Die 10 wichtigsten Deutschrap-Momente 2018

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Gzuz Foto: gzuz187_official / Instagram@gzuz187_official

Von gewonnen Echos und verstörenden Interviews.

Friends, es herrschten wilde Zeiten in diesem Game, das sich Deutschrap nennt. Charts wurden dominiert, Stimmen getuned, Konzerte abgerissen und Echos gewonnen.

Zwölf turbulente Monate liegen hinter uns, die ich in den folgenden zehn Augenblicken noch einmal fürs Geschichtsbuch und den heimischen Nostalgie-Flash aufbereitet habe. Eine chronologische oder hierarchische Reihenfolge gibt es nicht. Viel Spaß mit „Deutschrap 2018 in zehn Momenten“!

1. Kollegah als Mischung aus Steinzeitmensch und Businessman

Kollegah der Boss hat 2018 sein erstes Buch herausgebracht, das auch prompt zum Bestseller geworden ist. „Das ist Alpha: Die 10 Bossgebote!“ kam natürlich nicht ohne satte Promophase auf den Markt.

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Eigens dafür hat sich Kolle einen Look ausgedacht, der die stilvolle Eleganz des gediegenen Geschäftsmanns mit der rohen Muskelkraft eines primitiven Steinzeitmenschen kombiniert. Die Visualisierung seiner Vision kann man in einigen Trailern bestaunen. Ein Look, der so abgehoben, geschmacklos und lächerlich aussieht, dass er schon wieder ikonisch ist:

2. GZUZ' Ausraster und Tabubrüche

Mit GZUZ' Aktionen könnte man ein ganzes Buch füllen. Allein 2018 hat der Hamburger genug verzapft, um ihm seine eigene Top-10-Liste zu gönnen.

Zwei Highlights sollen in Ehren gehalten werden: 1. GZUZ zerschlägt Glasflasche an seinem Kopf, um beim Videodreh zu „Was hast du gedacht?“ brutal auszusehen. 2. Sein ebenso asozialer wie lustiger Ausraster im Schwimmbad.

Bestes Zitat und Grundlage für eines der lustigsten Memes des Jahres: „Ich bin seit zehn Jahren in diesem scheiß Schwimmbad und ihr wollt mir irgendwas erzählen?!“. Außerdem gab es da noch die leider absolut gar nicht lustige Nummer, als er einen Schwan geohrfeigt hat. Das soll sicher nicht in Ehren gehalten werden, aber war definitiv einer der großen Skandale 2018.

3. Der Splash!-Auftritt von Rin

Rin ist einer der erfolgreichsten deutschen New-Wave-Künstler und ein absoluter Hit-Garant. Jeder, der den Schwaben schon mal live gesehen hat, weiß: Seine Shows sind das Energiegeladenste, was es auf deutschen Bühnen momentan zu sehen gibt.

Das hat er mit seinem mittlerweile legendären Splash!-Auftritt im Juli noch mal unterstrichen. Ich bin nicht der älteste Mensch im Rapgame, aber nach allem, was ich gesehen und gehört habe, war das einer der heftigsten, wenn nicht der heftigste Splash!-Auftritt aller Zeiten. So voll war die Mainstage noch nie und mehr Moshpits hätten da nicht hingepasst. Wahnsinn.

4. Ali As und Motrip charten mit ihrem Album auf Platz 43

Ein waschechter Flop. Ali As' und Motrips gemeinsames Album „Mohammed Ali“ kam von der ersten bis zur letzten Single nicht gut an, was sich schließlich auch in der läppischen Top-50-Platzierung widergespiegelt hat.

Motrip-Fans wollten lieber den alten Motrip zurück, und was Ali As' Fans wollen, kann ich ehrlich gesagt gar nicht genau sagen; der Münchner fiel in den letzten Jahren eh immer eher durch geschickte Featuregäste und einen Hang zum Kommerz auf, als durch einen mitreißenden eigenen Stil.

5. Capital Bra: Rekorde und Autismus-Kick

Capital Bra hat in diesem Jahr etliche Rekorde gebrochen. Seine Single „One Night Stand“ ist mit acht Millionen Streams binnen sieben Tagen das meist gestreamte Lied in einer Woche. „One Night Stand“ ist außerdem auch das deutschsprachige Lied, das die meisten Streams innerhalb eines Tages holte: 1,4 Millionen. Schließlich hat der Bratan einen Rekord der Beatles gebrochen, indem er innerhalb von sieben Wochen drei Songs auf die Nummer eins der Charts brachte.

