Ein Festival von heiter bis wolkig.

Das Melt Festival 2019 ist seit Sonntag vorbei – es war einmal mehr ein rauschendes Fest mitten in der Stadt aus Stahl. Dabei wurde es zwischendurch ziemlich dramatisch: Die Wolken über dem Melt zogen am Samstag zu – nein, das lag nicht an Stormzy, dazu später mehr – sondern an einer Unwetter-Front, die mal eben alles wegfegte. Tolle Reaktion von den Melt-Mitarbeitenden: Alle vom Gelände pferchen und dann vor den Eingängen im Regen stehen lassen. Hat sich scheinbar gelohnt: Ist wohl niemandem was passiert.

DIY-Trommler und Donner

Wir verbrachten die kritischen Stunden in einer großen Halle neben dem Gelände – während draußen der Regen in Strömen wütete und von Blitz, Donner und orkanartigen Böen begleitet wurde. Von sowas lässt sich der herkömmliche Melt-Besuchende jedoch nicht beeindrucken: Kurzerhand wurden in der Lagerhalle Balken, Kühlschränke, Getränkekisten und alte Rohre umfunktioniert und eine eigene Drum-Machine gebaut. Im Klartext: Während draußen der Donner abging, hämmerten an die Hundert Meltler (mindestens die Hälfte mit ordentlich Stoff und Schnaps im Organismus) auf alles ein, was nicht niet- und nagelfest war. Das Ergebnis: arhythmischer DIY-Krach, zu dem man vermutlich nur tanzen kann, wenn man anspruchslos oder zugedröhnt ist. Der Spuk war dann nach zwei Stunden vorbei – wir danken allen, die wie wir vom Trommeln absahen und nur resigniert und leidend in der Ecke saßen während sie ihre Freiheit herbeisehnten.

Was ging mit der Musik?

Dennoch gab es so manche Highlights an diesem Wochenende (wir zählen die Hobby-Drummer in der Lagerhalle jetzt mal entschieden nicht dazu): Bilderbuch feierten direkt nach dem Sturm den Einstand zurück in den Festivalmodus und ließen Gitarren schreien und beeindruckten mit kreativ-eigenwilligem Bühnenbild (was der überdimensionale Wasserhahn neben den Planeten da sollte, wissen wir bisher nicht genau), Giant Rooks lieferten schicken Indie-Sound und wirkten mal wieder rundum sympathisch und Jorja Smith ging unter die Haut. An elektronisch-sphärischer Front kidnappte uns Four Tet. Komplett weggemäht wurde man ohne Frage von Modeselektor.

Der uneingeholte Höhepunkt aber war Bon Iver: Stimmlich ergreifend das es einen erzittern ließ, mit den richtigsten Visuals, Elektro-Elementen und Akustik in perfekter Abstimmung – wäre so schon alles gewesen, was man sich wünschen könnte. Gebettet in das Szenario aus mächtigen Kränen, dunklem Stahl von Ferropolis und die Laser-Light-Show war man aber plötzlich auf einem ganz anderen Planeten, in dem es eigentlich nur uns gab: Bon Iver und alle, die ihm lauschten. Justin Vernon, der Kopf hinter Bon Iver, gab sich ungewohnt gesprächig, dankte mehrfach und gab einen kurzen aber intensiven Appell zu gegenseitiger Achtung und Anteilnahme. Kann man nicht anders sagen: Es war wunderschön.

Sonst eher so medium

An anderer Front war man dann aber eher unbeeindruckt: Das Booking des Melt war schon mal diverser. Vor allem Elektro- und Hip Hop-Acts waren eher gemäßigt ausgewählt. So wirkte es etwas, als würde man jederzeit halt auf Nummer sicher gehen wollen, statt mal was zu bieten, was neben dem Üblichen so funktioniert. Stormzy konnte dann leider auch nicht so richtig als Büßer für die Lücke von A$AP Rocky herhalten – auch wenn er jetzt nicht schlecht war.

Neuerung: Ficken?

Mit der Pornceptual, einem sexpositiven Künstlerkollektiv aus Berlin, holte man sich dann allerdings noch ordentlich Kontroverse ins Haus. Ziemlich coole Aktion, Melt! Einen eigenen Floor plus Wald dahinter mit dem klangvollen Namen "Secret Garden Of Porn" gab es für die Fetisch- und Party-Profis. Nebendran befand sich "Pantsy's Playhouse", wo Transkultur gefeiert wurde. Ob, wer und wieviele sich hier tatsächlich ihrer Lust hingaben, wissen wir nicht. Falls jemand berichten möchte: Bitte bei unserer Sexkolumnistin Julie Schmidt melden.

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Alles noch einmal zum Anschauen

Damit ihr euch das alles aber auch mal bildlich vorstellen könnt: Hier unsere Bilder des Melt-Festivals 2019.

Melt 2019
Melt 2019
Melt 2019
Melt 2019
Melt 2019
Melt 2019
Melt 2019
Melt 2019
Melt 2019
Melt 2019
Melt 2019
Melt 2019

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  • Quelle:
  • Noizz.de