Die vergangenen zwei Jahre waren die schlimmsten und schönsten für die 26-Jährige.

Stell dir vor, du bist gerade so richtig mit deiner Solokarriere als Sängerin durchgestartet. Du gibst ausverkaufte Konzerte in riesigen Hallen auf der ganzen Welt, vor denen Hunderte Fans stundenlang Schlange stehen, um dich live zu sehen. Stell' dir vor, du stehst in Manchester auf der Bühne, vor 20.000 Fans, feierst gerade das Leben und deine Songs, als ein Selbstmordattentäter angreift. 22 Menschen vor Ort sterben aufgrund seines Attentats.

Genau das wurde am 22. Mai 2017 zur Realität für Popstar Ariana Grande und ihre Fans. Das ist nur eine der Tragödien, die Ari seitdem durchstehen musste. Im September 2018 stirbt ihr langjähriger Boyfriend, Rapper Mac Miller, mit nur 26 Jahren an einer ungewollten Überdosis. Seine Fans geben Ariana Grande die Schuld, statt seiner Depression und seiner Drogensucht. Über beides spricht Mac Miller zu Lebzeiten offen, singt darüber in seinen Songs. Davon steht in den ekelhaft bösartigen Kommentaren auf Social Media aber nichts.

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Du erinnerst dich vielleicht, dass Ari ihren eigenen Weg wählte, um mit diesen Traumata und der Trauer klarzukommen. Sie ballerte zwei Alben raus, "Sweetener" und "thank u, next". Letzteres nach zwei Wochen intensivem Songwriting. Im Titelsong singt sie über ihren verstorbenen Ex-Freund Mac Miller und über ihren Ex-Verlobten Pete Davidson, bedankt sich für die Erfahrungen. Während du das legendäre Musikvideo voller 2000er-Optik so schnell vielleicht nicht vergisst, gesteht Ariana jetzt in einem ausführlichen Interview mit dem "Vogue"-Magazin, dass sie sich an die Zeit im Studio null erinnert.

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"Wenn ich ganz ehrlich bin, kann ich mich nicht an diese Monate meines Lebens erinnern, weil ich (a) so betrunken und (b) so traurig war. Ich kann mich nicht wirklich erinnern, wie es angefangen hat oder wie es geendet hat oder wie plötzlich zehn Songs fertig waren."

Ariana Grande weint vor Trauer um Mac Miller und ihren Coachella-Auftritt

Erinnerungen an Mac Miller und an die überfordernde Zeit nach seinem Tod teilt Ari auch – laut dem Journalisten Rob Haskell nach nur neun Minuten. Dabei bricht Ariana Grande in Tränen aus, entschuldigt sich immer wieder dafür, dass sie weint, als sie erzählt, wie sie zum Beispiel nie heiß darauf war, auf Festivals zu gehen. Außer das erste Mal, als sie nur da war, um Malcolm – so heißt Rapper Mac Miller mit bürgerlichem Vornamen – als Headliner auf Coachella zu sehen. 2019 war sie dann selbst Main Act bei Coachella. In nur etwas mehr als einem Jahr musste sie seinen Verlust verkraften, in derselben Location, in der sie den größten Erfolg ihrer Karriere feierte.

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Wenn du ihr Album unter diesem Aspekt nochmal hören willst: Ihr Song "Fake Smile" geht darauf ein, wie erfolgreich Ari daran verzweifelt, immer gute Mine in die Fratze ihrer Schicksalsschläge zu zeigen. Im Interview erklärt sie: "Ich bin eine Person, die viel durchgemacht hat und ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll, geschweige denn, was ich der Welt mitteilen soll. Ich sehe mich auf der Bühne als diese perfekt geschliffene, großartige Entertainerin, und in solchen Situationen bin ich nur ein Häufchen Elend, das versucht, all das zu verstehen."

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Über den Hass, den Ariana abbekommt, weil sich die ebenfalls trauernden Fans von Mac Miller nach einer Person sehnen, die Schuld ist, sagt sie: "Die Leute sehen nichts von dem, was wirklich passiert, also sind sie laut und behaupten, was ihrer Meinung nach passiert ist. Was sie nicht sehen sind die Jahre der Arbeit und des Kämpfens und Versuchens oder die Liebe und Erschöpfung." Sie habe ihn nicht retten können, und er sich auch nicht.

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Ariana Grande und Mac Miller hatten keine perfekte Beziehung

Darüber sagt Ariana: "Auf keinen Fall war das, was wir hatten, perfekt, aber verdammt. Er war der beste Mensch aller Zeiten und er hatte diese Dämonen, mit denen er kämpfen musste, nicht verdient. Ich war für so lange Zeit der Klebstoff, bis ich immer weniger … unnachgiebig wurde. Alles begann sich aufzulösen."

Auch über die belastenden Spätfolgen des Manchester-Terroranschlag bei ihrem Konzert spricht die Sängerin. Dabei betont sie, dass sie nicht diejenige ist, die es am schwersten hat: "Es ist nicht mein Trauma, es sind diese Familien. Es ist ihr Verlust, und deshalb ist es schwierig für mich, alles rauszulassen, ohne darüber nachzudenken, dass sie das lesen könnten und dass das ihre schmerzhaften Erinnerungen wieder zurückholt."

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Sie stehe noch immer unter Schock, habe sich viel über Posttraumatische Belastungsstörung und Genesung von Trauma informiert. "Das dauert", erklärt sie. "Es gibt so viel, das ich noch selbst verarbeiten muss, und ich werde wahrscheinlich nie bereit sein, über manches davon zu sprechen."

Wir finden: Trotzdem stark, wie verletzlich sich der Star im Gespräch über die sehr persönlichen Schwierigkeiten zeigt, mit denen sich viele ihrer jungen Fans sicher identifizieren können.

Quelle: Noizz.de