Ariana Grande: Vom Disney-Star zur fast perfekten Pop-Prinzessin

Genna-Luisa Thiele

Popkultur, Psycho
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Ariana Grande Foto: Instagram / arianagrande

Seit über 10 Jahren schuftet die erst 25-Jährige für ihren allumfassenden Fame.

Am 8. Februar hat Ariana Grande ihr neues Album „thank u, next“ gedroppt – gerade mal sechs Monate nach ihrem Vorgänger „Sweetener“. Die neue Platte ist ein Statement: Es ist ihr erstes Studioalbum ohne Features. All Ari everything!

Und die One-Woman-Show sichert ihr neue Superlative. Die vorab veröffentlichten Singles „imagine“, „thank u, next“ und „7 Rings“ wurden skandalös oft gestreamt. Über 71 Millionen Mal wurde „7 Rings“ nach nur einer Woche gehört - kein Song ging jemals vorher so steil.

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Es ist unbestreitbar – Ariana Grande ist die Princess of Pop

Wie hat sie das geschafft? Mit Fleiß, Soul-Diva-Vocals und klar, auch kaltem Karriere-Kalkül. Ihr Name steht stellvertretend für eine Generation. Ihre teils noch sehr jungen Fans vergöttern sie als ihr Idol. Gestandene Stars schwärmen für Grande. Sie ist eine Persona, ein Phänomen geworden. Jeder Trend wird mit Ari zum Hype.

Sie hat ein Spür-Stupsnäschen dafür, was ihr Publikum gerade feiert – und treibt es damit dann auf die Spitze. 90er-Jahre-Nostalgie? Sie schmettert Cover von Mariah Carey, Whitney Houston und George Michael – inklusive Christmas-Cover-Album.

2000er-Sehnsucht? Sie persifliert in ihrem Musikvideo die „Mean Girls“-Optik.

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Die Menschheit flüchtet sich in Fabelwelten? Sie läuft im Einhorn-Jumpsuit rum, als ob es Style hat, verwandelt sich mit lila-silberner Mähne in eine moderne Fee für ihr „Fokus“-Musikvideo und überhaupt, Fairytale.

Wir haben mal rekonstruiert, welche Stufen die Sängerin / Schauspielerin / Social-Media-Influencerin sonst noch auf dem Weg in den Pop-Olymp erklommen hat. Und kritisch auf den Schatten geschaut, den ihr Ruhm auf sie wirft.

Kinder-Star und Disney-Darling

Sie waren das Signal, dass da ein Star vor unseren Augen heranwächst: Die Arielle-roten Haare von Cat Valentine, die Hauptrolle in der Teenie-Sitcom „Victorious“. 2010 bis 2013 spielte Ari die super-sensible, naive und aufgedrehte Jugendliche. Wiedererkennungswert: Starke Stimme und starke Stimmungsschwankungen. 2011 liefert sie auch den Soundtrack.

Die Show startete mit 5,7 Millionen Zuschauern – der Rettungsring für den schwächelnden Sender und die zweit-meist gesehene Serie in der Geschichte des TV-Netzwerks. Es folgten ebenso erfolgreiche Spin-offs wie „iCarly“ und „Cat & Sam“.

Debüt „Your's Truly“ und „The Way“-Single mit Mac Miller

2013 streift Ariana Grande ihren super-süßen, super-nervigen Cat-Stempel ab und spielt mit einem sexy Image. Die roten Haare sind jetzt seriös dunkelbraun, sie schwärmt nicht mehr für Schulkameraden, sondern knutscht Rapper Mac Miller ab. Die Sängerin singt über die wohligen Schauer, die sie durch seine Berührungen spürt.

Ihre Wege werden sich nochmal kreuzen – mit einem tragischen Ende. Aber dazu später.

