"Wie kann ich mich beschweren?"

Depression macht keinen Halt weder vor Geschlecht noch vor 'Fame and Fortune'. Seine Erfahrungen mit Angstzuständen und toxischer Männlichkeit beschreibt der britische Singer-Songwriter und Produzent, James Blake, jetzt in einem Essay. Als Teil der Mental-Health-Aufsatzsammlung mit dem Titel "It’s Not OK to Feel Blue (and Other Lies)" von Scarlett Curtis, eine bekannte Aktivistin und Journalistin im Vereinigten Königreich, erzählt Blake von seinen frühen Erfahrungen mit der "black depression"

James Blake ist schon immer offen mit dem Thema mentaler Gesundheit umgegangen – über seine Musik und auch in der Öffentlichkeit, hat sich beispielsweise in einem offenen Brief Twitter gegen das "sad boy" Label gewehrt, das ihm so oft wegen ebenjener Eigenschaft zugeschrieben wurde: "Ich fand die Bezeichnung schon immer ungesund und problematisch, wenn sie dafür genutzt wird, Männer zu beschreiben, die einfach nur offen ihre Gefühle äußern."

In dem Essay mit dem Titel "How can I complain?", das letzte Woche erschien, erzählt Blake von seiner Kindheit und dem Erwachsenwerden, wie ihn die Erfahrungen mit seinen Mitmenschen und dem musikalischen Erfolg geprägt haben. Er versucht zu erklären, wie 'jemand wie er', ein reicher, berühmter, weißer cis-Mann, depressiv sein kann, wie er wegen seiner Privilegien noch immer Scheu davor hat, sich als 'depressiv' oder überhaupt als 'traurig' zu bezeichnen – weil es andere Gruppen gibt, die viel mehr und schlimmere Erfahrungen ertragen mussten. Das Absurde: Genau dieses Wissen führte dazu, dass er sich noch schlechter fühlte.

Heute weiß er: Das Vergleichen von Leid hilft niemanden, schon gar nicht einem selbst: "Ich glaube auch, dass jeder Mensch ein Recht auf Schmerz hat, egal wie erkennbar oder relativ klein dieser Schmerz ist." Unter anderem toxische Männlichkeit und eine scheinbar homophobe Angst vor Sensitivität würden am Ende dazu führen, dass man den individuellen psychologischen Verfall als beschämend empfindet. Wenn der Schmerz nicht adressiert wird, führe das am Ende nur noch zu mehr weißen, cis-männlichen Egomanen - die sich dann jemandem wie Donald Trump zugezogen fühlen (zu letzteren zählt er sich nicht).

Das Essay könnt ihr hier lesen.

Quelle: NOIZZ-Redaktion