Unsere Autorin wagte den Selbstversuch.

Bisher waren wir mit unserer Tochter noch niemals campen. Das liegt unter anderem daran, dass wir selbst nicht die erprobten Camper sind und keinerlei Equipment vorrätig haben. Für das Sunrise-Festival in Burtenbach mussten wir uns daher Zelt und Co. ausleihen.

Gemeinsam mit einer großen Clique von Singles, Pärchen und Familien ging es schließlich mit allem Klimbim auf den Familiencampingplatz des Reggae- und Ska-Festivals.

Und was man da nicht alles braucht: Zelt, Luftmatratzen, Schlafsäcke, Campingkocher, Geschirr, Essen, Klamotten für jede Gelegenheit (Regen, Sonne, Kälteeinbruch), Hygieneartikel, das halbe Spielzimmer unserer Tochter, Campingstühle etc. Beim Campen ist es fast wurscht, ob du zwei Tage oder zwei Wochen weg bist – das Zeug muss mit.

Ein ganz normales Festival – nur eben mit Kind

Unsere Tochter Mila war schon Tage vorher tierisch aufgeregt und hat sich auf das „Im Zelt schlaf“-Happening ziemlich sehr arg gefreut. Als unser „Palast“ dann endlich stand (ging eigentlich recht flott, etwa 20 Minuten), war ihre Freude noch immer ungebrochen. Sie hüpfte zwischen Schlafsack, Vorzelt und Pavillion hin und her und wusste gar nicht, wo sie es jetzt am schönsten finden soll. Echt niedlich!

Mein Mann und ich waren wiederum ziemlich stolz auf uns – das Zelt stand, der erste Kaffee kochte und die Campingstühle waren bequem. Darauf ein Highfive!

Der Familiencampingplatz des Sunrise-Festivals liegt etwas abseits des eigentlichen Festivalgeländes. Nach einem 15-minütigen Marsch erreicht man den Einlass und damit die Bühne, Fressbuden und Nippesstände (hier gibt es alles, was das Festivalherz begehrt: vom Reggae-Armkettchen über mit Elefanten bedruckte T-Shirts und seltsame „Wo soll man das denn tragen?!“-Walk-Klamotten bis hin zum überlebenswichtigen Reggae-Rauchequipment).

Was wir auf dem Weg Zeltplatz-Festivalgelände und zurück schnell gelernt haben: So ein Falt-Bollerwagen-Ding ist echt da shit. Braucht man unbedingt für solche Anlässe: Kind rein (wenn kein Kind vorhanden, dann auch wahlweise Bier oder Schnaps), und los geht’s.

Die erpobten Camper und Ausflügler hatten also alle so einen faltbaren Ziehwagen am Start. Wir nicht. Entweder waren wir also ziemlich lange unterwegs, da Mila bei jeder Butterblume einen Stopp eingelegt hat, oder einer von uns hat sich irgendwann erbarmt und das 18-Kilo-Kind auf die Schultern gepackt. Is' aber ja auch kein Problem bei 34 Grad und 0 Schatten.

Aber nu woll'n wa' mal nich' jammern. Sobald man endlich den Eingang zum Festgelände passiert hatte, war es ein Paradies für Kids und Eltern. In der Kidscorner konnten sich die Kleinen schminken lassen, bekamen den Oberarm mit Glitzertattoos tätowiert, konnten Ketten basteln, malen, turnen, toben … ziemlich nett das Ganze.

Und wir Eltern haben uns in der Zwischenzeit durch die Fressstände gefuttert, zur Musik getanzt, auf der Picknickdecke gedöst oder die neusten Kunstwerke der Kleinen bewundert. Ziemlich entspannte Sache.

Der Familien-Campingplatz ist zwar am weitesten vom Festivalgelände entfernt, dafür ist man von hier aus am schnellsten beim nahegelegenen See. Einfach nur über die kleine Landstraße und schon kann der Badespaß losgehen.

Ein wunderbarer Platz für alle Kids: der See

Am Freitag hatten wir den See sogar noch fast für uns alleine, da die meisten Festivalbesucher erst am Samstag angereist sind. Ein schattiges Plätzchen, eine schöne Wiese und Abkühlung – sehr nice!

Am Samstag war der See dann aber – auch aufgrund der hohen Temperaturen – the place to be. Also musste man froh sein, auf einem Quadratmeter sein Handtuch ausbreiten zu können, und gut darin, die angetrunkenen und kiffenden Festivalbesucher etwas auszublenden – ich war zugegeben etwas neidisch!