„My Everything-Album und „Problem“-Hit mit Iggy Azalea

2014 eskaliert Ariana Grande – mithilfe von Rapperin Iggy Azalea. Die spittet zu dem Zeitpunkt auf jedem Radiosender. Die Kombi klappt: Die beiden Ladys liefern DEN Sommerhit. Ihr Song „Problem“ hat heute sagenhafte mehr als eine Milliarde (!) views:

Bei den Billboard Music Awards brilliert Ari mit ihrer Live-Performance:

„Dangerous Woman“-Album mit Future und „Side to Side“-Single mit Nicki Minaj

Das Lolita-Image wird weiter aufpoliert. Der Look für die „Dangerous Woman“-Tour: Unterwäsche, Lack und Leder, Katzen-Öhrchen. 2016 hält Ari konsequent ihren Kurs auf Rap und R&B. Sie ist so gesehen mit „Schuld“ an dem Mainstream-Hype um Hip-Hop, wie ihr Track mit Future beweist:

Kollabo-technisch greift sie nach den Sternen: In ihrer Single „Side to Side“ mit der selbsternannten „Queen of Rap“ Nicki Minaj kürt die Rapperin Ari zur „Queen of Pop“.

Es wagt sich kaum jemand, zu widersprechen. Die Zahlen sagen alles: Alle ihre ersten Single-Auskopplungen — „The Way“ mit Mac Miller , „Problem“ mit Iggy Azalea und „Dangerous Woman“ schaffen es auf Anhieb in die Top Ten der Hot 100. Vor Ariana Grande hat das noch keiner geschafft. Einzige Konkurrenz: Rihanna „RiRi“ mit ihrem Album „Anti“.

Gehypte Kollabos mit: Justin Bieber, Miley Cyrus, Major Lazer u.v.m

So ein Star im Scheinwerferlicht zieht natürlich Gleichgesinnte an wie Zuckerlimonade die Bienen. So konnte sich Ariana Grande ihre Features quasi aussuchen. Die Liste ist ellenlang: Justin Bieber, Harry Styles, Nicki Minaj, Jessie J

… Major Lazer, David Guetta, Zedd, Miley Cyrus

… Iggy Azalea ,Childish Gambino, The Weeknd:

Und für ihr aktuelles Album Produzenten wie Hip-Hop-Ikone Missy Elliot und Talent-Tracker Pharrell Williams.

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Ariana Grandes Live-Vocals begeistern

Doch was Ariana Grande dann ein Standing in der Szene verschafft, sind ihre starken Shows und ihre krasse Vocal-Range bis in die höchsten Oktaven. Ihr stimmliches Spektrum kommt live nicht ins Zittern, sticht so andere Talente wie Selena Gomez aus – und lässt sogar anfängliche Skeptiker verstummen. Seit ihrem legendären Auftritt bei den „American Music Awards“ 2013 setzt so ziemlich jede Award-Show die Sängerin auf ihre A-List.

Natürlich hat Ariana bei der Gala auch die Auszeichnung als „Best New Artist“ abgesahnt.

Mit ihren Skills kann die Sängerin es mit richtigen Größen aufnehmen: So imitiert sie selbstbewusst Stimm-Wunder wie Whitney Houston, Celine Dion und Adele. Was ihr props in der Szene einbringt. Ein weiterer, cleverer Schachzug.

Everybody’s Darling in every Talkshow

Mit ihren Interpretationen von Britney Spears, Mariah Carey und Christina Aguilera hat Ariana Grande hat sie alle um ihren Finger gewickelt: Ellen DeGeneres, Jimmy Fallon, Saturday Night Live, Jimmy Kimmel. Sie hat Ahnung von dem, was sie macht, switcht auf Ansage mühelos zwischen Soul und Funk, Rock und Heavy Metal.

Bei ihren Auftritten gibt sie den lieblichen Gast, der für jeden selbstironischen Spaß zu haben ist. Sie spielt wie ein Profi mit ihrem Diva-Status, macht Stand-Up-Sketches.

Ariana Grandes Ausflüge nach Hollywood

Schauspiel und Comedy waren für die Sängerin ja Sprungbrett und daher verwundert es nicht, dass sie auch weiterhin ihr Netzwerk spinnt. Einerseits mit Soundtracks für Kinofilme wie „Hungergames – Mockingjay Part 1“ mit Jennifer Lawrence …

… mit John Legend für „Die Schöne und das Biest“-Remake mit Emma Watson:

Außerdem der Titelsong für den Animations-Film „Sing“ mit Stevie Wonder:

… und für den ebenfalls animierten Film „Trolls“ mit Justin Timberlake:

Und damit nicht genug: Auch ihre Schauspiel-Skills hat Ari nicht verlernt, wie sie in der ABC-Serie „Scream Queens“ als verzogene Göre Chanel beweist:

Dieser Auftritt zeigt einmal mehr, was man noch wissen muss, um die steile Karriere des Superstars zu verstehen: Ihre Selbstinszenierung und Optik.

