Der Rapper verlor vor Gericht – sein Album "Sonny Black" bleibt auf dem Index.

Dass ein Richter des Bundesverwaltungsgerichts von "Nutten" und "Bitches" spricht, passiert nun wirklich nicht jeden Tag. Im Leipziger Bundesverwaltungsgericht saß dem Richter niemand anderes als Bushido gegenüber. Es geht um sein umstrittenes Album "Sonny Black" und ob es wirklich als jugendgefährdet eingestuft werden sollte. Vor Gericht schweigt Bushido und lässt lieber seine Anwälte reden.

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Sein streitwürdiges Album "Sonny Black" erschien bereits 2015 und wurde von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) als als jugendgefährdend eingestuft. Ob das rechtens ist, stand nun in der Verhandlung auf dem Prüfstand. Das Bundesverwaltungsgericht stimmt zu: "Die hemmungslose Gewaltdarstellung zieht sich durch die Titel", erklärt der Richter Thomas Heitz. Frauen und Homosexuelle würden durch "vulgäre Sprache" herabgewürdigt.

Es sei schwierig mit der Rapper-Sprache in einer "komplett anderen Abteilung auf Verständnis zu stoßen", sagt Bushido nach der Verhandlung. Er sei "abgeschmiert auf ganzer Linie", allerdings habe er sich auch keine großen Hoffnungen gemacht. Er wolle künftig weniger Gründe für Indizierungen liefern, sagt Bushido. "Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass ich nicht frauen- und schwulenfeindlich bin", so der Gangster-Rapper.

Aber was war passiert?

Seit 2015 darf sein Album "Sonny Black“ nicht an Kinder und Jugendliche verkauft werden. Damals landete es auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Die Behörde befand, die Titel verherrlichten Gewalt und einen kriminellen Lebensstil, diffamierten Frauen und Homosexuelle. Der Berliner Rapper klagte gegen den Listeneintrag, das Verwaltungsgericht Köln wies die Klage ab. Im Berufungsverfahren entschied das Oberverwaltungsgericht Münster für Bushido. Daraufhin reichte die Bundesprüfstelle Revision ein.

Die Richter des Bundesverwaltungsgerichts beschäftigen sich nun mit den Fragen, ob die an der Platte beteiligten Künstler hätten angehört werden müssen. Auch die wegen Antisemitismus-Vorwürfen in die Schlagzeilen geratenen Rapper Kollegah und Farid Bang waren daran beteiligt. Und dann geht es auch noch darum, ob die Indizierung von Trägermedien, also von gesamten CDs, Filmen und Büchern, überhaupt noch zeitgemäß ist.

"Schon in den 1980er Jahren hat die Indizierung nicht funktioniert, heute, im digitalen Zeitalter, ist das ein Witz", sagt etwa Marc Urlen vom Deutschen Jugendinstit. Statt vorzugeben, was für Kinder und Jugendliche geeignet ist, fordert er mehr Medienkompetenz. "Kinder und Jugendliche müssen von klein auf lernen, mit Angeboten der Medien kritisch umzugehen", so Urlen. Dazu gehöre auch, zu hinterfragen, welches Anliegen Bushido mit seinem Album verfolgt, welchen Nutzen der Rapper aus einer Skandalisierung zieht. "Wenn die Bundesprüfstelle ein Medium auf den Index setzt, erhält dieses viel mehr Aufmerksamkeit", sagt Urlen.

Durch eine Tabuisierung werde ein Datenträger für die jugendliche Zielgruppe erst recht interessant.

Bushidos Anwalt Mirko Lenz spricht sich in der Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht für die Indizierung einzelner Titel anstelle ganzer Alben aus. Die Zeit von Kassette und CD sei vorbei, im Internet sei das Verhalten der Hörer ein anderes. "Tatsächlich ist es so, dass die großen Streamingdienste wie Amazon und Spotify die Indizierung beachten", entgegnet Frank Hölscher, der die Bundesprüfstelle vor Gericht vertritt.

Er räumt aber ein, dass das Internet den Jugendschutz erheblich erschwere. Liegen kritische Filme oder Songs etwa auf ausländischen Servern, ist der Handlungsspielraum deutscher Behörden begrenzt. Hinzu kommt, dass die gesetzlichen Zuständigkeiten unterschiedliche sind, je nachdem ob ein Medium digital oder "physisch" ist. So regelt bei Telemedien, das sind nach dem Gesetz alle digitalen Veröffentlichungen, also auch Streams und Co., der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag der Länder das Vorgehen nach der Indizierung durch die Bundesprüfstelle. Bei Computerspielen, Büchern, Filmen und CDs gilt das Jugendschutzgesetz.

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Die Indizierung von Trägermedien wird veröffentlicht, für jugendgefährdend befundene digitale Inhalte werden nicht bekannt gemacht. Indizierte Medien dürfen nicht an Kinder und Jugendliche verbreitet werden, außerdem darf nicht für sie geworben werden. Im Vorjahr schloss die Bundesprüfstelle insgesamt 790 Verfahren ab, in 333 Fällen handelte es sich nach Meinung der entscheidenden Gremien um Pornografie.

[Text: dpa /sw/Theresa Held]

Quelle: Noizz.de