Es geht ums Schlussmachen, die süße Fantasie von Liebe und die eigene Bedürftigkeit.

8 Uhr am Morgen, und ich bin hellwach. Das passiert sonst nie. Wenn mein Wecker zur Arbeit um 8 Uhr klingelt, brauche ich mindestens 30 Minuten, um aufzustehen. Aber nicht am heutigen Freitag. Ariana Grandes fünftes Album ist vor zwei Stunden erschienen. „Thank U, Next“.

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Die gleichnamige Single und der Track „7 Rings“ brachen zuvor einige Rekorde. Und spätestens seit dem Video zu „Thank U, Next“ mit Liz Gillies und Kris Jenner falle ich jedesmal in Extase, wenn ich auch nur den Namen Ariana Grande höre.

Erst im August 2018 veröffentlichte Ari ihr viertes Studioalbum „Sweetener“. Darauf ging es um die Verlobung mit SNL-Comedian Pete Davidson und den Anschlag bei ihrem Manchester-Konzert. Die meisten Songs wurden von Pharrell Williams produziert und waren, ehrlich gesagt, nicht mein Fall. Ich konnte mich wenig identifizieren und mochte lediglich die Tracks „Better off“, „Goodnight n go“ und „Breathin“. Die Singles waren okay, haben mich aber nicht vom Stuhl gerissen.

Mit dem Album „Thank U, Next“ ist das anders. Es geht ums Schlussmachen, die süße Fantasie von Liebe und die eigene Bedürftigkeit. Schon eher Themen, mit denen ich etwas anfangen kann. Ariana hat im letzten Jahr viel erlebt. Am Morgen des 8. Februars stellte sich mir also folgende Frage, bevor ich das Album zum ersten Mal hörte: Was kann ich im Jahr 2019 von Ariana Grande lernen? Wie klingt „Thank U, Next“?

1. „Imagine“

Nähe zu einem anderen Menschen kommt immer mit einem gewissen Risiko daher. Du kannst dich verlieben, gut fühlen und die Nähe genießen. Allerdings wirst du nie zu 100 Prozent wissen, wie sicher diese Nähe wirklich ist. Man kann immer scheitern, verletzt und enttäuscht werden.

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Ariana singt über eine Beziehung, die an sich wahnsinnig schön ist, aber nicht hält. Sie wird unerreichbar. Der andere kann, aus welchen Gründen auch immer, die Nähe nicht zulassen. So wie in ihrer Beziehung mit Mac Miller, der im September an einer Überdosis starb. „Why can’t you imagine a world like this?“ Gute Frage, Ariana.

„Imagine“ ist eine Ballade, die sich textlich, stimmlich und musikalisch komplex gibt. Das erste Mal hört man Ariana im Whistle-Register singen. Diese Technik hat jahrelang Mariah Carey für sich beansprucht.

2. „Needy“

Ariana macht keinen Hehl daraus, dass sie seit Jahren in Therapie ist. Ihre emotionale Bedürftigkeit wird zum Thema auf diesem Song. Sie braucht jemanden, um sich gut zu fühlen. Dabei ist sie sich bewusst, dass ihre Traumata ihr manchmal im Weg stehen können (dazu später mehr auf „Ghostin“). Ari singt über ihre Unsicherheiten. Und was sie eigentlich sagt: Es ist okay, sich so zu fühlen. Wir sind alle etwas „messed up“. Wichtig ist, einen Partner zu finden, der das akzeptiert.

3. „NASA“

Bereits im Video zu „Breathin“ wurde dieser Titel angeteast. Es geht darum, dass man in einer Beziehung auch Raum für sich braucht. Dass das die Beziehung am Leben hält und die Anziehungskraft nur verstärkt. Denn wie soll man jemanden vermissen, wenn man die ganze Zeit zusammen ist?

4. „Bloodline“

Nach all dem emotionalen Auf und Ab kommt Ariana auf „Bloodline“ etwas runter. Sie möchte Spaß haben. Am besten mit Männern. Sie ist aber nicht auf der Suche nach der großen Liebe, denn „dieser Dampfer ist abgefahren“. Auch okay.

