Der isländische Singer-Songwriter liebt Musik und seine Familie. Er lebt also gerade in idealen Zeiten, denn in der Quarantäne konnte er seine catchy Pop-Songs bestens mit Quality-Time mit seiner Familie in der Wahlheimat Berlin verbinden. Wir haben Daði mit ein paar Fragen gelöchert, damit ihr nun mehr über ihn wissen könnt.

Island ist ein Phänomen in der Popwelt. Die Vulkaninsel mit gerade einmal 364.134 Einwohner schafft es immer wieder aufs Neue, spannende Künstler*innen in unseren Orbit zu katapultieren: Björk, Sigúr Ros, Ólafur Arnalds, Emiliana Torrini, Of Monsters and Men, das feministische Rapkollektiv Daughters of Reykjavík oder Newcomerin Sigrid – die isländische Musikszene ist so vielfältig wie kaum eine andere.

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In diese Reihe kann sich auch Newcomer Daði Freyr einreihen. Obwohl so ein richtiger Newcomer ist der jetzt auch nicht. Bereits 2012 gründete er die Indie-Electroband RetRoBot und spätestens da stand für ihn endgültig fest: Musik ist für ihn alles. "Die Musik ist einfach ein riesiger Teil meines Lebens – und ich glaube, das wird immer so bleiben", verrät er im Interview. Auch deswegen zog es ihn 2014 nach Berlin, wo er Musikproduktion studierte.

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Seine Vorliebe für eklektische, teils experimentell absurde Popsongs in Perfektion kommt nicht von ungefähr: Daði ist ein riesiger Fan des Eurovisionsongcontests (ESC). Sein Ziel: irgendwann auch einmal auf dieser europäischen Bühne stehen. 2017 stand er kurz davor: Mit dem Electro-Pop-Song "Is This Love" belegte er den zweiten Platz beim isländischen Vorentscheid. Knapp daneben ist aber eben auch vorbei. Drei Jahre später wagte er also einen neuen Versuch.

Wenn Russel Crowe und Jan Böhmermann deinen Song zu einem viralen Hit machen

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Diesmal im Rennen: Der Ohrwurm "Think About Things" und der avancierte schnell zum Publikumsliebling. Nicht nur, dass er den isländischen Vorentscheid gewinnen konnte und somit das Ticket für den ESC in Rotterdam sicher hatte, das lustige DIY-Video zum Song ging viral. Unter anderem auch weil Schauspieler Russel Crowe oder Moderator Jan Böhmermann den Song teilten.

Vielleicht ist der Song bis dato aber auch Daðis größter Hit, weil er darin all das verbindet, was ihm wichtig ist: In den Lyrics verarbeitet er die verrückten Eindrücke und Gedanken, die man hat, wenn man gerade erst jung Vater geworden ist und welche Veränderungen das alles mit sich zieht. Begleitet wird er dabei von der Gruppe Gagnamagnið, in der nicht nur seine Frau Árný Fjóla Ásmundsdóttir singt, sondern auch seine Schwestern mit dabei sind. Ein echtes Familienprojekt also.

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Doch dann kam Corona

Das mit dem ESC 2020 in Rotterdam wurde dann eben doch nichts. Konnte auch niemand ahnen, dass ein ominöses, neuartiges Coronvirus Daðis Träumen einen Strich durch die Rechnung macht. Er hatte eigentlich nämlich ziemlich gute Karten, das Ding zu gewinnen: Bei den Buchmachern galt er als Topfavorit. Allerdings bedeutet das für den 27-Jährigen keinesfalls Stillstand: "Ich war ziemlich busy, aber auf eine gute Art und Weise." Statt am Finalabend am 16. Mai in Rotterdam auf der Bühne zu stehen, performte er in der menschenleeren Hamburger Elbphilharmonie seinen Song.

Durch die Welle, die der Song für ihn als Künstler losgetreten hat, wollte er so viel wie möglich daraus schöpfen. Daher fühlte er sich gar nicht so isoliert in den ersten Monaten der Coronaquarantäne. "Meine Lieblingsorte waren wirklich mein Studio und die Kaffeemaschine – eben die Orte, wo die echte Magie passiert", scherzt er. Für ihn standen jede Menge kreative Projekte auf der To-do-Liste: "Wir haben zum Beispiel eine App kreiert, mit der man sein Gesicht verpixeln kann, haben zwei neue Songs herausgebracht und sogar einen eigenen Instagramfilter bekommen“, erzählt er.

