Das Musikvideo ist lustig, aber ...

Die deutsche Comedy-Queen Carolin Kebekus polarisiert ja ohnehin: Die einen finden sie superlustig, die anderen überzogen und doof. Aber so ist das nunmal mit Humor.

Was man Kebekus lassen muss: Sie trifft immer den Nerv der Zeit, kombiniert aktuelle Musik mit aktuellen gesellschaftlichen und politischen Debatten – und trifft dabei oft ins Schwarze.

Unvergessen ist ihr blasphemischer Kirchen-Rap „Dunk den Herrn!“ (2013), den der WDR sich weigerte, auszustrahlen ...

... und ihre Parodie von Bibis erstem Song „How it is“ – den manche von uns schlimm, manche gar nicht mal so schlecht fanden.

Jetzt kehrt Kebekus aufs politische Parkett zurück und knöpft sich Ex-AfD-Chefin Frauke Petry vor. Diese hatte zuletzt damit Schlagzeilen gemacht, sich zuerst in den Bundestag wählen zu lassen, um dann kurz darauf aus der AfD auszutreten. Außerdem sieht alles danach aus, dass sie eine eigene Partei gründet: „Die Blauen“ (NOIZZ berichtete).

Kebekus macht das natürlich grundsätzlich gut. Sie hat sich – nicht zum ersten Mal – als Petry zurecht gemacht und sich einen eingängigen Song ausgesucht, auf dem sie ihre Persiflage ausbreitet: Adel Tawils Hit „Ist da jemand“.

Frauke Petry-Kebekus tut so, als würde sie durch Sachsen laufen, und gibt von Anfang an Gas: Sie schüttelt Neonazis die Hand und lässt sich von Klischee-Ossis rumschubsen – AfD-Mitglieder oder -Anhänger, die sie nach ihrem Parteiaustritt behandeln „wie einen Moslem“. Im Refrain trägt zuerst Petry auf einem Wahlplakat ein Hitlerbärtchen, dann Petry-Kebekus in echt. Am Schluss leckt sie CSU-Chef Horst Seehofer ab – auf dem Cover einer Wochenzeitung.

Im Refrain des gut gedichteten Texts singt sie „Ist da jemand, der meinen Hass versteht / und der mit mir bis zum Endsieg geht“ und „Ist da jemand, der mir meine Lügen abnimmt / und die Flüchtlinge nachhause bringt, ruft da jemand für mich ,Petry Heil!‘“. Am Ende skandiert sie „Ich such mir andere Blöde für meine Partei ... Jemand ... der mich zum Führer kürt.“

Die Botschaft: Frauke Petry und Adolf Hitler gehen miteinander ins Bett.

Vielleicht stimmt das sogar – das ist eine andere Frage. Aber die Behauptung ist dumm.

Denn erstens haben sowohl die US-Wahlen als auch die Bundestagswahl gezeigt, dass die ständige Dämonisierung der Rechten diese erst groß beziehungsweise zumindest größer gemacht hat. Denn Trump ist nicht Hitler und die AfD sind nicht die Nazis – auch wenn sie rechte Standpunkte vertreten und nicht wenige Parteimitglieder Nazis sind.

(Übrigens empfehlen auch Per Leo, Maximilian Steinbeis und Daniel-Pascal Zorn in ihrem viel beachteten Buch „Mit Rechten reden“, Rechte nicht pauschal als Nazis zu bezeichnen – wenn man mit ihnen im Gespräch bleiben möchte.)

Zweitens haben nicht nur Nazis die AfD gewählt, sondern zum Beispiel auch Protestwähler. (Die Sache ist also leider viel komplizierter.) Diese gewinnt man nicht zurück, indem man sie quasi als Nazis beschimpft. Dadurch bewirkt man eher das Gegenteil.

Ich will weder Trump oder Petry noch die AfD, Die Blauen, die Identitären und wie sie alle heißen verharmlosen. Sie alle kämpfen für eine Welt, die die Mehrheit der Deutschen sich (zum Glück) nicht wünscht. Ich befürchte nur, dass wir mit dumpfen Nazi-Vergleichen nicht weiterkommen.

Natürlich muss Comedy immer zuspitzen, Oberflächlichkeiten und Klischees bedienen. Aber trotzdem macht Carolin Kebekus es sich in ihrem neuen Video viel zu einfach: Frauke Hitler. Hahaha. Lustig. Kennen wir aber schon. Und die 12,6 Prozent der AfD bei der Bundestagswahl haben deutlich gemacht: Es ist Zeit für andere Witze.

Übrigens: Wir waren mal undercover auf einem AfD-Stammtisch. Das war tatsächlich ziemlich lustig!

Quelle: Noizz.de