Kaum holt Rapper Bushido Luft und schildert die ersten Fetzen seiner Geschichte, kommt es im Prozess gegen den Abou-Chaker-Clan zu Spannungen – mit seinem alten Label Aggro Berlin. Diese teilen seine Darstellung der Vergangenheit anscheinend nicht und hauen prompt eine Abmahnung inklusive Unterlassungsschreiben raus.

Der Prozess zwischen Rapper Bushido und dem Abou-Chaker-Clan ist das deutsche Pendant zum US-amerikanischen Rapper 6ix9ine und den Nine Trey Gangsters. Beide verschafften ihrer Karriere Sprünge mithilfe krimineller Gangs, beide machten Millionen und landeten schließlich verfeindet vor Gericht.

Vergangenen Montag äußerte sich Rapper, Nebenkläger und wichtigster Zeuge Bushido zum ersten Mal im laufenden Prozess gegen Arafat Abou-Chaker und seine Brüder. Obwohl er bislang "nur" seine musikalische Vergangenheit erwähnte, gibt es bereits Tumulte, eine Abmahnung, ein Unterlassungsschreiben und deutliche Meinungsverschiedenheiten – mit seinem alten Label Aggro Berlin.

Von Macheten und erzwungenen Unterschriften.

Aggro Berlin gegen Bushido – droht weiterer Rechtsstreit?

Nach Version des bürgerlichen Anis Mohamed Youssef Ferchichi verließ er sein altes Label Aggro Berlin 2003, da seine Labelchefs eine Zahlung in Höhe von 400.000 Euro sowie Anteile an vier kommenden Alben von ihm haben wollten. Außerdem gab es Unstimmigkeiten um die Masterrechte seines damaligen Albums "King of Kingz". Beide Parteien schalteten infolge ihre Anwälte ein und trennten sich schließlich – unter Hilfe von Arafat Abou-Chaker, einigen seiner Freunden, einer Machete und unfreiwilligen Unterschriften zur Vertragsauflösung. Heißt es.

Die Story ist nicht bestätigt und wird wohl in den kommenden Wochen juristisch aufgearbeitet. Fakt ist, dass die Aggro-Gründer Jens Ihlenfeldt ("Spaiche"), Eric Remberg ("Specter") und Halil Efe nun eine Unterlassungserklärung von Bushido fordern, seine Aussagen bezüglich der 400.000 Euro, der Masterrechte und Anteile an den damals zukünftigen Alben nicht zu wiederholen – alles sei gelogen und führe zu Ruf- und Geschäftsschädigung des Labels, wie dem "Spiegel" vorliegt.

Abou-Chaker bislang ohne Wortbeitrag im kleinteiligen Prozess

Bushido ist in dem Verfahren um versuchte schwere räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung, gefährliche Körperverletzung, Nötigung, Beleidigung und Untreue Nebenkläger. Der Rapper und der 44-jährige Arafat Abou-Chaker, Chef einer bekannten arabischstämmigen Großfamilie, waren über Jahre hinweg Partner im Musikgeschäft. Laut Anklage sei es zu Straftaten gekommen, nachdem Bushido 2017 die Geschäftsbeziehungen aufgelöst habe.

Arafat Abou-Chaker habe dies nicht akzeptieren wollen und von Bushido eine Millionen-Zahlung sowie die Beteiligung an dessen Musikgeschäften für 15 Jahre gefordert.

Der Rapper sei im Dezember 2017 und im Januar 2018 bedroht, beschimpft eingesperrt und mit einer Wasserflasche sowie einem Stuhl attackiert worden. Die Brüder im Alter von 39, 42 und 49 sind als Gehilfen oder Mittäter angeklagt. Die Männer haben zu den Vorwürfen bislang geschwiegen.

Heute Morgen ging der Prozess weiter und Bushido äußerte sich vermutlich erneut als Zeuge.

[Text zusammen mit: dpa]

Quelle: Noizz.de