Kaffeemaschinen-Liebe

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Trotzdem ist der ganze Ruhm noch ziemlich ungewohnt für ihn: "Ich habe noch nie so viele Interviews gegeben und musste mich um so vieles gleichzeitig kümmern. Ich versuche, mich zu fokussieren und nicht in der Welle unterzugehen." Dabei helfen ihm auch seine Freunde sowie sein familiäres Umfeld. Während der Coronakrise haben sie viele Videoanrufe getätigt und so versucht, ständig in Kontakt zu bleiben. "Manchmal haben wir sogar virtuelle Partys veranstaltet und haben Games gezockt“, sagt er.

Wie wichtig ihm dieser Rückhalt gerade in dieser Zeit ist, hat er auch in seiner neuen Single "Where We Wanna Be" festgehalten – und seiner Frau und Tochter ganz nebenbei eine waschechte Liebeserklärung geschrieben. Da singt er dann: "I couldn't do this with anybody else – I only wanna do it with you" – und das wirkt noch nicht mal kitschig.

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Wenn du die zwei wichtigsten Dinge in deinem Leben verbinden kannst

Auch deswegen ist Daði bisher vielleicht ganz gut durch die Krise gekommen: Weil sie zwei Sachen zusammengeführt hat, die ihm eben einfach extrem wichtig sind. Er mag es zuhause zu sein, denn da könne er eh am besten kreativ sein. Anderes fiel ihm dann aber doch sehr schwer: "Das Schwierigste war wirklich, dass ich meine Freunde so lange nicht sehen konnte. Ich habe zum ersten Mal realisiert, dass ich doch eine ziemlich soziale Person bin. Ich dachte vorher immer, ich wäre megaintrovertiert."

In dieser Zeit sei ihm auch klar geworden, wie wichtig es sei, dass wir uns alle untereinander unterstützen müssen. Wenn er einen Wunsch hätte, was wir alle aus dieser Krise mitnehmen können, dann sei das, dass wir vielleicht öfter denken: "Hey, sei diesmal kein Arschloch!“ Der Feelgood-Vibe dieser Aussage schimmert auch in jedem seiner Songs durch, egal ob er auf Isländisch singt (wovon ich kein Wort verstehe, es fühlt sich trotzdem gut gelaunt an) oder auf Englisch.

Im Studio

"Für mich sind all meine Songs DIY-Projekte", so beschreibt Daði sein künstlerisches Schaffen. Allerdings sei es ihm jetzt gerade etwas schwerer gefallen als sonst, sich in etwas Neues zu stürzen – stattdessen habe er eher an Videos gearbeitet. "Aber was beschwere ich mich, meine Arbeit ist das, was ich liebe", fügt er hinzu.

Auch sein Draht zur Musik habe sich ein bisschen gewandelt. Eigentlich entdecke er neue Musik und Künstler*innen vor allem dann, wenn er alleine unterwegs ist, mit dem Zug durch die Gegend fährt und dann in Ruhe mit den Kopfhörern neue Songs nur für sich hören kann. "Das ist ja jetzt eher selten gewesen", sagt er. Auf Podcasts und Hörbücher steht Daði hingegen eher weniger: "Wirklich, ich höre nur Musik. Nichts anderes." Tja, Daði ist eben total Team Musik – und können hoffentlich bald noch mehr seiner perfektionistischen Ohrwürmer lauschen.

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Hört hier die 10 Songs, die Daði Freyr gerade rauf und runter hört:

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Nicht nur Daðis Musik versprüht viel Lebensenergie, auch die Musik die sich der Isländer privat anhört klingt wie der Soundtrack zu einem Feelgood-Movie – und nebenbei entdeckt man auch noch ein bisschen mehr von der isländische Musikszene mit Artists wie Sigrid und Moses Hightower.

Quelle: Noizz.de