"Der Mensch hat auf jeden Fall keinen Respekt vor der Natur."

Menschenmassen, Trommeln, Plakate: Am vergangenen Freitag gingen Millionen Menschen weltweit auf die Straßen – gegen den Klimawandel und für eine nachhaltigere Zukunft. Initiiert wurde die Bewegung schon vor Monaten. Durch Teenie Greta Thunberg, die mit ihren "Fridays for Future"-Demos eine ganze Generation in die Öko-Awareness rüttelte. Alleine in Deutschland zeigten 1,4 Millionen der Politik und allen Umweltsündern am Freitag den Mittelfinger, indem sie protestierten.

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Apropos Mittelfinger: Was macht derweil eigentlich Rap-Deutschland? Haben Capi und Co. den Ernst der Lage ebenfalls begriffen? Und wenn ja, was tun sie für den Klimaschutz? Schließlich passen Konsum-Prahlerei, fette co2-Schleudern und Luxuslifestyle nicht gerade in den aktuellen Nachhaltigkeits-Hype. Wir haben bei ein paar Vertretern des deutschen Hip-Hop nachgefragt.

Kontra K verzichtet weitestgehend auf Plastik

Fans von Kontra K wissen Bescheid: Der Berliner Rapper engagiert sich mit Leidenschaft im Tierschutz. Genauer gesagt: für den Schutz von Wildtieren. In Wasserberg gründete der "Letzte Träne"-Interpret sogar eine Auffangstation für Panther-Babys und Nebelparder. Im Interview mit "n-tv" sagte der 31-Jährige kürzlich: "Ich hab' Geld und will damit was Gutes tun."

Und wie sieht es sonst in Sachen Umwelt und Nachhaltigkeit aus? NOIZZ erzählt Kontra: "Abgesehen davon, dass ich schuldig bin noch das Flugzeug zu benutzen und ein großes Auto zu besitzen, um meine große Familie von A nach B zu fahren, versuche ich weitestgehend auf Plastikmüll zu verzichten." Außerdem sei ihm vor allem eines wichtig: "Nur Fleisch aus kleiner, regionaler Haltung essen. Denn die Rodung für diese Massentierhaltung ist, denke ich, einer der größten Punkte." Vom absoluten Jogi-Modus sei er trotzdem sicherlich noch weit entfernt. "Aber ich bemühe mich."

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Capital Bra findet, es fehlt an Respekt gegenüber der Natur

Gegenüber NOIZZ appelliert Capital Bra jetzt: "Der Mensch hat auf jeden Fall keinen Respekt vor der Natur." Wie Greta und viele andere Umweltaktivisten, ist auch der 24-Jährige verzweifelt: "Wie kann man das ändern? So viele Hurensöhne auf einmal kann man doch nicht ändern?" Und Capis persönlicher Beitrag zum Klimaschutz? In Sachen Spenden wäre er immer dabei.

Bei Juicy Gay mangelt es oft an Motivation

So geht es sicher vielen: Rapper Juicy Gay sagt, er würde noch viel zu wenig tut im Gegensatz zu dem, was er sich immer vornehmen würde. "Leider."

Er versucht trotzdem, immer weniger mit dem Auto zu fahren und dafür öfter die Bahn zu nehmen. Das Problem aus seiner Sicht: "Ist oft schwierig – leider –, weil die Bahnpreise ziemlich hoch sind. Flüge, vor allem Inlandsflüge, möchte ich komplett vermeiden." Außerdem will Juicy immer weniger Fleisch essen, kürzer duschen, den Müll richtig trennen. Er bleibt ehrlich: "Klappt alles mehr schlecht als recht, weil es oft an meiner Motivation und Faulheit endet, aber das Bewusstsein ist da und der Wille auch, es Schritt für Schritt besser zu machen."

Die Awareness ist aber definitiv da: "Auslöser für mich sind natürlich die Umstände, in denen wir leben und die absolut sichtbare Änderung des Klimas, was für uns alle ein Weckruf sein sollte. Jeder sollte sich bewusst werden, dass genau JETZT die Zeit ist, sich zu ändern und etwas für das Klima zu tun."

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MC Smook hat seine "grüne" Erziehung nie seriös befolgt, aber ...

... neuerdings achtet MC Smook darauf, weniger Plastik zu verbrauchen. Tatsächlich ist der "Wasser ohne Sprudel"-Interpret nach eigener Aussage "relativ grün" aufgewachsen, war so also immer in Berührung mit dem Thema Nachhaltigkeit. Und trotzdem: "Ich habe es nie wirklich seriös befolgt. Das geht eigentlich bis heute so, dass ich mir denke, dass bei mir persönlich noch ordentlich Luft nach oben ist."

Den neuen Hype und die Bereitschaft rund um den Klimaschutz verfolgt der Nordrhein-Westfale aber mit großem Interesse. "Endlich hat er es in den Mainstream geschafft." Und was haben Greta Thunberg und die Mainstream-Medien bei MC Smook außer einem geringeren Plastikverbrauch bewirkt? Das Auto lässt er zum Beispiel stehen: "Wollte ich sowieso erst, wenn es dringend notwendig wird, beispielsweise wenn man Babys hat – irgendwann in der Zukunft. Inlandsflüge fand ich eh immer unnötig, da ist mir Bahnfahren deutlich angenehmer. Gibt aber bestimmt noch tausend Beispiele, wo ich mich ziemlich schädigend gegenüber der Umwelt verhalte und es nicht mal bemerke."

Frank Hemd bezeichnet sich als rücksichtsvollen Egoisten

Ex-VBT-Battler Frank Hemd macht für den Klimaschutz laut eigener Aussage nichts Besonderes, dafür aber von allem ein bisschen – und liefert uns damit eigentlich die perfekte Step-by-Step-Anleitung für den gemeinen Nachhaltigkeits-Einsteiger: "Wenig Müll produzieren, kein Fleisch essen und kaum Milchprodukte, Zug nehmen, auch, wenn Fliegen deutlich günstiger wäre, mit Leuten drüber reden, dass die Welt kaputt geht, nur dann Klamotten kaufen, wenn ich sie wirklich haben will und brauche. Schuhe so lange tragen, bis echt nix mehr geht. Immer, wenn's geht, im Bio-Laden einkaufen. Außerdem: Im Freundes- und Bekanntenkreis humorvoll shamen, wenn jemand da überhaupt nicht drauf achtet." 

Hemd bleibt selbstkritisch: Er tue das alles nur, weil es ihm recht leicht fallen würde diese Kompromisse zu machen. "Auf der anderen Seite benutze ich zum Beispiel jeden Tag Zahnseide, Q-Tips und Interdental-Bürsten, produziere damit richtig viel Müll, aber will da einfach nicht drauf verzichten. Wenn meine Freundin nach London zieht, werde ich auch fliegen, so schlimm das für die Umwelt auch ist. Im Zweifelsfall mache ich das, was ich wirklich machen will. Würde sagen, ich bin ein rücksichtsvoller Egoist."

"Ich finde aber wichtig, dass man immer abwägt und sich der ökologischen Konsequenzen bewusst ist. Dann kann man entscheiden, wo man für die Welt und wo für sich selber ist."

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Quelle: Noizz.de