Schluss mit der oberflächlichen Gleichgültigkeit.

Es gibt so viele Dinge, die uns bewegen sollten. Der gesellschaftliche Rechtsruck, der Klimawandel, die soziale Ungerechtigkeit, nur um ein paar Beispiele zu nennen. Aber stattdessen schauen viele sich lieber die neuste Insta-Story von ach-so-authentischen Influencern an und trinken einen Matcha-Tee-Latte. Das Stuttgarter Trio Die Nerven nimmt sich diese Einstellung vor und zerreißt sie mit ihrem neuen Album „Fake“ in Fetzen. Und das macht die Band mit einem erstklassigen Mischmasch aus Punk, Garage, Indie und Pop.

Musik ist wahrlich nicht oft die Lösung für ein Problem, doch kann sie es treffend beschreiben und Freude, Ärger, Emotion ausdrücken. Bei Die Nerven ist es eben Wut.

Dabei ist es nicht wichtig worauf Die Nerven speziell wütend sind. Denn die Texte sind so vage gehalten, dass sie ein Gefühl beschreiben, womit sich jeder identifizieren und auseinandersetzen kann. Der Titeltrack „Fake“ etwa könnte mit der Zeile „Her mit euren Lügen, her mit eurem Neid“ sowohl für die Oberflächlichkeit Instagrams als auch für Fake News und rechte Politik greifen.

„Fake“ betrifft uns alle.

Wenn Die Nerven in dem Song „Niemals“ den Überfluss der Auswahl mit der Zeile „Finde niemals zu dir selbst!“ aufbrechen, dann glaubt man, dass der Zwang der Selbstoptimierung ein Ende haben kann – wenn wir uns alle dagegenstellen. Oder wenn sie mir der Line „Immer nur dagegen/Aber gegen was?“ aus dem harten Lied „Frei“ die Kein-Bock-Einstellung kritisieren, dann wünscht man sich eine engagiertere Gesellschaft.

Doch diese Wut, die das Trio in die Welt hinausschreit, lässt einen nicht in Verdrossenheit zurück. Sie spornt an, nach vorne zu gehen, zu versuchen, etwas zu verändern – der Ausruf „Geh weiter!“ aus „Roter Sand“ fängt diese Einstellung treffend ein.

Die Musik tritt neben den großartigen Texten auch nicht in den Hintergrund: Der leiseste, aber gleichzeitig genialste musikalische Part ist das zweiminütige instrumentale Intro von „Dunst“. Der Bass baut Energien auf, alles scheint auf einen punkigen Ausraster-Song hinauszulaufen, doch dann setzt die Gitarre ein, es wird ruhiger, und es kommen harmonische Riffs mit anschließenden poetischen Lines. Das Lied vereint viele kleine Einsätze ineinander, schließt aber mit einer Explosion mehrere Kreise gleichzeitig und ist wegen seiner Durchdachtheit deswegen so großartig.

Wütend aber gleichzeitig durchdacht

Also hört euch „Fake“ an. Werdet wütend. Und fangt an, etwas zu machen!

Quelle: Noizz.de