Die Musikerin verwandelt Schmerz in Kunst.

Ob sich Karma viele unlustige Wortspiele anhören muss, bei dem Namen? Ehrlich gesagt: keine Ahnung. Aber selbst wenn: Vermutlich würde die 17-Jährige kurz lächeln und es nicht allzu ernst nehmen.

"Gutes Karma" bedeutet Ausgeglichenheit, Balance und den Grundsatz, dass Gutes zu einem kommt, wenn man es in die Welt hinausschickt. Passt zu Karma – immerhin sitzt sie einem ganz entspannt gegenüber. Gutes sendet sie sowieso schon in die Welt: ihre Musik.

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Seit zwei Jahren schreibt sie ihre eigenen Kompositionen. Kleine Melodien und hübsche Songs, die einerseits zerbrechlich und leise klingen, dann aber ziemlich prägnant auf den Punkt bringen, wie Karma sich und ihre Welt so sieht. In "UFO" etwa fasst die Luxemburgerin ihren Umgang mit dem Traurigsein sehr eindeutig zusammen: "I take my pen to turn my tears into art."

Generell macht Karma am liebsten neue Musik, wenn sie traurig ist, wenn sie etwas beschäftigt, die eigene Welt vielleicht ein bisschen trüb ist. Dann schreibt sie ihre Gedichte und findet auf der Gitarre die richtigen Töne zu ihren Worten. "Das tut richtig gut, wenn ich in Situationen Musik schreibe, in denen ich mich nicht so gut fühle", sagt sie.

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Die Musik kam zu Karma fast schon zufällig. Als Kind bekam sie an der Musikschule Geigenunterricht – leider eher medium erfolgreich. "Ich war zu untalentiert und hatte keine Geduld", sagt sie und lacht. Gitarrespielen brachte sie sich als Teenie dann selbst bei, und als sie keinen Sommerjob fand, um ihr Taschengeld aufzubessern, stellte sie sich kurzerhand in die Luxemburger Fußgängerzone und sang Cover. Ihren ersten eigenen Song schrieb sie für ihren kleinen Bruder. "Er wurde 10 Jahre alt, und ich hatte kein Geschenk. Also habe ich ihm einen Song geschrieben."

Karma hat gute Laune. Foto: Silvia Silko / Noizz.de

Obwohl Karma erst zwei Jahre so wirklich am Start ist, ist sie in der Luxemburger Musikszene schon gut vernetzt. Ist ja auch nicht so groß, man kennt sich hier. Als sie etwa anfangs noch keine Konzertgitarre hatte, lieh sie sich eine von einem befreundeten Musiker. Als junge Frau ist sie allerdings eine ziemliche Einzelkämpferin: Immer noch sind es meistens Männer, die die Branche besetzen.

"Ich habe letztens versucht, eine Band zusammenzustellen – und keine Musikerinnen gefunden. Es gibt hier einfach nicht genug Schlagzeugerinnen oder Bassistinnen. Das muss sich echt ändern", findet Karma. Und geht mit ihrer Musik ja quasi mit bestem Beispiel voran.

Melancholie und Einfachheit – diese Schlagworte würde Karma ihrer eigenen Musik auch zuordnen. Ihre erste EP nannte sie "Yellow" weil sie die Farbe halt sehr mag. Auf der Platte finden sich vier Songs, die sich mit der gesamten Gefühlspalette um Liebe, Hoffnung, Enttäuschung und Verlust beschäftigen – und das erstaunlich ehrlich und unmittelbar. Halt typisch C'est Karma.

Kommt insgesamt auch gut an, das Ganze: Karma spielt ganzjährig immer mal auf den Bühnen ihrer Heimatstadt und drumherum und stand schon als Vor-Act von Bands wie Milky Chance und Fenne Lilly am Mikro. Wir wissen ja nicht, was ihr mit 17 Jahren so gemacht habt – aber unser Output war damals jetzt noch nicht so hoch. Nebenbei rockt Karma nämlich auch noch die Schule und macht in knapp zwei Jahren ihr Abi. Stressig? "Ach, das geht schon. Hausaufgaben im Zug zum Auftritt machen oder so, das ist kein Problem." Karma lächelt und zuckt die Achseln.

In den nächsten Wochen wird sie dafür ziemlich viel Zeit haben – sie unterstützt im Oktober 2019 die Tour der Band Carnival Youth. Diese reist im Tour-Van und Karma im Zug hinterher. Hausaufgaben machen, Lektüre lesen oder Vokabeln pauken – dürfte nach dieser kleinen Tour alles erledigt sein. Wer C'est Karma und Carnival Youth ansehen möchte bekommt hiermit von uns nicht nur die dringende Empfehlung sondern auch die Tourdaten:

14.10. Hamburg, Molotow

15.10. Berlin, Kantina am Berghain

16.10. Dresden, Ostpol

18.10. Düsseldorf, Hotel Friends

19.10. Freiburg, The Great Räng Teng Teng

20.10. Stuttgart, White Noise

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Quelle: NOIZZ-Redaktion