Es ist genauso, wie verliebt sein. Schön – aber so fucking schmerzhaft.

Wie kann es eigentlich sein, dass ein 17-jähriges Girl so viel Schmerz ausdrücken kann? Schon mit 14 Jahren droppte Billie Eilish ihren ersten riesigen Hit Ocean Eyes. Zu dem Song gingen alle übergeschminkten Crop-top-Teens auf Musical.ly ab und öffneten ihre Augen in Slow-Motion in ihre Handy-Kamera, während Billie Eilish mit ihrer ruhigen Chormädchen-Stimme singt, wie sie „noch nie so hoch gefallen sei“.

Seitdem kamen weitere Singles, die an Billies unverkennbaren ruhigen Emo-Sound anknüpften. Am Freitag veröffentlichte sie endlich ihr Debüt-Album, WHEN WE ALL FALL ASLEEP, WHERE DO WE GO? Das Album ist ein Familienwerk von Billie und ihrem Bruder, Finneas O’Connell, der alle ihre Lieder schreibt.

Das Album lebt von starken Bass-Linien, die ihrer engelsgleichen Stimme einen rasierklingenscharfen Rahmen geben. Ihr Sound und ihre Wörter sind so unglaublich erwachsen, dass man beim Zuhören gar nicht glauben kann, dass da ein noch pubertierendes Mädchen singt.

Ihr Album klingt wie etwas Neues, von dem sich höchstens einzelne Elemente mit Künstlern wie The XX oder Lana del Rey vergleichen lassen. Wie eine 17-jährige FKA Twigs, löst sie sich von klassischen Songstrukturen in einer Art, die mich zwingt, jedes ihrer Lieder auf Dauerschleife zu spielen.

Das Album beginnt, nach einem kurzen Intro, mit dem absoluten Banger Bad Guy, einem Song mit schneller, doch unaufgeregter Bassline, die einem das Herz ausreißt, drauf spuckt, und wieder reinsteckt. Und trotzdem freut man sich darüber. Der absichtlich übersteuerte Bass auf Xanny erinnert an den mittlerweile gelöschten Track GXD von 21 Savage und XXXTentacion, wenn ihn Lana del Rey gesungen hätte.

Ihr Album enthält ebenfalls bereits bekannte Hits wie bury a friend und when the party’s over. Was damals beim Release der Tracks krass war, ist immer noch krass. Eigentlich will ich letzteren Song beim Hören überspringen, weil ich ihn schon kenne und auf neue Sounds gespannt bin, aber wie immer hält mich ihre gebrochene Stimme bei der Zeile „I’m on my own“ fest, bis ich fast weine (dabei bin ich eigentlich gar nicht nah am Wasser gebaut).

In Clichés verliert sich Billie Eilish nicht. Sie schafft es, Songs i love you zu nennen und trotzdem kein Liebeslied zu schreiben.

Ich kann mich nicht entscheiden, ob ihr Bruder einfach der genialste Songwriter aller Zeiten ist, oder ob es an Billies unverwechselbarem Vibe beim Singen liegt, dass jeder ihrer Songs on Fire ist. Fest steht, das Eine würde ohne das Andere nicht funktionieren. Und so konnten Billie und ihr Bruder dieses einzigartige Album produzieren.

Am Anfang dachte ich, dass ich mir das Album für die nächsten drei Wochen dauernd reinziehen würde. Jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher. Denn es macht viel mit der Psyche, dieser ruhige, fast flüsternde Sound, der sich ganz heimlich anschleicht und dann mit voller Wucht zuschlägt. Ein bisschen, wie intensiv verliebt zu sein. Und im Grunde ist man das am Ende auch – in Billie und ihr Debüt-Album. 

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Quelle: Noizz.de