5. „Fake Smile“

Du bist auf einer Party, wurdest gerade verlassen oder hast andere Probleme und kannst den Moment nicht wirklich genießen? Ariana weiß auch hier, was zu tun ist: Hör auf mit den Fake-Smiles und geh! Geh nach Hause oder zu Freunden. Tu nicht so, als würde es dir immer gut gehen. Das tut dir nicht gut, lass die Emotionen raus und sing mit Ari: „Fuck that fake smile.“

6. „Bad Idea“

Gerade getrennt und nicht mit dem Schmerz umgehen können. Dafür sucht sich Ariana auf „Bad idea“ jemanden, mit dem sie den Schmerz betäuben kann. Sie möchte vergessen. Ob’s klappt, sagt sie nicht. Bitte nicht nachmachen. Umso geiler ist dafür das Outro – ein Element, das langsam wieder in Mode kommt. Mariah Carey produzierte ähnlich aufgebaute Tracks auf ihrem Album „Caution“.

7. „Make up“

Den Partner provozieren, Schluss machen, um sich dann wieder zu vertragen. Thank u, next.

8. „Ghostin“

Der Begriff „Ghosting“ definiert besonders für Online-Dater eine bestimmte Praxis. Sich bei dem anderen einfach nicht mehr melden und Schluss zu machen. Wie ein Geist zu verschwinden. So in etwa geht’s auch Ariana in dem Song „Ghostin“. Sie hat eine Beziehung hinter sich, die sehr turbulent war. Das liegt an dem emotionalen Ballast, den sie mit sich herumträgt. Verflossene, die sie nicht loslassen kann. Die sie wie ein Geist besuchen.

Das möchte Ariana ihrem Partner nicht antun. Die beiden entfernen sich, obwohl sie eine Menge zusammen durchgemacht haben. Traurig. Was lernt uns das? Erst die Vergangenheit bewältigen und loslassen, bevor man sich auf jemanden Neues einlässt.

9. „In My Head“

Oder auch: Sweet, sweet Fantasy, Baby. Ari hat jemanden in ihrem Kopf kreiert, der so nicht existiert. Wer kennt das nicht? Mehr in die Idee von jemandem verliebt zu sein als in die Person selbst …

10. „7 Rings“

Über diesen Song gibt es so viele Geschichten wie Wörter in den Lyrics. Ari machte eine schwere Zeit durch und ging kurzerhand mit ihren sechs besten Freundinnen in New York shoppen. Retail Therapy hilft hier und da, wenn man es nicht übertreibt. Den besten Freunden sechs Diamant-Ringe von Tiffany’s zu spendieren, können sich die meisten von uns nicht leisten. Die Message ist aber auch eine andere: Spüre deine Traurigkeit, gönn’ dir aber mal eine kleine Ablenkung. Tu dir was Gutes.

11. „Thank U, Next“

Arianas Break-up-Empowerment-Hymne. Du hast gerade Schluss gemacht? Du erkennst deine Beziehungsmuster? Dann lass los, move on. Verbringe Zeit mit dir selbst, mit deinen Freunden und finde heraus, was du willst und wer du bist. Etwas Besseres kannst du nicht tun. Und vor allem dürfen wir eins nie vergessen: In jeder Beziehung, so schlimm sie auch endet, lernen wir etwas. Daraus können wir Kraft und etwas Gutes schöpfen.

12. „Break Up With You Girlfriend, I’m Bored“

Am Tag der Albumveröffentlichung ging auch das Video zur dritten Single „Break up with your girlfriend, I’m bored“ online. Im Video geht es jedoch nicht um den Boyfriend, sondern um die andere Frau, auf die Ariana scharf ist. Eine Anspielung darauf, dass der Text zu „Thank U, Next“ erst falsch verstanden wurde und Ariana lesbische Liebschaften angedichtet wurden? Vielleicht. Eins ist sicher: Nach Thank you, next ist vor der nächsten Beziehung.

Quelle: NOIZZ-Redaktion