Für die Kids war der See – ob leer oder voll – ein wunderbares Plätzchen. Hier konnten sie rennen, die ersten Meter bis zum Absperrband alleine in den See waten und vom Steg ins Wasser springen (das Schild „bitte nicht vom Steg springen“ wurde erfolgreich von allen anwesenden Badegästen ignoriert).

Nach dem Seevergnügen ging es dann wieder zurück zum Festivalgelände. Hier wurde eigentlich genau das getan, was man auch schon mittags zelebriert hatte: gefuttert und Musik gehört. Abends wurde natürlich mehr Gewicht auf die Mucke gelegt. Daher war die Musik ordentlich laut zum ordentlich Abzappeln. Für die Kids hieß es daher am Abend: Hörschutz von Edz Kidz und wie die alle heißen auf die Ohren. Da alle Kinder unserer Gang einen Hörschutz dabei hatten, gab es dabei auch kein Gejammer.

Damit wir uns nicht aus den Augen verloren, markierte unsere Camping-Großfamilie immer etwas abseits der Bühne einen Platz mit Decken. Hierauf konnte gechillt oder in Ruhe gegessen werden, die Kinder malten oder hingen rum, und man hatte immer einen Anlaufpunkt.

Wir sind mit Mili meistens so gegen zehn zurück an den Platz gegangen. Die Kleine war durch Wetter, Spielspaß und Aufregung immer so erledigt, dass sie sofort, in ihren Schlafsack gemummelt, eingepennt ist. Von den anderen Pärchen, die mit uns dabei waren, ist meinstens ein Elternteil zurück zum Festivalgelände gegangen – zum Abfeiern.

Mein Mann und ich – beide jetzt auch nicht die größten Reggae-Fans (ich glaube, wir haben uns nicht einmal das Line-up angeschaut) – haben hingegen den Platz bei ein oder zwei Fläschchen Wein gehütet und das Campingfeeling genossen. War tatsächlich wie Urlaub.

Echtes Camping-Feeling im Zelt

Wer auf Sommerfestivals geht, der weiß, dass in dieser Zeit auch gerne mal das ein oder andere Unwetter vorbeischaut. So wurden auch wir beim Sunrise-Festival leider nicht von schweren Gewittern und alles in kürzester Zeit überflutenden Regenschauern verschont.

Das erste Mal hat es uns abends gegen 20 Uhr erwischt. Wir hatten das anrauschende Gewitter schon einige Zeit beobachtet und uns ehrlich gesagt über die bevorstehende Abkühlung gefreut. Als es dann aber direkt über uns war, die Blitze nur so vom Himmel schossen, der Wind das Pavillion zerfegte und der Regen so schnell runterprasselte, dass die Wiese mit dem Aufnehmen nicht hinterherkam, haben wir uns doch lieber ins Auto verkrochen (Faradayscher Käfig und so).

Während unsere Tochter zu Hause meist Angst vor unwetterartigen Gewittereinbrüchen hat, fand sie es auf dem Festival ziemlich aufregend. Also saßen wir im Auto, lauschten dem Regen (okay, der war so laut, dass uns nichts anderes übrig blieb), und Mila klebte in ihrem Stickerbuch. Nach einer halben Stunde war das Spektakel vorbei, unser Zelt dicht und das Kind ready for Heia.

Das zweite Gewitter kam in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Es war nicht ganz so heftig und, um ehrlich zu sein, fand ich es sehr gemütlich in unserem kuscheligen, nach wie vor dichten Zelt.

Ich würde es wieder tun! Ich werde es wieder tun! Zugegeben, das ganze Gepacke und Auf- und Abgebaue ist nicht so meins, aber es lohnt sich.

Für unsere Tochter war das Festivalerlebnis wie ein kleines Familien-Ferienlager. Mama und Papa immer in der Nähe, gemütliches Zeltabenteuer und immer die anderen Kids zum Spielen da – herrlich.

Fazit: Ich würde es wieder tun!

Dadurch, dass Mila mit den Kindern so gut gespielt hat und es ein tolles Kidsprogramm gab, hatten mein Mann und ich sehr viel Zeit für uns ...voll schön!

Selbst das Unwetter, das kurz über uns hinweggefegt ist, war eigentlich mehr ein Abenteuer, das zumindest kurzfristig die ersehnte Abkühlung gebracht hatte. An dieser Stelle muss aber auch gesagt werden, dass wir das nur so locker nehmen konnten, weil wir ein klasse dichtes und bequemes Zelt dabei hatten.

Quelle: Noizz.de