Die Beyoncé-Doku auf Netflix ist richtig, richtig krass

Luisa Hemmerling

Musik, Kultur, Interviews
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Beyoncé im Trailer zu "Homecoming: A Film By Beyoncé" Foto: Netflix / YouTube

Ich hab die ganze Zeit Gänsehaut gehabt.

Das Coachella-Festival ist so ungefähr eines der begehrtesten Festivals der Welt. Es prägt ganze Kleidungsstile, JEDER will da hin, und wenn du dort als Künstler auftrittst, hast du es geschafft. Wenn du dann auch noch Headliner bist, bist du entweder Gott oder – viel besser – Beyoncé.

Die hat letztes Jahr beim Coachella eine der legendärsten Shows abgeliefert, die seit Langem auf einer Festival-Bühne zu sehen war. Tatsächlich war zum ersten Mal eine schwarze Künstlerin Headlinerin des Coachella. Dieses Faktum nahm sich Beyoncé zum Anlass, nicht nur bloß eine Show abzuliefern, sondern eine verdammte Geschichte zu erzählen.

Dabei herausgekommen ist die "Homecoming"-Show, in der Beyoncé nicht nur sich selbst feiert, sondern die ganze Kultur, mit der sie sich verbunden fühlt. Die New York Times nannte die Show sogar ein "überwältigendes Wunder der Choreographie".

Jetzt gibt es die Show als Netflix-Doku.

Der Film schneidet Konzert und Vorbereitung gegeneinander. Im Großen und Ganzen ist alles sehr ästhetisch und gefühlvoll gemacht, ohne eine stringente Geschichte zu verfolgen.

>> Beyoncés Coachella-Performance wird zur Netflix-Doku

Vor der Doku habe ich mich noch gefragt, was denn an diesem einen Auftritt so besonders sein kann. Schließlich ist Beyoncé (trotz ihres extremen Charismas) auch nur ein Mensch, der auf der Bühne steht und singt. Doch weit gefehlt. WEIT gefehlt.

Denn was auf diesem Auftritt passierte, war irgendwie nicht von dieser Welt. Da steckte einfach so viel Energie drin, dass es fahrlässig gewesen wäre, das alles nicht noch einmal in eine Doku zu stecken. Und diese Doku spiegelt genau das wider: unermüdliche Energie.

Der Film geht schon mal richtig dramatisch los, mit kreischenden Stimmen und Analog-Clips vom Festival-Gelände. Dann: Beyoncé. Mit Diamanten-Krone. Geil. Die Show geht los mit einer richtig wütenden Trommlerin, die Beyoncé mit furiosem Trommel-Solo ankündigt. Ladys im Cleopatra-Body ranken sich um Beyoncé, die wie eine Pharaonin aussieht. Mit schillerndem Umhang schreitet sie nonchalant über die Bühne, während ein riesiges Orchester Pep-Rally-artige Musik im Hintergrund spielt. 

Durch die analogen Szenen zwischendurch wirkt die Show historisch, fast episch in ihrer Beständigkeit. Es fühlt sich so an, als wär 2050 und man blickt auf die Wilden Jahre zurück, als Beyoncé noch das Land regierte.

Dann fängt sie an zu singen. Mit ihrer butterweichen Stimme intoniert sie die ersten Töne ihres Klassikers "Crazy in Love", und in diesem Moment wird mir bewusst, was für eine Legende sie eigentlich ist. Sie kann sich selber inszenieren und so unglaublich perfekt sein, ohne dabei eine ungesunde Arroganz auszustrahlen.

Am schönsten an der ganzen Doku sind aber eigentlich die Zuschauer. Die gehen dermaßen heftig mit und vergöttern ihre Königin sichtlich. Es scheint so, als würde sie etwas leiten, das größer ist als sie selbst. Dem zuzuschauen macht extrem viel Spaß.

Ich will, dass jede Person, die je wegen ihres Aussehens abgewiesen wurde, sich so fühlt, als wäre sie mit uns auf dieser Bühne.

Das sagt Beyoncé in einem Voice-over. Acht Monate lang hat sie mit ihrer Crew für den Auftritt geprobt und dann – beim Coachella – alles rausgelassen, was sie schon immer zeigen wollte. „Ich wollte keinen Blumenkranz tragen, ich wollte unsere Kultur zum Coachella bringen“, sagt Beyoncé in der Doku, und genau das hat sie geschafft.

Ich bekomme Gänsehaut, wenn Queen B spricht. Eigentlich will ich nicht, dass diese starke Frau mich so berührt, aber es passiert einfach so. Die Doku gibt einem das schöne Gefühl, dass jeder Mensch so viel zu geben hat, wenn er dafür kämpft – seine Kultur und seine Werte und sich selber zu zeigen und stolz darauf zu sein.

>> Hier kannst du den Trailer zu Beyoncés Coachella-Doku sehen

Quelle: Noizz.de