentlichkeit bei ihnen viel mehr Kapazitäten, darüber nachdenken, wie gut sie eigentlich in dem sind, was sie machen – sei es das Singen, Schauspielen oder Leiten einer Firma.

Liebe Welt, bitte macht Ari Lennox, Scarlett Johansson, mich und alle anderen Frauen nicht mehr ausschließlich zu einem Objekt eurer Begierde. Kaum einer von uns präsentiert sich der Öffentlichkeit, um ihre Meinung über unser Aussehen zu hören. Lasst Ari Lennox bitte einfach die wundervolle Musik machen, die sie überhaupt erst ins öffentliche Licht gerückt hat – und macht euch lieber Gedanken über ihre Kunst als über die Form ihres Gesichts.

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Quelle: Noizz.de