Netflixs Serien-Soundtrack ist ihre Stärke.

Ihren Song „Your Love“ aus der berühmten Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ habt ihr garantiert schon mal gehört.

Wenn ein Song erst langsam an Kraft gewinnt und sich Stück für Stück aufbraust, mit einem langsamen Keyboard-Intro und dem etwas träumerischen Spleen, den Popsongs heutzutage eben haben, inne hat, dann weiß man: Dieses Stück ist gemacht für einen Soundtrack.

Das dachte sich wohl auch Season Kent, Musiksupervisorin der erfolgreichen Netflix-SerieTote Mädchen lügen nicht“, als sie den Song „Your Love“ von HAERTS hörte.

Er wählte den Song für eine emotionale Rückblende in der zweiten Staffel, in der die Beziehung zwischen Hannah Baker und Zach Dempsey Revue passiert. Für HAERTS ein Glücksgriff: Innerhalb kürzester Zeit zählte der Song über sechs Millionen Streams bei Spotify. Aber auch sonst läuft es gut: Auch für „Love, Simon“, „Carrie“ und der Serie „Pretty Little Liars“ wurden ihre Songs gesichtet.

Hinter HAERTS stecken Sängerin Nini Fabi und ihr Partner Benny Gebert am Klavier und an der Gitarre. Gegründet haben sie sich in ihrer Heimatstadt München. 2010 zog es das Duo aber in den kreativen Kessel von Brooklyn. In New York passierte dann eins nach dem anderen: 2014 veröffentlichten sie ihr selbst betiteltes Debüt.

In der neuen Wahlheimat USA kam das ganz gut an. Renommierte Musikmagazine wie Pitchfork oder Stereogum handelten sie als „Next Big Thing“. Sogar auf dem Coachella Festival durften die beiden auftreten. Danach wurde es aber erst mal ruhig für Nini und Benny. Fast vier Jahre brauchten sie, um ein neues Album zu entwickeln. Sie wollten sich freimachen von allen Zwängen. Herauskam „New Compassions“, das jetzt erschienen ist.

Beim Reeperbahn Festival haben die beiden das erste Mal seit langer Zeit die Chance gehabt wieder vor deutschen Publikum zu spielen. Wir haben sie dort zum Interview getroffen und darüber gesprochen, wie es ist nach vier Jahren Pause, endlich wieder ein Album in den Händen zu halten – und damit auch wieder in die alte Heimat zu kommen.

Das NOIZZ.de-Interview mit HAERTS

NOIZZ.de: Wie kam ihr auf euren Bandnamen? Wenn man euch googelt, vertippt man sich doch automatisch.

Nini: Wir haben gar nicht so viel darüber nachgedacht – irgendwann sind wir mal auf „Hearts“ gekommen. Das hat uns gefallen vom Klang und der Bedeutung her. Wir haben dann einfach das „a“ und das „e“ miteinander getauscht – und das hat uns ziemlich gut gefallen! Aber das ist schon echt lange her, dass wir uns dafür entschieden haben. Mittlerweile korrigiert uns die Autokorrektur vom Handy nicht mal mehr.

Was hat euch damals nach New York verschlagen?

Nini: Wir haben dort studiert, Musik in Boston. Und danach führte es uns einfach nach New York – dort leben viele Musiker, wir kannten schon einige dort.

Und ins neue Musik-Mekka L.A. hat es euch nie gezogen?

Benny: Naja nach dem Studium kam es eigentlich nicht in den Sinn. Wir kennen zwar viele Leute dort, aber wir lieben New York einfach. Die Stadt hat einfach etwas ganz Besonderes.

Nini: Für uns ist es auch ein bisschen die Stadt, die Europa gefühlt am nächsten ist. Es ist einfach eine Metropole, in der wir uns von Anfang an frei gefühlt haben. L.A. hat das einfach nicht in der Form. Es ist zu weit entfernt alles dort.  New York hat alles, nicht nur Musiker und Film-Business wie in Los Angeles.

