Bushido erzählt in „Mephisto“ vom Pakt mit seinem Teufel Arafat Abou-Chaker

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Aber sagt er wirklich irgendwas?

Es hat gebrodelt in der Hexenküche. Seit Bushido vor sechs Monaten seine Trennung von Arafat Abou-Chaker bekannt gegeben hat, tanzen Gerüchte, gegenseitige Drohgebärden und die aufgewühlten Emotionen von Bushidos Ehefrau Anna-Maria Ferchichi Hand in Hand ums Höllenfeuer. Unsere Einblicke in das bisherige Drama könnt ihr hier nachholen.

Nun also Bushidos angekündigte Abrechnung mit Arafat in Reimform: „Mephisto“. 200 Takte Realtalk über das unliebsame Verhältnis, aus dem sich das Ersguterjunge-Oberhaupt endlich lösen konnte. In altehrwürdiger Deutschrap-Manier darf ein solches Epos nicht an Spielzeit geizen. Zehn Minuten! Bushido gönnt ... und erzählt die alte Fabel vom naiven Jungen, der in seiner misslichen Lage einen Pakt mit dem Teufel eingeht.

Bushido glänzt in der Hauptrolle, wie es Timm Thaler – bekannt aus James Krüss' berühmtem Roman „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen”)  nicht besser könnte, während Arafat, der nicht beim Namen genannt wird, den Teufel gibt. Vielleicht ein bisschen kitschig, aber eigentlich kein schlechter Vergleich.

Das Video ist eine herrlich kunstvolle Mischung aus Animation und Kameraaufnahmen. Trist und malerisch visualisiert es die fabelhafte Erzählung. Kahle Bäume, schwarze Umrisse, Tiere der Märchenwelt und Bushido, der im Hoodie performt, schlagen eine Brücke über Horror, Fantasy und Rap. (Das ein oder andere Redaktionsmitglied hat es an den neuen „Sabrina“-Teaser erinnert, der eher in die Wicca-Richtung geht.)

Leider versäumt Bushido seine märchenhafte Anlehnung mit Inhalt zu füllen. Konkrete Details und greifbare Infos lassen vergeblich auf sich warten: „Du kannst haben, was du willst, gib mir einfach die Befehle. / Ich will nicht viel von dir, nur am Ende deine Seele.” Als Hörer fühlt man sich am Ende des Tracks an Goethes „Faust“ erinnert – also an jenes Werk, auf das Bushido schon im Titel des Clips anspielt: „Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor.“

Und das ist nicht nur aus künstlerische Perspektive mau. Denn die dubiosen Beziehungen zwischen deutschen Rapstars und Großfamilien sind ein Thema, das genauso offenkundig wie unbehandelt umherschwirrt. Sei es die nun gekappte Bindung zwischen EGJ und Abou-Chaker, Farid Bang bzw. Banger Musik und dem Miri-Clan oder Spongebozz und der Familie Saado.

Hier hätte „Mephisto“ das Potenzial gehabt, auch über Bushidos persönliche Erfahrungen hinaus ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen – in die Geschäfte zwischen kommerziell erfolgreichen deutschen Rappern und Großfamilien. Gerade, da Bushido über so viele Jahre unter dieser Bindung gelitten hat – das behauptet er ja zumindest zehn Minuten lang –, wär dies doch die Gelegenheit gewesen, ein Exempel zu statuieren und mit „Mephisto“ ein Warnschild aufzustellen.

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Wie sah dieser Deal mit dem Teufel aus? Was hat Bushido dafür bekommen, seine Seele verkauft zu haben? Über welche Leichen ist Arafat gegangen? Wie kann es überhaupt sein, dass etwaige mafiöse Geschäftsbeziehungen zum Status Quo der deutschen Rapkultur gehören?

Sicher ist es ein bisschen naiv zu glauben, Bushido könnte oder sollte komplett blank ziehen. Aber die Inhaltslosigkeit des 10-Minüters im Kontext eines so heiklen Themas, das als flächendeckendes Phänomen existiert, bleibt leider weit unter seinen Möglichkeiten.

Quelle: Noizz.de

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