Schuld daran hat unter anderem der britische Sänger Ed Sheeran.

Die Singlecharts aus Österreich werden derzeit von zwei Rappern dominiert: Von den ersten 14 Plätzen der Hitparade „Ö3“ sind Bonez MC und RAF Camora mit 13 Songs vertreten. Alle stammen aus ihrem neuen Album „Palmen aus Plastik 2“, das am 5. Oktober erschienen ist. Kein Wunder: Die Rapper haben mit ihrem ersten Kollabo-Album von 2016 den Sound im deutschen Hip-Hop geprägt: Die Beats wurden Trap-lastiger und tanzbarer.

So überrascht es auch nicht, dass der Nachfolger „Palmen aus Plastik 2“ über Nacht die Charts stürmte. Doch den Österreichern passt das nicht so ganz. Sie finden Bonez MC und RAF Camora zu erfolgreich. Deswegen wollen sie jetzt ihre Chartregeln ändern. Es sollen nur noch die drei erfolgreichsten Singles eines Albums in der Chartplatzierung aufgelistet werden. So möchte die österreichische Hitparade musikalische Vielfalt bieten.

Wie funktioniert das Ranking bei Single-Charts?

Früher zählte für die Chartplatzierung jeder Kauf einer Single – heute jeder Klick. Während früher nicht jede Single des Albums zum Verkauf zur Verfügung stand, kann heute aber jeder Track eines Albums einzeln auf Streaming,- oder Downloaddiensten angeklickt werden. So ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass mehrere Songs eines Albums gleichzeitig in den Charts landen.

Doch die Zählweise für die Platzierung unterscheidet sich in jedem Land – und wird regelmäßig geändert. EdSheeran löste 2017 die gleiche Diskussion wie die von Bonez und RAF in Britannien aus: Er belegte 14 der ersten 15 Plätze in den UK-Charts, als er sein Album „Divide“ veröffentlichte. Die Briten haben darauf die Regel aufgestellt, dass nur die drei erfolgreichsten Tracks eines Künstlers in den Top 100 aufgelistet werden darf. In Österreich soll nun eine ähnliche Regel gelten. Dabei wird sich aber nur auf die besten drei Songs eines Albums – und nicht eines Künstlers – beschränkt.

>> „Palmen aus Plastik 2“: Bonez und Raf schreiben weiter Geschichte

Die Chartplatzierung wird üblicherweise in jedem Land wöchentlich aktualisiert. Einberechnet werden Musikdownloads sowie Streams der Songs. Seit 2007 zählt in Deutschland aber nicht die verkaufte Stückzahl von Singles – sondern der erzielte Umsatz. Während aber beispielsweise Videostreams noch nicht in Deutschland berücksichtigt werden, fließen sie seit Juli diesen Jahres in die britische Chartplatzierung mit ein.

Ist es fair, dass nur drei Songs eines Albums in der „Ö3“-Charts aufgelistet werden?

Das ist Meinungssache. Andy Zahradnik, der die  Charts im Auftrag des Verbandes der österreichischen Musikwirtschaft (IFPI Austria) erstellt, sagt in einem Interview mit dem österreichischen Rundfunk: „Die Hitparade, so Zahradnik, lebe schließlich von der Vielfalt – und die ist dahin, wenn ein einzelnes Genre, diesmal deutscher Hip-Hop, in so großem Ausmaß dominiert.“

RAF Camora der selbst Österreicher ist – und Bonez finden die Regeländerung jedenfalls nicht gerecht. So schreibt RAF (laut HipHop.de) in seiner Instagram-Story, dass es einfach nicht jeder Künstler so einen Erfolg mit seinem Album feiern kann: „Wenn es so einfach ist, wie sie behaupten, würde doch jede Woche ein komplettes Album die Singlecharts dominieren.“

Falls du mehr dazu wissen willst

Hier findest du die Regeln für die Chartplatzierungen von Deutschland, Britannien und Österreich zum Nachlesen

Die Meinung der Autorin

RAF hat da nicht ganz unrecht. 13 der Top 14 Tracks in den österrischen Singlecharts sind nun mal aus dem Album „Palmen aus Plastik2“. Warum muss daran etwas geändert werden? Chartlisten sollten schließlich lediglich den Musiktrend des jeweiligen Landes wiederspiegeln.

Ein Vergleich: Ein Film wird bei den Oskars in 13 Kategorien nominiert. Eigentlich gewinnt er alle. Damit es aber mehr Abwechslung bei der Preisverleihung gibt, erhält er nur drei. Ist das fair? Wohl kaum.

Quelle: Noizz.de