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Im November hat das Ersguterjunge-Signing zusätzlich seinen eigenen YouTube-Kanal „Joker Bra“ eröffnet. Dort hat er teilweise im Tagesrhythmus neue Songs und Musikvideos veröffentlicht. Darunter sind sowohl steile Banger als auch der pure Schund. Eine leicht manisch wirkende Schaffensphase, die vielleicht seinem Drogenkonsum geschuldet ist?

6. US-Rap-Features en masse

Deutschrap verdient so viel Geld wie nie zuvor. Damit konnten sich die nationalen Großverdiener im Rapgame reihenweise hochkarätige Ami-Rap-Features leisten, die es vor ein paar Jahren nicht über die Poster auf Zimmerwänden hinausgeschafft hätten.

Zum Beispiel Fler feat. Rick Ross, Ufo361 feat. Quavo (Migos), Gringo44 feat. 6ix9ine oder Farid Bang & Capo feat. 6ix9ine. Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass der deutsche Markt für Amis so attraktiv ist wie nie zuvor. Hier wird gerade so viel Geld gemacht, dass selbst Rap-Legende Snoop Dogg auf Bonez MC und Raf Camora aufmerksam geworden ist und ihnen eine Feature-Anfrage geschickt hat, die Bonez allerdings ablehnte.

7. Trennung von SXTN

SXTN – das „beste Team“ – sind seit wenigen Wochen offiziell getrennt. Die beiden Berliner Gören wurden innerhalb von zwei Jahren aus dem Nichts zu den erfolgreichsten Frauen im Deutschrap aller Zeiten. Sie haben goldene Singles in ihrer Diskografie und auf den größten Festival-Bühnen als Headliner gespielt.

Persönlich hat es aber wohl nicht mehr so gut funktioniert. Nura und Juju machen seitdem als Solokünstlerinnen weiter und bisher auch extrem erfolgreich. Juju hat sich zusammen mit Capital Bra mit „Melodie“ auf die Eins der Charts katapultiert und arbeitet aktuell an ihrem ersten Solo-Album, Nura hat gerade die 1Live Krone als beste Solokünstlerin erhalten.

8. Bushido und Arafat gehen getrennte Wege

Bushido und Arafat Abou-Chaker waren seit Jahren ein Zwiegespann und haben zusammen Millionen verdient – Bushido als Rapper, Arafat durch seine Verbindungen zur arabischen Großfamilie Abou-Chaker. Wie genau das Geschäftsmodell aussah, ist bis heute nicht klar. Im März verkündete Bushido die Trennung, im September gab es mit „Mephisto“ noch mal eine Abrechnung auf künstlerischer Ebene.

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In den Wochen danach folgten beidseitige Drohungen, eine Hausdurchsuchung bei Bushido, eine Hausdurchsuchung bei Arafat, sowie Gerüchte, dass Arafat einen Anschlag auf Bushidos Familie vorhabe. Aktuell stehen Bushido und seine gesamte Familie unter Polizeischutz.

9. Der Echo-Skandal um JBG3

Kollegah und Farid Bang haben mit ihrem mittlerweile indizierten Album JBG3 eine riesige Debatte ausgelöst. Grund dafür war eine Line von Farid, die von vielen als antisemitisch empfunden wurde. In diesem Zuge wurden auch einige ältere Videos und Songtexte von Kollegah untersucht, der sich seitdem immer wieder mit Antisemitismus-Vorwürfen aussetzen muss, die er aber konsequent von sich abweist.

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Den Echo gewannen die beiden trotzdem für ihr Album. Der Preis geht nämlich allein nach Verkaufszahlen. Deshalb gibt es den Echo jetzt auch nicht mehr. Was ist das auch für ein Preis, der ein Album auszeichnet, das sowieso schon das erfolgreichste Album ist? Als würde man eine Goldmedaille als Belohnung für seine Goldmedaille bekommen.

10. Das verstörende Yung-Hurn-Interview beim Openair Frauenfeld

Yung Hurn lebt das romantische Künstlerdasein als weltfremder Feingeist auf Drogen. Das hat auch der Interviewer vom „SRF Virus“ zu spüren bekommen. Ein normales Gespräch nach Leitfaden ist mit dem österreichischen Rapper nämlich nicht möglich gewesen.

Ich muss ehrlich sagen: Ich fand den jungen Hurensohn total gezwungen und überhaupt nicht so fresh und inspiriert, wie man ihn als K. Ronaldo in seinen Blogs oder beim Interview mit SRF Virus 2017 zu sehen bekommen hat. Zwei Million Klicks sprechen allerdings für sich: Das Teil ist viral gegangen.

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Quelle: Noizz.de