Schon mit 18 Jahren landet die "Bad Guy"-Sängerin im Popcornkino-Olymp.

Billie Eilish erhält mit gerade mal 18 Jahren einen der begehrtesten Jobs im Pop: den neuen Bond-Song. Aber die Fallhöhe ist nicht ungefährlich. Wird sie dieses prestigeträchtige Lied so prachtvoll schmettern wie einst Shirley Bassey in "Goldfinger" und "Moonraker"? Oder pathetisch schmachten wie zuletzt Sam Smith in "Spectre“? Oder wird Billie Eilish mit dem Titelsong des 25. Bond-Films "No Time To Die" ein ganz eigenes Ding durchziehen?

Zu hören ist vorerst kein einziger Ton vom Vorspannlied zum Top-Kinoereignis des Jahres 2020, das am 2. April Premiere haben wird. Auch Eilishs Plattenfirma hütet das Geheimnis: Über den Bond-Song gebe es "keine Infos, bevor sie offiziell verschickt werden oder auf Billies Socials angekündigt werden", teilte Universal der Deutschen Presse-Agentur mit.

Billie Eilish aus Los Angeles ist "die jüngste Künstlerin, die je ein James-Bond-Titellied geschrieben und aufgenommen hat", wie es vorige Woche auf dem Bond-Twitter-Account hieß. Aber ist Billie vielleicht eigentlich "zu cool", um "eine der angestaubtesten Film-Marken" musikalisch zu untermalen, wie der britische "Guardian"-Kritiker Stuart Heritage orakelte?

Trotzdem ist ein James-Bond-Song – das ist für jeden Künstler, wie berühmt er auch bereits sein mag, eine Riesensache. Wie Catherine Haworth von der britischen Universität Huddersfield erklärt, birgt eine solche Berufung "die Chance, Teil eines kulturellen Phänomens zu werden – ein Teil der am längsten laufenden Film-Marke der Geschichte und eines der unverwechselbarsten Literatur- und Filmcharaktere".

Im besten Fall winken ein Oscar (zuletzt sowohl für Adeles "Skyfall" von 2012 als auch für Sam Smiths "The Writing's On The Wall") und mit ziemlicher Sicherheit hohe Chartplatzierungen: So belegte "A View To A Kill" von Duran Duran 1985 Platz 1 in den USA, Smiths Song schaffte 2015 Rang 1 in Großbritannien. Auch Madonnas Karriere bekam mit "Die Another Day" nochmal einen Schub.

Zugleich ist das 007-Eröffnungslied für jeden Künstler eine Herausforderung - mit biederen Kompositionen kann man sich da schnell blamieren. Einprägsam, nicht allzu treibend, eher orchestral, bläserstark, bombastisch sollte der Song sein, um gegen das Action-Feuerwerk und die leichtbekleideten Frauen des oft bizarren Vorspanns anzukommen. Das Stück darf auch gern Zitate klassischer James-Bond-Melodien enthalten, wie es Adele und ihrem Produzenten Paul Epworth so kongenial gelang.

Nur wenige schaffen es, selbst im möglichst massentauglichen Bond-Song einen kraftvollen eigenen Sound zu bewahren – zuletzt Jack White mit der US-Soulsängerin Alicia Keys in "Another Way To Die". Ein rein künstlerisch ähnlich starkes Lied wurde bei der Auswahl zum bisher letzten Bond-Film als "zu düster" aussortiert: "Spectre" von der seit 25 Jahren weltweit gefeierten britischen Artrock-Band Radiohead. Stattdessen bekam Sam Smith den Zuschlag – mit einem Song, der teils vernichtende Kritiken erhielt.

Der Druck dürfte auch für diese hochtalentierte, selbstbewusste Sängerin groß sein nach dem Riesenerfolg bei Fans und Kritikern mit der Hitsingle "Bad Guy" und dem Nummer-eins-Album "When We All Fall Asleep, Where Do We Go?".

Über den neuen Bond-Titelsong weiß man bisher so gut wie nichts. Billie Eilish, die sechs Nominierungen für die Grammys (26. Januar) erhalten hat, schrieb das Stück wieder zusammen mit ihrem Bruder Finneas O'Connell. Und sie ist sich der Besonderheit, in so jungen Jahren für James Bond zu singen, sehr bewusst: "Es fühlt sich völlig verrückt an, ein Teil dieser Sache zu sein", dies sei "eine riesige Ehre", schrieb die weiterhin bei den Eltern lebende Künstlerin unmittelbar nach der Bekanntgabe des Coups. "Ich stehe noch unter Schock."

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[Text: Zusammen mit dpa/ Werner Herpell]

Quelle: Noizz.de