"Man sieht sich!"

Fler hat Stress mit der Polizei, mit Bushido, Sido, Farid Bang – und jetzt anscheinend auch noch mit einem Journalisten. Zumindest scheint der Rapper das selbst so zu sehen. Auf Twitter veröffentlichte er nämlich ein Foto des Klingelschildes eines Berliner Wohnhauses und verlinkte dazu den Account eines "Tagesspiegel"-Reporters. Nur um den Tweet wenig später wieder zu löschen.

Wie jetzt der Berliner "Tagesspiegel" berichtet, hatte der betroffene Reporter, Sebastian Leber, zuvor einen eigentlich harmlosen Beitrag über die Entwicklung des Beefs zwischen Fler und seinem früheren Wegbegleiter Bushido verfasst. Offenbar zu viel für Fler: Er nahm den Artikel zum Anlass, dem Journalisten einen Hausbesuch abzustatten bzw. abstatten zu lassen.

Leber reagierte, indem er in einem eigenen Tweet auf den Tweet des Rappers verwies – und kassierte prompt die nächste Drohung. "Haue dir für jeden frechen Tweet einfach mehr auf die Fresse", ließ Fler den Journalisten mit einem tränenlachenden Smiley wissen. Pressefreiheit? Nicht mit Fler! Der scheint nicht nur Polizisten für "neidische Schwänze" zu halten.

Stattdessen sieht der Berliner Rapper sich anscheinend als Opfer: Er retweetete einen Fan, der Leber vorwirft, mit seinem Text Deutschrap für "schnellen Fame, ohne Arbeit" ausgenutzt zu haben und jetzt nicht mit der "Revanche" des "Opfers" klarkommt – und legt in einem weiteren Tweet dünnhäutig nach: "Sebastian [Leber] versteht es garnicht das ein Mensch sauer wird nach so einem Kackartikel [...] Man sieht sich!"

Es ist nicht das erste Mal, dass Fler sich Journalisten vorknöpft

Fler macht immer wieder einmal seinen Problemen mit journalistischer Berichterstattung Luft. Bereits 2014 zeigte er bei Twitter sein Faible für Fotos von Haustüren – in dem Fall war es die des "Welt"-Autors Frédéric Schwilden. Der hatte sich diese "Ehre" mit einer Glosse über Deutschrap verdient, in der er auch ironisch Flers Finanzen thematisierte.

Zuvor hatte Fler laut "FAZ" selbst auf Facebook sein polizeiliches Führungszeugnis veröffentlicht, wohl um mit Straftaten wie Körperverletzung und Beleidigung zu beweisen, wie krass er sei. Zum Verhängnis wurde ihm allerdings ein Urteil, das dort zu lesen war: Aus der Höhe des Strafmaß von 120 Tagessätzen zu je 40 Euro war zu erkennen, dass das Gericht bei Fler von einem Monatsgehalt von 1200 Euro ausging. Schwilden nahm das als Aufhänger, um in seinem Text über eine mögliche Altersarmut Flers zu witzeln.

>> Nach Polizei-Stress: Fler droppt neuen Track "Fanboy"

Fler hat das anscheinend tief gekränkt: Ein Mann in schwarzer Kapuze klingelte bei Schwilden zu Hause (unklar ist, ob es sich um Fler selbst handelte). Zudem twitterte der Rapper ein Foto der Haustür des Journalisten. Das stachelte Flers Fans an, die Sache kurzerhand selbst in die Hand zu nehmen und ihr Idol zu rächen. Welche Drohungen und Beleidigungen Frédéric Schwilden sich anschließend anhören musste, dokumentierte er in einem weiteren "Welt"-Artikel. Einige von Flers Jüngern gingen sogar so weit, vor Schwildens Wohnhaus aufzutauchen.

In die Schusslinie des selbsterklärten "bad guy" kann offensichtlich jeder kommen, der sich nur ansatzweise kritisch öffentlich über den Rapper äußert. Auch eine NOIZZ-Redakteurin beleidigte Fler bereits öffentlich und stellte sie an den Instagram-Pranger (er hat dort 400.000 Follower). Und vor wenigen Tagen traf es auch YouTube-Star LeFloid, der sich zuvor in einem Video über die Auseinandersetzung zwischen Fler und der Polizei amüsiert und nicht gerade als Fanboy geoutet hatte.

Der Rapper daraufhin auf Instagram: "welche frau bangt so was?" Und weiter: "mach weiter dein toggo-tv für deine youtube kids - wenn du mal sex haben möchtest, bezahle ich dir gerne den bordell-besuch!"

Ob Fler sich bewusst ist, dass er mit seinen Ausrastern sein Gangster-Image selbst lächerlich macht? Statt krasser Gangster malt der Berliner mit seinen öffentlichen Hexenjagden das Bild eines hypersensiblen, beleidigten Bengels, der Verantwortung gern bei anderen sucht statt bei sich selbst. Auch das mit der Meinungsfreiheit und dem Journalismus scheint er noch nicht ganz verstanden zu haben.

Überhaupt würde man meinen, jemand wie Fler, "bei dem [es] läuft" und der "in einer Stunde mehr macht, als du im Jahr", wie es in seinem neuen Track "Fanboy" heißt, hat weder Zeit noch Interesse, sich mit solch kleinen Angelegenheiten und Nicht-VIPs überhaupt auseinanderzusetzen.

Es scheint ganz so, als ob Patrick Losensky, wie Fler mit bürgerlichem Namen heißt, am Ende im realen Leben einfach doch nicht so krass ist wie seine Kunstfigur.

>> Bushidos Comeback-Statement: "Ich wurde sieben Monate mit Dreck beworfen"

Quelle: Noizz.de