Wie kamt ihr eigentlich dazu, Musik für die zweite Staffel „Tote Mädchen lügen nicht“ beizusteuern?

Nini: Wir haben uns wahnsinnig gefreut, Teil dieser Sendung zu sein! Für uns hat das ein neues Publikum eröffnet. Wir konnten so mehr Menschen erreichen. Wir machen die Musik ja nicht für ein bestimmtes Publikum oder eine Fernsehserie, aber wenn es so danach noch mehr Menschen hören, ist das umso cooler.

Wird man da einfach gefragt oder leiert man selber etwas an, was passiert da im Hintergrund?

Benny: Naja, es ist immer anders. Rückblickend erscheint das immer total verrückt, wie ein Schritt zum nächsten geführt hat. Bei Netflix war es jetzt so, dass wir die Musiksupervisorin kannten.

Nini: Sie arbeitet mit vielen Regisseuren zusammen und begibt sich dann eben auf die Suche nach der passenden Musik. Sie hat zum Beispiel auch die Musik für „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ mit ausgewählt.

Benny: Genau. Uns hat sie vor einiger Zeit gefragt, ob wir nicht für einen anderen Film einen Song schreiben wollen. Das haben wir auch gemacht, aber der Songs hat es leider nicht geschafft. Ein paar Monate später kam sie wieder auf uns zu, eben wegen „Your Love“. Und tja, da sind wir ...

Woher holt ihr euch die Inspiration?

Nini: Alles kann eine Inspiration sein. Und alles, was an der Oberfläche durchdringt, kann auch in einen Song einfließen. Fürs neue Album sind wir aber zum Beispiel bewusst aus der Stadt rausgegangen. Wir haben da mehr Ruhe gesucht. Das kann man auch spüren, finde ich.

Wohin seid ihr denn gegangen?

Nini: Nur zwei Stunden aus New York raus, ins Hudosn Valley. Dort ist alles grün und weit, wunderschön. Man kann im Himmel so eine Weite sehen.

Benny: Ja, wirklich wunderschön, das würde man gar nicht vermuten, dass so ein Ort so nah an der lauten Stadt existiert.

Nini: Aber wir sind auch immer wieder nach New York gefahren, man kann eben doch nicht ganz ohne. Das ist vielleicht der andere Puls auf dem Album.

Benny: Aber wir haben wirklich nicht so viel dabei gedacht. Wir schreiben einfach unsere Songs zusammen und machen das, was sich richtig anfühlt. Ich weiß, manche glauben uns das nicht direkt, aber so machen wir es wirklich!

Ihr hattet ja eine sehr lange Pause zwischen euren beiden Alben ...

Nini: Viel zu lang!

Benny: Also wir haben uns nicht treiben lassen, es ist einfach viel passiert. Bis 2015 haben wir getourt.

Nini: Wir hatten viele Veränderungen. Wir mussten ein neues Label suchen, neue Partner finden, das war quasi ein Neuanfang. Wir haben alles alleine gemacht, es waren nur noch wir zwei. Und wir wussten nur, das Einzige, was wir noch machen können und müssen, ist Musik. Es kommt 100-prozentig von uns. Und drauf sind wir wirklich stolz.

Benny: Das Nächste wird schneller kommen, versprochen!

Wie fühlt es sich an, wieder in Deutschland zu spielen?

Benny: Unsere Freunde und Bekannten fragen uns oft, „Und wie läuft es jetzt so?“ die könne sich nicht vorstellen, dass wir nach dem Musikstudium unser Geld damit verdienen können.

Nini: Ja, oder auch diese Frage „Was machst du jetzt damit?“, wenn du jemand Bekannten wieder in München triffst. In den USA ist der Musiker irgendwie so etwas Glorifiziertes – das ist ja schon fast übertrieben. In Deutschland erleben wir das genaue Gegenteil. Die Frage zu stellen ist ja auch legitim. In den USA ist es dagegen voll normal zu sagen „I am a musician“. Aber wir freuen uns wirklich, wieder hier zu sein!

Hier könnt ihr das neue Album „New Compassions“ streamen.

Quelle: Noizz.de