Seine neue Single "Autisten Trap" geht gerade durch die Decke.

Kennst du schon den YouTuber Gurkensohn? Falls nicht – so kannst du ihn dir vorstellen: Ein Typ mit Pilz-Frisur, Wikinger-Bart und rosafarbener Kinder-Sonnenbrille, der keinen Hehl aus ein paar Extra-Pfunden macht und in seinen Videos überdrehte Geräusche von sich gibt. Die Sorte Mensch, bei du dir instinktiv "WTF?!" denkst und schon eine Sekunde später merkst "Irgendwie geil, der gibt einfach keinen Fick und macht sein Ding".

Der Bruder steckt sich gerne Kippen in sämtliche Löcher seines Kopfes und grillt ganze Gurken am Stück, denn: Gurkensohn liebt ... – Gurken, schon seit er klein ist. Außerdem hat er über 200.000 Abonnenten auf YouTube und gerade seine neue Single rausgehauen: "Autisten Trap".

Stell dir folgendes Bild als Lied vor: Korpulenter Mit-Zwanziger posiert bester Laune im Mankini vor einer malerischen Alpen-Kulisse. Ja, genau so klingt "Autisten Trap" – unfassbar trashig. Und richtig geil. Das ist entfesselte Lebensfreude pur und die gesammelte Selbstironie in einer Person, die der restlichen Deutschrap-Szene fehlt.

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"Ich bin Gurkensohn und ihr chillt in Discos

Ja, der Pilzkopf flext jetzt mit Autismus

Guck meine Frisur – alle Hater bleiben Stur

Wer ist Katja? Meine Brüste sind Natur"

Ein lyrischer Erguss, bei dem man unweigerlich an Goethe denken muss. Oder vielleicht auch nicht. Oder auch ganz bestimmt nicht. Aber auch wenn sein Text nicht gerade ein poetischer Stunt ist, ist er trotzdem mad-funny und der Song geht gerade durch die Decke (am 30. August auf Platz #3 in den YouTube-Trends).

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Aber tatsächlich ist die Nummer auch ein bisschen schwierig. Denn: Ist Gurkensohn wirklich Autist? Falls nicht, würde das gar nicht klar gehen, Autismus – eine Entwicklungsstörung – als Gag und Image zu benutzen. Zum Glück findet man auf seinem YouTube-Kanal folgendes fünfminütiges Video:

"Bin ich wirklich so?"

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"Bei mir ist das so, dass ich auch ernst bleiben kann. Aber das fällt mir schwer, weil ich mich dafür richtig konzentrieren muss."

Invertierter Irokese, grün gefärbtes Haar, grün gefärbte Brauen. Ort: irgendwo in der Natur. Gurkensohn ist ungewohnt ernst und sachlich. Unter das Video hat er den Hashtag #Autismus geschrieben und genau darum geht es auch: Gurkensohn erklärt sich.

"Es macht einfach Klick in meinem Kopf und dann mache ich richtig verrückte Sachen. Ich raste aus oder ich schreie. Wenn ich einfach so schreie: "Öööööh", dann ist das für mich ein wirklich schönes Gefühl und mir macht das unnormal viel Spaß."

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Ja, das merkt man ihm an. Den befreiten Spaß. Das Freiheitsgefühl desjenigen, der seine inneren Widerstände überwindet und nach Lust und Laune auslebt, wer er im Grunde seines Herzen ist:

"Jeder Mensch hat seine Ecken und Kanten und ich finde das gut so, das ist etwas Persönliches. YouTube ist für mich einfach Freiheit, so zu sein, wie ich sein möchte. Ich bin hier der, der ich bin. Das macht mir unheimlich Spaß."

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Dieses Video, diese Aussagen sind wirklich Gold wert. Denn es zeigt, dass "Autismus Trap" kein geschmackloser Scherz ist. Gurkensohn macht mit diesem Lied und auch seinem restlichen YouTube-Content richtig nice Lobby-Arbeit für alle Menschen, die (ebenfalls) aus der Norm herausfallen. Damit ist er nicht nur ein Role-Model, sonder auch ein absolut geiler Typ.

Weil er keinen Fick gibt. Weil er sich restlos selbst akzeptiert. Weil er Spaß hat und sein Ding macht. Weil er sich nicht versteckt. Hammer. Holt die Kinder-Sonnenbrillen raus, zieht blank und grillt euch ein paar Gurken!

Lasst uns alle ein bisschen mehr sein wie Gurkensohn!

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  • Quelle:
  • Noizz.de