Der Rapper sollte sich langsam mal seiner Vorbildfunktion bewusst werden.

Drogen und Musik gehören zusammen – Weed und Rap gehört zusammen. Das war schon immer so und ist irgendwie auch okay. Aber in letzter Zeit hat sich da was verschoben.

Einerseits die Drogen, um die es im Hip-Hop geht. Ursprünglich ging es lediglich um Cannabis und manchmal Alkohol. Das war okay, weil halbwegs kalkulierbar; auch wenn Alkoholismus und Drogensucht im Allgemeinen nicht verharmlost werden sollen, gibt es genügend Menschen, die einen Weg gefunden haben, damit umzugehen, um des Genusses willen trinken, um der Bewusstseinserweiterung halber kiffen.

Mit dem Gangster-Rap und dem 80er-Jahre-Revival hielt das Koks Einzug in den Deutschrap. Gangster-Rapper wollten (zumindest in ihren Texten und Musikvideos) sein wie Toni Montana aus "Scarface" und ihre Nasen in schneeweiße Berge versenken; Hipster-Rapper nahmen sich eher die Modewelt und Künstler wie Falco zum Vorbild – immerhin heißt ein Kollabo-Song von RIN und Yung Hurn vielsagend "Bianco".

Weitere Drogen folgten – befeuert durch das amerikanische Vorbild. Insbesondere beim Rap-Verwandten Trap waren zwischenzeitlich Pharmazeutika wie Xanax beliebt geworden, manche Künstler benannten sich sogar danach. Manch einer konsumierte sogar das teuflische Opioid Fentanyl – und starb daran wie Mac Miller. Auch der in verschreibungspflichtigem Hustensaft enthaltene Wirkstoff Kodein machte Karriere. Trap-Rapper vermischten die lilafarbene Flüssigkeit mit Limos wie Sprite und nannten das Ergebnis "Lean" oder "Purple Drank". In Deutschland spielt der Trap-Rapper "Hustensaft Jüngling" mit seinem Namen darauf an.

>> Wie verbreitet ist Hustensaft als Droge in Deutschland?

Eine Droge spielte bei alledem bislang keine Rolle: Heroin. Sie schien so gar nicht zu Rap zu passen, eher zum selbstzerstörerischen Indie-Rock eines Pete Doherty. Es ergab einfach keinen Sinn die zwei zu kombinieren: Auf Heroin Rap machen? Rap auf Heroin hören? Unvorstellbarer Unsinn.

Dieses Tabu hat Bonez MC jetzt gebrochen – oder zumindest so getan, als ob.

Der Hamburger Rapper von 187 Strassenbande ist für seine Kiff- und Suff-Eskapaden bekannt. Er postet sie regelmäßig auf Instagram, man hat sich mittlerweile dran gewöhnt. Vor einer Woche tauchten dann Ecstasy-Pillen und LSD-Pappen in seiner Insta-Story auf – eine neue Dimension.

Jetzt, am x, der nächste Schritt, der Tabubruch: Heroin. Bonez MC sitzt in einem Auto, spielt mit einer Insulinspritze rum. Die Spritze enthält eine Flüssigkeit, die rötlich gefärbt ist, wie von Blut. Einer von Bonez MCs Freunden schlägt sich mit der Handfläche auf die Arminnenseite, als wollte er eine Vene für den Schuss vorbereiten. Eine unmissverständliche Geste fürs Fixen. Dann sieht es so aus, als ob sich der Rapper die Spritze von jemandem in den Oberschenkel jagen lässt. Es folgt eine Story mit dem Text "Fazit = Danke Hero".

Ziemlich sicher war es kein Heroin, sondern nur dumme Provokation. So hirnverbrannt wird Bonez nicht gewesen sein. Es ging schlicht um das Brechen von einem der letzten Drogentabus: Heroin gibt man sich einfach nicht, das weiß seit Christiane F. jedes Kind. Beziehungsweise wusste. Denn "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" ist mittlerweile 41 Jahre her. Jugendlichen fällt es zunehmend schwerer, sich mit den Protagonisten von damals zu identifizieren. Und so schwindet auch die Angst vor Heroin.

Bonez MC hat eine Verantwortung, vor allem auf einem Medium wie Instagram. Es ist unmittelbar und ohne Filter. Vor allem jungen Usern fällt es oft schwer, zu unterscheiden, was echt ist und was fake. Bonez folgen auf Instagram zig Jugendliche, die dort alles verfolgen, was er macht. Nicht nur, weil ihnen langweilig ist, sondern, weil sie so leben wollen wie er. Sie sind Fans, das kommt von Fanaticus. Wikipedia übersetzt es mit "von der Gottheit ergriffen, in rasende Begeisterung versetzt".

Wenn dein Gott, dein Held, sich bei Heroin bedankt, es zum Teil seiner Instagram-Story macht, dann ist es vielleicht doch nicht so schlimm, wie alle immer sagen – so die Botschaft. Wir finden, es reicht. Bonez MC geht zu weit.

Hoffentlich erregt der Rapper in Zukunft mal wieder durch Musik unsere Aufmerksamkeit.

Quelle: Noizz.de