Ariana Grande hat einen signature look geprägt: Oversized Pulli als Mini-Kleid, Overknee-Stiefel als Killer-Heels, und Over-Dimensional-Ponytail als Haar-Peitsche. Dazu glossy Lippen und ab und an mal Kleider, die auch als Dessous durchgehen.

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Damit hat sie sich dann den nächsten Traumjob geangelt: Victoria's Secret! Quasi die die Super-Bowl-Halbzeitshow der Mode-Branche.

Perfekt, um sich weiter zu connecten. Schließlich sangen dort vor ihr schon Rihanna, Rita Ora, Selena Gomez u.v.m.

Ariana Grande und ihre Girl Gangs

So, wie die Sängerin über starke Frauen schwärmt und Feminismus predigt, könnte man sie fast als politisch bezeichnen. Aber wahrscheinlich ist das noch ein weiterer Trend, den Ari früh erkannt hat. Sie teilt jedenfalls stolz Statements zu Frauenrechts-Bewegungen wie #MeToo, #TimesUp und nicht nur ihre Lyrics strahlten von einigen Plakaten beim diesjährigen Women's March, sie war selbst am Start mit ihrer Mutter und Oma.

Sie nutzt Twitter, um mit schlagfertigen Tweets auf Sexismus zu reagieren.

Überhaupt: Social Media! Das wichtigste Aushängeschild ihrer Marke. 144 Millionen Follower hat die Sängerin auf Instagram. Interviews? Braucht der Star nicht. Lieber spricht sie via Insta und Twitter direkt mit ihren Fans, die sich ihr so nah fühlen – und treu bleiben.

Also ist Ariana wirklich die perfekte Pop-Prinzessin?

Fast. Ihr symbolischer Thron wirft auch einen langen Schatten. Und längst nicht jeder hält die Sängerin für talentiert, lieb und unschuldig. Im Laufe der Jahre erheben Leute immer wieder schwere Vorwürfe gegen die 25-Jährige. Auf Social Media kriegt sie nicht nur schockverliebte Fan-Komplimente, sondern auch Hater-Kommentare. Ihr werden unter anderem Blackfacing, „Blaccent“ und Cultural Appropriation vorgeworfen:

In dieselbe Kerbe schlägt auch die Kritik der schwarzen Rapper Soulja Boy und Princess Nokia. Sie werfen Ariana Grande vor, sie wäre eine dreiste Copy Cat und hätte für ihren Mega-Hit „7 Rings“ einfach mal Beat, Flow und message geklaut.

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Ariana Grande und ihre Ex-Freunde

Den meisten Hass auf Insta und Co. hat die Sängerin aber für ihre Beziehung mit Mac Miller abbekommen. Hardcore-Fans des mittlerweile verstorbenen Rappers geben ihr sogar eine Mitschuld an seinem Tod. Andere unterstellen ihr, sie würde unnötig Kapital aus der Tragödie um seine tödliche Drogen-Überdosis schlagen.

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Auch ihre medienwirksame Trennung von ihrem Ex-Verlobten Pete Davidson befeuert für viele Kritiker den Eindruck, sie würde die Gefühle ihrer Lover für sich ausbeuten.

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Eins ist klar: Jeden Schicksalsschlag verarbeitet Ariana Grande zu einem Super-Hit. So auch das Terror-Attentat bei ihrem Konzert in Manchester 2017. Beruflich das wohl schlagkräftigste, privat das wohl schlimmste Jahr in ihrem Leben.

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2019 wird DAS Jahr für Ariana Grande

Jetzt scheint sie nichts mehr zu stoppen: Ihr Album „thank u, next“ und die bevorstehende Tour werden ihr wohl den Platz im Pop-Olymp weiter sichern.

Quelle: Noizz.de