Schluss mit Langeweile auf deinen Ohren.

Oh, du schöne Streaming-Welt: Dank Spotify und Co. könnten wir rein theoretisch jeden Tag Dutzende neue Lieblingssongs und -künstler entdecken. Aber so viel Zeit hat eigentlich auch keiner – außer so Leute wie ich, die das aus irgendwelchen glücklichen Zufällen hauptberuflich machen dürfen.

Gut ein bisschen Schützenhilfe liefen auch die werten Kollegen aus der Musikredaktion der altehrwürdigen "BBC". Jedes Jahr im Januar stellen sie eine Liste mit vielversprechenden Newcomern zusammen, die das musikalische Jahr und somit auch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit deine Playlisten dominieren werden. Gut, Billie Eilish haben sie 2017 irgendwie vergessen in die Top 5 zu packen. Aber hey, selbst den Besten passieren mal Fehler.

Ansonsten hat die "BBC" "Sound of" einige Weltkarrieren in Gang gesetzt: Adele, Sam Smith, Amy Winehouse und Ellie Goulding – um nur ein paar Namen zu nennen. Wer es 2020 auf diese Liste geschafft hat, haben wir dir hier mit einigen Anspiel-Tipps gleich mal zusammengetragen.

Celeste: Die weniger kaputte Reinkarnation von Amy Winehouse

Bei Celeste trifft die Leichtigkeit von improvisiertem Jazz auf die melancholische Schwere, die Soul eben so in sich trägt. Geboren ist sie in Los Angeles, groß geworden ist sie aber in der britischen Küstenstadt Brighton. Zu ihren Fans zählen Elton John, Jorja Smith, Lily Allen und Michael Kiwanuka. Letzterer nahm sie gleich mal mit auf Tour. Die 25-Jährige hat ihre erste Single schon veröffentlicht, da war sie gerade mal 17. In diesem Jahr soll endlich ihr Debütalbum erscheinen.

Easy Life: Die musikgewordene Generation Z

Alles easy bei den fünf Boys aus Leicester, die nach eigenen Angaben eher ein Tütchen Gras kaufen würde, wenn sie zu viel Geld hätten, als neue Instrumente. Sie selbst beschreiben ihren Sound als "Jazz mit postmoderner Technik aufgenommen", aber eigentlich ist es eine wilde, unkonventionelle, manchmal sogar krude Mischung aus Rap, Neosoul und ein bisschen Indie. Das alles gepaart mit einer gehörigen Portion Humor. Easy Life sind die erste Band, die es schaffen könnte, ein Meme zu werden.

Yungblud: Der neue Typus Rockstar

Dominic Harrison, wie Yungblud im normalen Leben heißt, macht kein Geheimnis aus seinen Problemen. Er thematisiert in seinen Songs offen, was ihn nachts nicht schlafen lässt: Intoleranz, Rape-Culture, das Abgehängtsein der jungen Generation, starre Genderrollen, psychische Erkrankungen. Ganz nebenbei hat er so den neuen Typus eines Rockstars geschaffen: Jemand, der auch mal geschminkt und in Kleidern auf die Bühne gehen kann, egal ob Mann oder Frau, jemand der für seine Fans da ist und dem egal ist, was andere denken. Seine Songs schwanken zwischen klassischen Pop-Nummern mit Gitarrensounds und kollidieren manchmal mit seinen Hip-Hop-Wurzeln. Emo isn't dead, yet!

Joy Crookes: Multikulti in allen Facetten

Der erste Song, an den sich Joy Crookes so richtig erinnern kann, war The Clashs "London Calling" und wie divers sie da erstmals ihre Heimatstadt und britische Hauptstadt erlebt habe. Mit dem Punkrock von The Clash hat ihre Musik aber wenig zu tun. Joy Crookes pflegt entspannten Soul und R'n'B, bei dem die irischen und banghladesischen Wurzeln der Sängerin immer mal wieder druchschimmern. Multikulti im besten Sinne.

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Inhaler: Wenn Muse etwas poppiger wären ...

Wenn ich Elijah Hewsons Stimme höre, bin ich wieder 16 und fahre voll auf Muse ab. Nur, dass die Musik seiner Schülerband Inhaler wesentlich poppiger ist und an Britpopbands wie One Night Only erinnert. Als wäre das an sich nicht schon eine großartige Mischung, muss Elijah auch noch ausgerechnet der Sohn von, ja genau, Bono, dem U2-Frontmann, sein. Wenn da die Karriere nicht in die Wiege gelegt wurde.

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Quelle: Noizz.de