YouTube ist auch nicht mehr das, was es mal war … oder doch?

Ich glaube, ich bin zu alt für diesen Scheiß. Der Eindruck entsteht unweigerlich, als mir am Mittwoch die deutschen YouTube Jahrescharts im „Rewind 2018“ präsentiert wurden. Im April 2005 wurde bekanntlich das erste legendäre Video „Me at the Zoo“ auf der Plattform hochgeladen – Ich bin Jahrgang 1990 – ich kenne eine Welt ohne und mit YouTube.

Und klar, mit ist sie cooler. Aber das, was deutsche YouTube-Nutzer sich reinziehen, hinterlässt doch ein großes Fragezeichen bei mir. Ich habe mich ja bereits vor etwas mehr als einem Jahr auf Spurensuche begeben, was zumindest die YouTuber, von ihrer Plattform liebevoll „Creator“ getauft, so faszinierend macht.

>> Lest hier meinen Selbstversuch: Ich habe einen YouTube-Marathon hinter mich gebracht und will jetzt eine Frittierparty machen!

Und wer hätte damals gedacht, dass ich über Bibis, damals noch negativen Schwangerschaftstest heute nur noch schmunzeln werde – denn inzwischen ist Bianca „Bibi“ Claßen Mutter eines Sohnes. Und sie dominiert die deutsche YouTube-Welt – abseits der Musik zumindest. Aber das ist nur eine Sache, die ich gelernt habe. Was noch? Ihr erfahrt es hier.

1. Bibis Beauty Palace hat verstanden, wie wir alle ticken

Bibi wird ja von vielen belächelt. Eigene Beauty-Linie, manchmal etwas zu aufgedrehte Videos mit ihrem Inzwischen-Ehemann Julian. Oh, und nicht zu vergessen ihr YouTube-Negativ-Rekord mit dem catchigen Pop-Song „How It Is (wap bap …)“. Zumindets erinnert sich jeder daran.

Das Top-Video Deutschlands im Jahr 2018 stammte auch von ihr. Es heißt „changes … <3“. Außerdem ist Bibi mit zwei anderen Videos in dieser besten Liste vertreten. Einmal mit „Wir reden das 1. Mal über unsere Schwangerschaft …“ und „In Unterwäsche einkaufen gehen“.

Beide Videos sagen so viel über die Netzwelt aus, sie spielen mit Emotionen und Voyeurismus, voller Jumpcuts, und Bibi gibt allen eben das, was sie wollen.

Sie ist nah an den Fans dran, aber legt Wert auf ihr Privatsphäre, sie zeigt klar auf, wo die Grenzen sind, etwa als sie nach der Geburt ihres Kindes fünf Tage lang nichts geposted hat. Und da kann man von Bibi und ihrem Beauty Palace halten, was sie will: Das ist cool.

2. Die Fußball-WM war scheiße, aber wir gewinnen einmal und YouTube kriegt es mit

Na, wer hatte es schon verdrängt? Die „Mannschaft“ hat Fußball-Geschichte geschrieben und ist in Russland bereits in der Vorrunde ausgeschieden. Und trotzdem hatten wir einen kurzen Moment des Triumphes, in dem wir dank Kroos dachten: Alles wird noch gut.

Der 2:1-Sieg gegen Schweden war dann aber doch nur ein laues Lüftchen. Die Zusammenfassung der Sportschau haben sich trotzdem knapp 4,4 Millionen reingezogen. Platz zwei in den YouTube-Jahrescharts. Das kann an diesem magischen Tor liegen zeigt aber auch, Fußball kriegt die Deutschen immer rum.

3. Was wir schon immer wussten: Deutsch-Rap rasiert sie alle

… hihi, aber ein bisschen verkitscht sind die Deutsch-Rap-Jünger aber schon. Ich weiß, es verblüfft vielleicht, aber mit insgesamt mehr als 60,85 Millionen Aufrufen ist „Magisch“ von Olexesh feat. Edin nämlich das meistgeklickte Musikvideo in Deutschland.

Überhaupt gibt es nur drei Nicht-Deutsch-Rap-Songs in den Top 10. Vielleicht ist ausgerechnet der softe Clip des Darmstädter Rappers Olexesh die Nummer eins geworden, weil er beide Seiten vereint, die harten Straßenjungs und -mädels mit den „Softies“.

4. Capital Bra ist der deutsche YouTube-Gott

Sein Clip zu „Neymar“ hat zwar insgesamt mehr Aufrufe als „Magisch“, aber in die Wertung gehen nur die „Views“ in Deutschland ein. Der Bratan hat wohl ein größeres internationales Publikum – was ja nicht minder krass ist.

Capital Bra dominiert die YouTube-Charts: Die Hälfte der Top 10 in der Kategorie Musikvideos stammte von ihm. Was hat Capital Bra nur, was andere nicht haben?  Vielleicht ist es eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: „Heute bin ich ein Star wie Neymar“. Yo!

>> Mehr über Bra und wieso er so erfolgreich ist, könnt ihr hier lesen.

5. Wir stehen auf Satire

Uns sind vielleicht doch nicht so blöde und flach, wie wir immer denken. Oder zumindest die YouTube-Gemeinschaft, die sich so etwas reinzieht, ist es nicht. Für dieses Phänomen wurde extra die neue Kategorie „Creator-Musikvideos“ geschaffen.

Die neuen Bosse dieser Kategorie sind hier die Fußball-Komiker des funk-Formats „wumms“. Vier von zehn Satire-Songs stammen von ihnen. Und sie sind wirklich witzig. Aber auch die anderen Videos nehmen sich gut selbst auf die Schippe sogar Dagi Bee! Außer die Nummer eins in der Kategorie. Das ist ein GANZ anderes Thema.

6. Katja Krasavice zeigt leider, dass sich Sex doch am besten verkauft

Gut, irgendwie nimmt die Porno-YouTuberin sich mit den Trap-Vibes dann doch auch selbst auf die Schippe. Hoffe ich zumindest. Aber sie weiß eben auch, was die Männer gut finden: Der Titel „Sex Tape“ verspricht ja einiges. Ein SEO-Renner. Und bei so einer Nummer eins denkt man dann: Mehr als 100 Jahre Feminismus für den Arsch.

7.  Alles in allem spiegelt YouTube unsere deutsche Mainstream-Gesellschaft doch ganz gut wider

Übrigens: Wir verlosen einen Google Home Mini – signiert von Olexesh! Wie, wo und wann erfahrt ihr hier.

Quelle: Noizz.de