Das Hurricane Festival ist wie die Musikbranche – ein riesiges Pimmelfest

Silvia Silko

Pop, Kultur, Lifestyle
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Mini Wini Würstchenkette: Dieses Jahr auch auf dem Festivalsommer Foto: Charles Deluvio / Unsplash

Gleichberechtigung?! Was ist das?

Es gibt die Momente, in denen es den ungefragten Reality-Check gibt. Momente wie gestern, als eines der größten deutschen Festivals – das Hurricane – sein Line-Up dropped und zwischen Namen wie den Foo Fighter, Bilderbuch oder Papa Roach keine einzige weibliche Künstlerin zu finden ist. Dann merkt man und vor allem frau mal wieder, wie es wirklich steht um die Gleichberechtigung und die Emanzipation. Dann erinnert man sich wieder, dass das mit der Gleichberechtigung immer noch eine "nette" Idee ist, aber häufig auch nicht mehr. Dass immer noch zu wenig passiert ist und Frauen immer noch offen diskriminiert werden. Oder wie genau ist das Line-Up des Hurricane zu verstehen?

"Keiner würde Tickets für weibliche Künstlerinnen kaufen!"

Vonseiten unterschiedlicher Festivalbetreiber wurde in der Vergangenheit gerne argumentiert, dass es nun mal die männlichen Bands sind, die für klingelnde Ticketkassen sorgen. Man muss ja auch an seine Mitarbeitenden und das Geld denken. Da braucht man halt große Namen und diese sind nun mal männlich. Der Horizont einer solchen Argumentation ist denkbar niedrig: Es gibt genügend große, weibliche Namen, die man buchen könnte – MANN will nur einfach nicht. MANN glaubt immer noch, dass nur Menschen mit Penis für ein erfolgreiches Festival sorgen können und dass der Rock'n'Roll immer noch Testosteron versprühen muss, um cool zu sein. Künstlerinnen wie Courtney Barnett, Florence and The Machine, Lana Del Ray, Lorde oder Robyn können jetzt nur müde gähnen.

"Männer sind nun mal die besseren Musiker"

Ob man es nun glaubt oder nicht, aber auch das ist ein gerne genutztes Argument für das hauptsächlich männlich dominierte Musikbusiness. Gerne wird hier noch hinzugefügt, dass dies ja auch in Zahlen abzulesen sei. Ist es auch! Es gibt mehr erfolgreiche männliche Künstler als weibliche. Wer diese Tatsache aber nicht hinterfragt, möchte entweder wirklich gerne an unbegründete Pimmelherrlichkeit glauben oder denkt nur von zwölf bis Mittag. Jede Branche und jeder Traumjob hat immer auch was mit Vorbildern und Möglichkeiten zu tun. Frauen in der Musikbranche waren traditionell immer als Fans oder Sekretärinnen zugelassen. Die großen Posen auf der Bühne kamen von Männern, die großen Label wurden und werden von Männern geleitet, die Booker großer Venues sind immer Männer, hinter der Bühne arbeiten Männer, alles Männer, die andere Männer fördern – Frauen müssen sich seit Jahrzehnten ihren Platz in dieser Branche zäh und hart erkämpfen. Und der Kampf wird hart bleiben, so lange es wie beim Hurricane nur Männer gibt, die ignorant genug sind im Jahre 2018 ein Line-Up zu veröffentlichen, dass komplett frauenlos ist und glauben, hier einen guten Job gemacht zu haben!

Seid ihr scheiße oder habt ihr einfach nur Angst?

Es wird sich nicht so schnell etwas ändern, nicht so lange die Würstchenveranstalter wie etwa bei FKP Scorpio dem weißen Mann weiterhin seine dringend benötigten, großen Bühnen bauen. Man fragt sich, warum wir 2018, nach feministischen Aufständen und metoo-Debatten nicht schon weiter sind. Hat der weiße, europäische Mann eine solche Angst vor coolen, weiblichen Musikerinnen? Künstlerinnen wie Linda Perry und mit ihr die PRS Foundation arbeiten mit Hochdruck daran, dass sich etwas ändert, dass Frauen in der Kulturbranche keine Seltenheit mehr sind und das Männer und Frauen gleichberechtigt nebeneinander arbeiten. Festivals wie das Reeperbahn Festival steigen ins Abkommen ein, die Frauenquote zu erhöhen. Es tut sich also etwas, wenn auch sehr langsam. Hej, FKP Scorpio: Macht mal eure Hausaufgaben und erweitert euren Horizont. Wird echt mal Zeit!

Quelle: Noizz.de

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